Die Zukunft von Microsoft

Standbein Server, Spielbein Cloud

Gut aufgestellt: Microsoft verwandelt sich vom Software-Verkäufer zum Anbieter von Enterprise-Services mit einem eigenen Cloud-Betriebssystem.

Räumt auf: Der neue Microsoft-CEO Satya Nadella

Das lässt Neuerungen vermuten: Der neue Microsoft-CEO Satya Nadella entlässt die Marketingleiterin Tami Reller. Sie hatte diese Position erst seit Mitte des letzten Jahres, davor war sie Marketing-Chefin von Windows. Sie passt wohl nicht mehr so ganz zur Strategie der neuen Chefetage.

Denn die setzt offensichtlich sehr stark auf Enterprise und Cloud, bei der Vergangenheit von Nadella kein Wunder. Dies lässt sich auch aus der ziemlich langwierigen Suche nach einem neuen CEO ableiten und natürlich der Tatsache, dass es der ehemalige Enterprise/Cloud-Chef geworden ist.

Vermutlich hatte Nadella ein paar Ideen, die letztlich sowohl den Aufsichtsrat als auch Übervater Bill Gates begeistern konnten. Erste Anzeichen gibt es bereits: Die Lizenzen sollen vereinfacht und verbilligt werden. Dies wirkt sich bereits jetzt auf die Enterprise-Version von Windows aus, die nun auch einzeln angeboten wird und nicht nur im teuren Volumenlizenzprogramm.

Außerdem scheint es interne Diskussionen zu geben, eine speziell angepasste Windows-Variante für Privatanwender kostenlos abzugeben und auch bestimmte Lizenzgebühren für Gerätehersteller zu streichen. Das sieht ganz nach einem endgültigen Rückzug vom Modell des reinen „Softwareverkäufers“ aus. Damit ist Microsoft groß geworden und hat über Jahre den PC-Markt dominiert.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Markt für Desktop-PC ist dabei, sich auf professionelle und geschäftliche Anwender einzuengen. Der Großteil der Privatanwender und ein gewisser Teil der Anwender in Unternehmen benötigt im Grunde lediglich einen Einfachcomputer von der Leistungsfähigkeit eines besseren Tablets.

Hier hat Microsoft noch kein konkurrenzfähiges Angebot. Die Marktdurchdringung und die Ausstattung mit Apps ist sowohl bei Smartphones als auch bei Tablets mangelhaft. Wie könnte nun das Geschäftsmodell der Zukunft für Microsoft aussehen? Weiterhin versuchen, Betriebssysteme an alle und jeden zu verkaufen?

Nein, die Zukunft liegt in zwei Bereichen: Bei Server-Betriebssystemen hat Microsoft bereits jetzt eine gewisse Marktdominanz. Sie verführt Experten schon zu Spekulationen, wann Microsoft denn Red Hat aufkaufen werde, den größten Verfolger im Servermarkt. Und der zweite Bereich ist die Cloud, mit dem erfolgreichen Azure und dem Überraschungssieger Office 365.

Standbein Server und Spielbein Cloud, so dürfte Microsoft für die Zukunft „aufgestellt“ sein, wie es so schön im Business-Jargon heißt. Mit diesen beiden Bereichen kann Microsoft in Zukunft zu einem IT-Serviceprovider für Unternehmen aller Größen werden.

Und Windows? Es bleibt ein wichtiges Element innerhalb einer solchen Strategie, denn die Server/Cloud-Kombi profitiert von einem leistungsfähigen Client-Betriebssystem. Schließlich ist es auch noch abwärtskompatibel zu vorhandenen Anwendungen - notfalls mit einem XP als virtueller Maschine, um historische Software in Betrieb zu halten. Nur eines Microsoft dann nicht mehr: Die Windows-Company.

Bildquelle: Microsoft

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