Hagen Rickmann, T-Systems

Steuerung aus der Wolke

Auf der Cebit präsentierte T-Systems sein Mobile ­Device Management (MDM) aus der Cloud, mit dem der Kunde seine mobilen Endgeräte über ein strukturiertes Portal managen kann. Ein Weg scheint gefunden, um „Bring your own Device“ mittels Standardkonzept zu bewältigen. Wir sprachen mit Hagen Rickmann, Mitglied der Geschäftsleitung T-Systems und dort verantwortlich für den Bereich Service, u.a. über Sicherheitsfragen, Virtualisierung und vor allem den Nutzen für die Kunden.

Hagen Rickmann, T-Systems

„Die IT-Verantwortlichen müssen sich den Heraus-forderungen stellen, die unterschiedlichen Endgeräte unter einen Hut zu bekommen und in eine standardisierte IT-Infrastruktur zu integrieren“, meint Hagen Rickmann, Mitglied der Geschäftsleitung T-Systems

Jahrelang haben Unternehmen die IT standardisiert, „Bring your own Device (BYOD)“ ist nun das komplette Gegenteil. Wie sollten IT-Verantwortliche damit umgehen?
Hagen Rickmann:
Die rasante Entwicklung des Konsumentenverhaltens im Mobility-Bereich hat den Trend der „Consumerization of IT“ ausgelöst und damit auch zu „BYOD“ geführt. Mitarbeiter bringen ihre mobilen Geräte immer mehr in ihren Unternehmens­alltag ein. Die IT-Verantwortlichen müssen sich den Herausforderungen stellen, die unterschiedlichen Endgeräte unter einen Hut zu bekommen und in eine standardisierte IT-Infrastruktur zu integrieren. Doch die IT-Infrastruktur ist auch flexibler und anpassungsfähiger geworden. Zentrale Ansatzpunkte zur Steuerung mobiler Endgeräte bieten IT-Verantwortlichen durchaus schlüssige Lösungskonzepte.

Inwieweit lohnt sich das Aufstellen interner Richtlinien für den sicheren Umgang mit mobilen Devices? Lassen sich die Mitarbeiter einfangen oder finden sie provisorische Umgehungen für jedes Verbot?
Rickmann:
Die Frage nach den unternehmensinternen Richtlinien lässt sich nicht allein durch die IT-Vorgaben beantworten. Auch HR-rechtliche Fragen fallen zusätzlich ins Gewicht, z.B. die Trennung von privater und dienstlicher Nutzung. Diese Fragen sind nicht trivial, wenn ein Mitarbeiter beispielsweise dienstliche E-Mails über sein privates Handy im Urlaub abruft. Es entstehen Roamingkosten, wenn die Mails nicht über WLAN abgerufen werden. Um dies zu vermeiden, sollte der Mitarbeiter über eine klare Vorgehensweise informiert sein, wie er Kosten in dieser Situation spart – etwa durch E-Mail-Abruf via  WLAN. Es kann nicht das Ziel sein, alle spannenden Applikationen auf dem iPhone zu verbieten, um es unternehmensfähig zu machen. Hier müssen Sicherheitskonzepte gefunden werden, die die richtige Mischung aus Verantwortung und Freiheit zulassen.

Inwieweit lässt sich die einhergehende Sicherheitsproblematik rein technisch lösen?
Rickmann:
Technische Optionen reichen von einer einfachen Verschlüsselung bis zu komplett in sich geschlossenen Kommunikationsstrukturen.
Ein Ansatz, den wir zurzeit bei einem deutschen Finanzinstitut, einem deutschen Automobilhersteller und einem niederländischen Unterhaltungselektronikunternehmen realisieren, ist das sogenannte Sandbox-Verfahren. Über Sandbox werden die wichtigsten Unternehmensanwendungen, etwa das Firmenkontaktverzeichnis, aus einer in sich geschlossenen Umgebung betrieben. Somit bieten sie keine Zugriffsmöglichkeiten über andere Anwendungen, beispielsweise Facebook. So lassen sich geschäftliche Anwendungen von privaten auf einem Endgerät trennen.

Welchen Ansatz empfehlen Sie, wenn es um hochsicheres Arbeiten von unterwegs geht?
Rickmann:
Auf der Cebit haben wir Simko3 vorgestellt. Das ist nicht nur ein extrem sicheres Smartphone, sondern vor allem ein einzigartiges Betriebsmodell für die Sicherheit von Daten und den Abhörschutz von Telefongesprächen. Mails, Kontakte, Termine, SMS, Fotos, Tonaufnahmen und Telefonate sind komplett verschlüsselt und verlassen die Infrastruktur eines Ministeriums oder einer Firma nicht. Sogenannte Mikrokerne erlauben es, zwei sichere „Welten“ in einem Gerät anzulegen: eine offene und eine hochsichere geschäftliche. Selbst bei Verlust oder Diebstahl bleiben die Informationen dank Verschlüsselung auf dem Smartphone geschützt. Dieser Aufbau ist weltweit einzigartig und erlaubt ein Ausweiten von Simko3 auf Tablets und Notebooks. Wir streben mit diesem Produkt wieder eine Zertifizierung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik an. Die derzeitige Version – Simko2 – hat diese Zertifizierung: nur für den Dienstgebrauch, Verschlusssache. Etwa 5.000 Geräte sind derzeit mit Simko2 in Regierung und Industrie im Einsatz.

