22.12.2016 Grüne Gründer

Startups für Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Von: Ingo Steinhaus

Es muss nicht immer ein rein digitales Startup sein, auch in Ökologie und Landwirtschaft gibt es viele interessante Gründungen.

  • Der PlantCube von Agrilution

  • Ein City Tree von Green City Solutions

Was bei der ganzen digitale Euphorie leicht untergeht: In Deutschland sind Gründungen in der „Green Economy“ nach dem Handel auf Platz Zwei. Zahlreiche der jungen Unternehmen nutzen modernste Technologien, um Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu fördern. Der Grund: Im Bereich der Umweltinnovationen liegt Deutschland zusammen mit Schweden und Finnland im Spitzenfeld. Zahlreiche Neugründungen fallen in den Bereich erneuerbare Energien, doch es gibt zwischen noch zahlreiche weitere Sektoren wie Landwirtschaft oder Handel mit Bioprodukten, die von den Jungunternehmen erobert werden. Ein paar interessante und ungewöhnliche Startups werden hier vorgestellt.

Agrilution

http://agrilution.com/de/

Das Startup aus München ist im „Vertical Farming“ aktiv. Damit ist eine landwirtschaftliche Technologie gemeint, die zum Beispiel das Züchten von Gemüse in Gebäuden ermöglicht, etwa in Fabrikhallen. Dabei sorgen kostengünstige Vollspektrum-LEDs für das perfekte Licht. Agrilution stellt eine Kleinversion her. Der vollautomatische Gewächsgarten für die Wohnung heißt plantCube und sieht aus wie ein Einbaukühlschrank.

Innen bietet er tageslichthelles LED-Kunstlicht, gleichmäßige Luftfeuchtigkeit und für Pflanzen angenehme Wärme. Mit zusätzlich vermarkteten Saatmatten können urbane Hobbygärtner Kräuter, Rucola, Spinat, Mangold oder Feldsalat in ihrer Wohnung ziehen. Der plantCube ist hierzulande eher ein Lifestyle-Produkt, aber das Unternehmen spekuliert anderswo auf einen Massenmarkt, etwa in asiatischen Großstädten mit ihrer stark belasteten Luft. Das Produkt ist allerdings noch nicht erhältlich, das Startup sucht einen Herstellungspartner.

FoodLoop

https://www.foodloop.net/de/

Ein großes Problem im Lebensmittelhandel ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), das bei vielen Produkten eher eine Art Frischegarantie ist. Leider verstehen die meisten Kunden das MHD als „Verfallsdatum“ und kaufen Ware nicht mehr, wenn dieses Verfallsdatum näher rückt. Und laut Gesetz dürfen Händler das Produkt nach dem MHD nicht mehr verkaufen. Ein Problem, dass zu enormer Verschwendung führt.

Das Startup FoodLoop aus Köln möchte diese Situation verbessern. Die FoodLoop-App informiert über reduzierte Lebensmittel nahe dem Mindesthaltbarkeitsdatum in Supermärkten in der Nähe. Dafür arbeitet das Startup mit den Händlern zusammen, die auf der FoodLoop-Plattform Rabatte angeben können. Ziel des Unternehmens ist es, durch die automatische Rabattierung und die per App erhöhte Aufmerksamkeit von Verbrauchern die Mengen an verschwendeten Lebensmitteln zu senken. Zurzeit ist unklar, wann das Produkt auf den Markt kommt - es ist noch in der Entwicklung und sucht nach Partnern im Handel.

Green City Solutions

http://greencitysolutions.de/

Wer bessere Luft will, muss große Grünpflanzen heranziehen. Doch in den meisten Städten gibt es nicht genügend Platz, um Büsche und Bäume einzupflanzen. Außerdem dauert es natürlich sehr lange, bis eine solche Pflanzung so groß geworden ist, dass sie einen merklichen Effekt hat. Die Lösung sind Moose, in einem Begrünungssystem namens „City Tree“ in die Höhe wachsen.

Die knapp vier Meter hohe Wand ist mit speziellen Moosen bepflanzt. Dank ihrer großen Oberfläche können sie enorm viele Schadstoffe aufnehmen. Jede Pflanzenwand kann etwa 30 kg Kohlendioxid pro Jahr binden und so viele Feinstaubpartikel wie 275 Bäume. Sensoren für Luftqualität, Temperatur und Regenmenge sowie ein integrierter Regenwassertank mit Solarstrom-Pumpsystem versorgt die Moose automatisch mit der notwendigen Wassermenge.

Die City Trees gehören übrigens in das Internet der Dinge und können einerseits als Messgeräte für die Luftqualität benutzt werden und andererseits aber auch mit Zusatzfunktionen ausgerüstet werden, etwa einer digitalen Werbetafel, WiFi-Hotspots oder E-Bike-Ladestationen. Aufgrund ihres hohen Preises von über 20.000 Euro eignen sie sich in erster Linie für größere Städte. Bislang gibt es lediglich einige Pilotprojekte, doch das Unternehmen hofft auf Erfolg in außereuropäischen Großstädten.

Querfeld

http://www.querfeld.bio/

Ein weiteres Problem, das in der Landwirtschaft für Verschwendung sorgt: Der Handel verlangt auch weiterhin ausschließlich ästhetisch perfekte Ware von den Erzeugern. Begründet wird dies damit, dass die meisten Kunden Frischeprodukte mit kleinen Fehlern wie krumme Gurken, herzförmige Kartoffeln oder zweibeinige Möhren verschmähen. Dadurch entsteht bei den Bauern extrem viel Ausschuss - bis zu 30 Prozent der Ernte wird nicht verkauft.

Das Startup bezieht direkt vom Erzeuger frisches Obst und Gemüse, das sonst aussortiert wird und verkauft es an Konsumenten, die Wert auf Geschmack, aber nicht auf Optik legen. Dabei will das junge Unternehmen ausschließlich mit Bio-Bauernhöfen zusammenarbeiten und deren Produkte zu günstigen Preisen anbieten. Dies senkt die Lebensmittelverschwendung und bedeutet für die Bauern ein Zusatzeinkommen, denn häufig können nicht genug dieser Waren direkt über Hofläden verkauft werden. Auch dieses Startup ist noch in einer sehr frühen Phase und baut sein Partnernetzwerk gerade erst auf.

Bildquelle: Thinkstock, Agrilution, Green City Solutions

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