Blackberry-Infrastruktur überzeugt

Textilunternehmen setzt auf Blackberrys

Das 1722 gegründete Textilunternehmen Delius aus Bielefeld setzt gegen den Trend auf Blackberrys als mobile Endgeräte für die Belegschaft.

Peter Ellerbrock, Verantwortlich für Datenverarbeitung & Telekommunikation bei Delius.

Das immer noch familiengeführte Unternehmen ist mit internationalen Tochtergesellschaften weltweit tätig. Die Verwaltung und Sicherheit der Geräte spielt daher eine entscheidende Rolle für Peter Ellerbrock, verantwortlich für Datenverarbeitung & Telekommunikation bei Delius.

Herr Ellerbrock, in welchen Unternehmensbereichen außer Lager und Logistik setzen Sie mobile Endgeräte ein?
Peter Ellerbrock:
Abgesehen von normalen DECT- oder GSM-Handys nutzen wir mobile Endgeräte im Verkauf, in der Produktentwicklung, in der IT, im Marketing und bei allen Außendienstmitarbeitern im Verkauf.

Für welche Zwecke nutzen Sie Blackberrys? Inwieweit können Mitarbeiter auf geschäftskritische Daten aus dem ERP- oder CRM-System zugreifen?
Ellerbrock:
Blackberrys nutzen wir momentan ausschließlich für mobile Sprachtelefonie und Mail. Wir werden demnächst aber mit ersten Tests beginnen, um mit Blackberrys sowie mit Playbooks via Citrix-Receiver-App in unsere Server-Farm zu gelangen und so Zugriff auf alle serverbasierten Applikationen (ERP, CRM, PPS etc.) zu haben. Hier stellt sich aktuell weniger die Frage nach der technischen Machbarkeit, als vielmehr die Frage der praktischen Anwendbarkeit der eher kleinen Displays und Tastaturen.

Wie erfolgt diese Anbindung, wer erstellt die Schnittstellen?
Ellerbrock:
Die Anbindung wird über die eigene IT-Abteilung erfolgen, möglicherweise gemeinsam mit Citrix- oder Mobile-Partnern, die idealerweise über eine spezielle Blackberry-Kompetenz (Stichwort Blackberry-Integrator) verfügen.  

Warum haben Sie sich für RIM entschieden, was sprach für Blackberry?
Ellerbrock:
Bei der Entscheidung für eine gruppenweite Smartphone-Kommunikationslösung standen für uns von Anfang an ausschließlich die Themen Sicherheit und Administration an vorderster Stelle. Die weltweit verfügbare Infrastruktur mit der speziellen Verschlüsselung sowie die einfache und übersichtliche Administration der Endgeräte über den eigenen Blackberry-Enterprise-Server waren letztlich die entscheidenden Gründe. Diese Argumente überzeugen nach wie vor bei jedem IT-Sicherheitscheck im Rahmen der üblichen Wirtschaftsprüfung sowie bei den alljährlichen Audits hinsichtlich ISO-Zertifizierungen.
Die Tatsache, dass Terrorristen weltweit Blackberrys für ihre Kommunikation nutzen, ist gewiss keine von RIM gewollte Referenz. Es zeigt aber, wie abgekapselt und sicher die Verschlüsselung funktioniert. Pressemeldungen, in denen Regierungsorganisationen RIM zur Zusammenarbeit und zur Herausgabe der Codierung drängen, bestätigen dies.

Was sprach gegen andere mobile Betriebssysteme?
Ellerbrock:
Das Symbian-Betriebssystem haben wir selbst jahrelang genutzt, allerdings hielten wir es letztlich für veraltet. Bei iOS und Android störten uns die mangelhafte Sicherheit, sowie die zum Teil miserable Akkulaufzeit. Mit Windows Mobile haben wir uns nur kurz beschäftigt, da sich unsere Lotus-Notes-Architektur nur mühsam integrieren ließ. Im Übrigen fehlte uns bei diesen Betriebssystemen eine geeignete Administrationsplattform.

