NSA-Enthüller Edward Snowden soll Mitschuld am Terroranschlag in Paris tragen.
Snowden habe die NSA bestohlen, heißt es bei Bild.de. Die Europäer hätten nicht an Anschläge geglaubt und mit Plakaten wie „Je suis Charlie“ könne man gegen Kalaschnikows nichts ausrichten. Stimmt. Aber heißt das im Umkehrschluss, dass man seine persönliche Freiheit direkt und alternativlos aufgeben muss? Nein!
Der Schreiber, Julian Reichelt, immerhin Chefredakteur bei Bild.de, war die letzten beiden Tage in Washington und weiß jetzt, wie die Welt funktioniert. Er „argumentiert“ – ganz im Sinne der Fox-Presse – gerade so, als habe es die Anschläge von Madrid, London und Boston nie gegeben. Er stellt die Europäer im Gegensatz zu den Amerikanern als komplett naiv und friedenstrottelig dar. Helfen kann in diesem Falle – natürlich! – nur der große Bruder mit seinem stasi-gleichen Überwachungsapparat.
Die Datensauger der NSA konnten uns nur deshalb nicht vor dem Terror schützen, weil Snowden die Schnüffeleien enttarnt hatte und die Terroristen daraufhin ihre ursprünglichen Kommunikationskanäle aufgaben. So die krude Herleitung der Bild. So, jetzt wissen wir endlich auch, wie die Welt funktioniert.
Die Formel ist simpel und bekannt aus dem Land der beschränkten Datenfreiheit: Terrorbekämpfung als Rechtfertigung für die Einengung der Freiheit und des Datenschutzes. Der Patriot Act lässt grüßen. Überwachung als Allheilmittel. Ohne uns, Herr Reichelt!
Der Zwischenruf von Reichelt: http://www.bild.de/politik/ausland/bild-kommentar/warum-wir-die-ueberwachung-der-nsa-gegen-den-terror-brauchen-39258474.bild.html
Weitere Meinungen:
https://geilhaupt.com/2015/01/09/offener-brief-julian-reichelt/
http://www.horizont.net/medien/kommentare/Terror-in-Paris-Bild.de-im-journalistischen-Kriegszustand-132206