Quo Vadis, RIM?
Wer etwas Wichtiges zu sagen hat, sollte es von prominenter Warte aus tun. In den USA erreicht ein Unternehmen das maximale Publikum und die maximale Aufmerksamkeit durch Buchung eines der begehrten Werbeplätze im Superbowl Anfang Februar.
In diesem Jahr produziert "Research in Motion" (RIM), der angeschlagene BlackBerry-Hersteller einen der Superbowl-Clips. Meist treiben die Unternehmen für die kurzen Clips im heiligen Gral der US-Werbung einen enormen Aufwand.
Das ist nicht billig, rechnet sich aber häufig. Denn bereits im Vorfeld wird in den Medien sehr intensiv darüber berichtet, welche Unternehmen diese Werbeplätze belegen. Eine hohe Aufmerksamkeit ist also garantiert.
Dass RIM seinen Hoffnungsträger "BlackBerry 10" im Superbowl präsentiert, macht eines sehr deutlich: Das Unternehmen setzt alles auf eine Karte. Wenn der BlackBerry 10 ein Erfolg wird, übersteht RIM die nächsten Jahre. Dem Unternehmen unter der Leitung des CEO Thorsten Heins ist es zu gönnen.
Der Smartphone-Markt ist sehr stark durch die Konkurrenz zwischen Apple und Google bestimmt. Das führt letztlich zu einer gewissen Innovationsarmut: Sämtliche Bedienprinzipien von 2007 gelten auch heute noch. Neuerungen wie zum Beispiel das Kacheldesign von Windows haben es schwer im Markt.
Da auch RIM in den ersten Wochen des Jahres die Marketing-Technik des wohlwollend betrachteten "Rumor Leaking" einsetzte, ist die grobe Richtung der neuen Gerätegeneration schon relativ gut erkennbar. RIM erfindet das Rad nicht neu, sondern verbessert es.
Da der BlackBerry immer noch einen sehr guten Ruf als Business-Device hat, setzt RIM hier auf eine interessante Software-Neuentwicklung: BlackBerry Balance. Das System soll die penible Trennung von privaten und geschäftlichen Daten ermöglichen.
Unter dem selben Namen vermarktete RIM bisher schon etwas Ähnliches, doch das neue System auf dem BlackBerry 10 scheint weitaus fundamentaler zu sein. Wenn die Balance-Software tatsächlich eine hundertprozentige Trennung bewirkt, dürfte der BlackBerry die Lösung sein für alle Probleme mit dem Konzept "Bring Your Own Device (BYOD)".
Auch die zahlreichen weiteren bekannten Details weisen auf eine Doppelstrategie hin: Der BlackBerry Enterprise Server ist verbessert und erweitert worden, es sollen etwa 70.000 Apps für das neue System verfügbar sein und der "BlackBerry Word" genannte App Store wird auch Musik und Videos enthalten.
Ganz offensichtlich hat BlackBerry die iPhone-Lektion gelernt und positioniert sich nun gleichzeitig für geschäftliche und private Nutzer. Denn viele Smartphone-Besitzer sind beides. Die Zahl der Leute, die ein privates und ein "dienstliches" Smartphone durch die Gegend schleppen (müssen), dürfte gigantisch sein. Das sieht verdächtig nach einem Markt aus.
Doch ob er RIM die Aufholjagd schaffen wird, ist noch längst nicht entschieden. Die Nutzer der Testversionen sind zwar
zufrieden. Doch viele Marktbeobachter
fragen sich, ob die bisherige Strategie wirklich ausreichend ist. Aber immerhin gibt es bereits erste
positive Analystenberichte.
Bildquelle: Rainer Brückner /
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