Was fordern Sie beim Gerätemanagement?  
Ellerbrock:
Bei Verlust des Endgerätes sofortige Trennung vom Delius-Netzwerk sowie Löschen der Gerätedaten. Über das Administrationstool soll eine zentrale Rechtevergabe erfolgen und ein komfortabler Gerätewechsel möglich sein. Ein neuer Blackberry ist bei uns innerhalb von fünf Minuten mit Übernahme aller Userdaten erledigt. Grundsätzlich sollte eine Übersicht mit aktuellen Gerätedaten zur Verfügung stehen.

Erlauben Sie den Mitarbeitern das Arbeiten mit eigenen Geräten – Stichwort „Bring your own Device (BYOD)“?
Ellerbrock:
Unsere IT-Philosophie schließt „BYOD“ derzeit aus. Wir sind für Sicherheit, Verfügbarkeit und Funktionstüchtigkeit verantwortlich. All das garantieren wir durch den Einsatz von Hard- und Software, die wir vorab getestet haben. Dabei berücksichtigen wir die Wünsche unserer Mitarbeiter, allerdings in den von uns festgelegten Grenzen. Unsere Flexibilität ist groß, aber über unsere eigenen Richtlinien setzen wir uns nicht hinweg.

Wie fällt die Resonanz der Mitarbeiter aus? Fragen die nicht zunehmend nach iPhone und Galaxy S3?
Ellerbrock:
Natürlich kommt es vor, dass Mitarbeiter den Wunsch nach iPhone oder iPad äußern, ganz selten auch nach Android-Geräten. Im Wesentlichen hängt das mit dem Design der Apple-Geräte sowie mit der Verfügbarkeit von Apps zusammen. Letztendlich überzeugt im persönlichen Gespräch dann aber doch das Thema Sicherheit. Im Übrigen ist der dezente Hinweis auf den zunehmenden App-Müll, hinter dem sich ja zuweilen auch Malware oder böse Abo-Fallen verbergen, ganz hilfreich.

Existieren in Ihrem Unternehmen Richtlinien, die die Erreichbarkeit der Mitarbeiter beschränken?
Ellerbrock:
Richtlinien zur Erreichbarkeit der Mitarbeiter gibt es in unserem Unternehmen nicht. Bis dato separieren unsere Mitarbeiter außerhalb der üblichen Arbeitszeit sehr wohl, welcher Anruf oder welche Mail wichtig ist und was nicht.

Beeinflusst die derzeit nicht allzu positive Berichterstattung rund um RIM Ihre Entscheidungen?
Ellerbrock:
Die Negativberichterstattung beeinflusst unsere Entscheidungen so gut wie gar nicht. Es war in der Vergangenheit definitiv nicht alles gut bei RIM, insofern täte dem Unternehmen frischer Wind gut. Ob RIM dies aus eigener Kraft schafft, wird man sehen. Wir sind überzeugt davon, dass die Blackberry-Infrastruktur auch zukünftig weiter betrieben wird. Viele Unternehmen – auch und gerade diverse Global Player – und Behörden weltweit setzen diese Lösung aus gutem Grund ein und garantieren so zukünftig einen Bedarf an Hard-, Software und Dienstleistung rund um das Thema Blackberry.

In welche Richtung sollte die Entwicklung dort gehen?
Ellerbrock:
RIM muss seine internen Probleme lösen und sich an die Erledigung seiner Hausaufgaben machen: Wo sind die attraktiven Endgeräte als „Waffe" gegen Windows Mobile, iOS und Android? Wo bleiben die sinnvollen Apps, wie z.B. Skype, die heute jedermann auf mobilen Endgeräten erwartet? Positive Apps, wie z.B. die Blackberry-Bridge als Verbindung zwischen Blackberry und Playbook, müssen weiterentwickelt werden.
Es wäre wünschenswert, wenn sich die iOS, Android und Windows Mobiles dieser Welt über den Blackberry-Enterprise-Server verwalten ließen.
Das neue Betriebssystem OS10 darf erst dann ausgerollt werden, wenn es auch wirklich stabil funktioniert. Darüber hinaus sollten die „alten“ mit OS7 gemeinsam mit den „neuen“ Endgeräten unter OS10 administrierbar sein.

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