Wie passt das Stichwort Virtualisierung in diesen Kontext?
Rickmann:
Perfekt. Der netzzentrische Ansatz über Virtualisierung erlaubt den Zugriff auf kritische Unternehmens-ressourcen, ohne diese aus der Umgebung herauszunehmen, in der sie sicher gespeichert sind. Zudem gewährt der Ansatz, Unternehmensanwendungen auf die verschiedenen Endgeräte zu übertragen. Damit steigert man die Unabhängigkeit von dem zurzeit volatilen Endgerätemarkt – das heißt vom Windows Phone bis hin zum iPad III und dem neuesten Google Android Smartphone. Über MDM aus der Cloud bieten wir sicheren Zugang zu Geschäftsanwendungen für alle Endgeräte.

Sie propagieren die Bereitstellung des MDM über die Cloud. Welche Fragen stellen Ihre Anwender hinsichtlich sicherer Datenspeicherung? Alleine der Verweis auf ein zertifiziertes Rechenzentrum wird wohl nicht reichen?
Rickmann:
Sicherlich nicht. Wir berücksichtigen natürlich die Anforderungen des Kunden, die die Speicherung von Unternehmensdaten betreffen, in Bezug auf Sicherheit und Compliance in seinem Kerngeschäft. Der Kunde will wissen, dass wir ihm die gesetzeskonforme Ablage seiner Daten garantieren, dass die Daten nur für autorisierte Personen zugängig sind und sie nur zweckgebunden verwendet werden. Dies zu verstehen und richtig wie effizient in die Cloud zu bringen und von dort aus zu betreiben, ist seit über sieben Jahren unser Kerngeschäft. Kunden aus unterschiedlichen Branchen – dem öffentlichen Bereich, der erzeugenden Industrie und besonders der Automobil- und Energieindustrie – vertrauen uns seit Jahren ihre sensiblen Unternehmensdaten an.

Mit welchen Hard- und Software-Anbietern kooperieren Sie? Wo sehen Sie in Zukunft den größten Entwicklungsaufwand und wie bewerten Sie die Situation der führenden mobilen Betriebssysteme?
Rickmann:
Wir nehmen die Rolle des Integrators bei mobilen Lösungen „Ende zu Ende“ ein. Deswegen kooperieren wir seit langem mit führenden Hardware- und Softwareherstellern, beispielsweise Microsoft, SAP und Cisco. Was wir nicht wollen, ist die exklusive Integration über ein Betriebssystem auf einer Device-Familie. Hier verfolgen wir den Ansatz von zentralen Plattformen, um unabhängig vom Betriebssystem übergreifende Dienste anzubieten. Unsere Partnerschaften befähigen uns, mit der erforderlichen Geschwindigkeit auf neue Entwicklungen im Endgerätemarkt zu reagieren. Wir kooperieren beispielsweise seit mehreren Jahren mit der jetzigen SAP-Tochter Sybase in der gesamten Wertschöpfungskette, von MDM bis zur Mobilisierung von Unternehmensanwendungen.

Wie sieht ein durchschnittliches Kundenszenario aus?
Rickmann:
Den durchschnittlichen Kunden zu benennen, ist nahezu unmöglich, denn es gibt keine zwei Kunden mit denselben Anforderungen. Doch durch viele Fragen an uns haben wir folgenden Lösungsweg erarbeitet: Zunächst müssen wir genau betrachten, welche Ziele der Kunde durch Mobilisierung von Endgeräten und Prozessen verfolgt. Es ist ein Unterschied, ob wir einen Vertriebsprozess, einen Produktionsprozess oder den Servicemitarbeiter im Außendienst mit den richtigen Endgeräten und Anwendungen unterstützen. Es ist allerdings wichtig, dass der Kunde eine Zielvorstellung vor Augen hat, bevor er sich für eine dedizierte Infrastruktur entscheidet. Wer z.B. eine MDM-Lösung einführt, ohne die Mobilisierung von (SAP-) Geschäftsanwendungen zu berücksichtigen, könnte später das Nachsehen haben. Deshalb bieten wir eine umfangreiche Beratung, um die strategischen Ziele angemessen durch ICT zu unterstützen.

Wie erlebt der Kunde Ihren MDM Cloud Service und welche Vorteile hat er?
Rickmann:
Das Ziel unserer Cloud-Lösungen ist, flexible und dynamische Services schnell bereitzustellen. Hier bieten wir vorkonfigurierte Einstiegsszenarien für mehrere Offerings zum Festpreis an. Mit MDM aus der Cloud geben wir unseren Kunden nicht nur die Möglichkeit, diesen Dienst innerhalb von 24 Stunden zu abonnieren, sondern zuvor vier Wochen lang einen Test zur Validierung seiner Anforderung zu begleiten. So kann der Kunde schnell und mit überschaubarem Aufwand seine gesamte Endgeräteflotte zentral administrieren.

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