Seien wir ehrlich: Der Computer wurde für Katzenbilder und Textverarbeitung erfunden. Denn selbst Heavy-User nutzen ihr Gerät häufig als besonders komfortable Schreibmaschine. Anwendungen für die Textverarbeitung sind beliebt, haben allerdings schon längst den lokalen Desktoprechner verlassen und sich in der Cloud angesiedelt.
Heute ist es durchaus üblich, mal an diesem, mal an jenem Ort an einem Dokument zu arbeiten. Auf diese Bedürfnisse haben sich die Anbieter eingerichtet und so gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Editoren, Notizprogrammen und ausgewachsenen Textbearbeitungen in der Cloud. Die Webapps bieten einen ähnlichen Komfort wie eine klassische Textverarbeitung auf der lokalen Festplatte anbieten.
Die Mutter aller Webtexter ist Google Docs. Die App hat einen ausreichend großen Funktionsumfang und erinnert stark an ein traditionelles Textprogramm. Die Bedienung mit Menüs und Symbolleiste macht es Umsteigern von Anwendungen für Desktoprechner sehr einfach. Dank stetiger Weiterentwicklung ist Google Docs inzwischen eine Art Allzweckwaffe für alle Aufgaben und kann eine herkömmliche Office-Lösung problemlos ersetzen. Darüber hinaus gibt es sehr gute und einfach zu nutzende Funktionen für die Zusammenarbeit mit anderen. Ein großer Vorteil von Google Docs ist die Integration von zahlreichen Cloud Services als Erweiterung oder zusätzlicher Dokumenttyp, zum Beispiel Diagramme, Notenblätter, Mindmaps und vieles mehr.
Einen ähnlich hohen Funktionsumfang, wenn auch ein etwas anderes Bedienkonzept als Google Docs hat der Zoho Writer. Er nutzt das inzwischen weit verbreitete Konzept der kontextabhängigen Symbolleisten, die erst nach dem Anklicken eines Symbols links vor der Schreibmarkierung oder nach Markieren von Text erscheinen. Erst auf Anforderung erscheint eine Werkzeugleiste, die alle Möglichkeiten inklusive zahlreiche Zusatzfunktionen wie Rechtschreibung oder Serienbriefe anbietet. Das Textprogramm ist allerdings nur ein Teil eines äußerst umfangreichen Anwendung-Ökosystems, das neben den üblichen Office-Programmen auch Mail, Kalender und vieles mehr bietet.
Auch der Textbearbeitungsklassiker Word existiert in einer Variante als kostenlose Webapp. Natürlich gibt es hier nur eine Untermenge der zahlreichen Funktionen des „richtigen“ Texters, aber für viele Anwendungsgebiete sollte der Funktionsumfang ausreichen. Dabei beschränkt sich Word nicht nur auf Grundfunktionen, sondern bietet alle wichtigen Möglichkeiten inklusive einer umfangreichen Tabellenfunktion, Kopf-und Fußzeilen, Kommentare und Formatvorlagen. Letztere sind allerdings in den Möglichkeiten etwas eingeschränkt und auf die Vorgaben in den von Microsoft angebotenen Dokumentvorlagen beschränkt. Die Zusammenarbeitsfunktionen sind eher einfach gehalten: Ein Dokument kann via E-Mail freigegeben werden. Die Person erhält einen Link und kann das Dokument auch dann bearbeiten, wenn sie kein Microsoft-Konto hat. Zudem ist es möglich, das Dokument auch nur zum Betrachten freizugeben.
Noch im Betatest ist Open365, eine recht umfassende Webapp für LibreOffice. Die Office-Funktionen kommen von LibreOffice Online und ein Modul für E-Mail, Kontakte, Termine, Notizen und Aufgaben soll Outlook ersetzen. Eine Cloudspeicher-Funktion gibt es ebenfalls. So können auf der Plattform beliebige Dateien und nicht nur Office-Dokumente gespeichert werden. Der Funktionsumfang von LibreOffice Writer ist beeindruckend und geht über Google Docs hinaus. Die Entwickler der Webapp haben einfach den Funktionsumfang der Offline-Version realisiert. Eine Aufzählung erübrigt sich, LibreOffice ist weitgehend kompatibel sowie funktionsgleich zu Microsoft Office. Die App ist ein Open-Source-Projekt mit Potenzial, die Bezeichnung als Betatest ist jedoch ernst zu nehmen: Nicht immer funktioniert alles so sauber, wie es bei vergleichbaren kommerziellen Webapps der Fall ist.
Ebenfalls im Betatest, aber für alle zugänglich ist Dropbox Paper. Der Online-Texter ist Teil der Dropbox und kann von der Dropbox-Navigation aus aufgerufen werden. Die App bietet alle Basisfunktionen einer Textverarbeitung inklusive eines anklickbaren Inhaltsverzeichnisses zum Anspringen bestimmter Textpassagen und eine Versionsverwaltung. Ähnlich wie bei Zoho Writer haben die Entwickler viel Wert daraufgelegt, eine möglichst übersichtliche Arbeitsumgebung zu schaffen. Bedient wird Paper nicht über Menüs und Leisten, sondern über Kontextmenüs. Wenn die Maus in den linken Bereich eines Absatzes geht, erscheint ein Plus, das nach dem Anklicken eine Symbolleiste mit Befehlen anzeigt. Gleiches geschieht nach dem Markieren von Text. Eine Kommentarfunktion erscheint auf der rechten Seite, so das der Besitzer des Dokuments oder andere Bearbeiter hier Anmerkungen einfügen können. Die Sharing-Funktion arbeitet mit E-Mail-Adressen, an die ein Link zum Dokument verschickt wird.
Die Webapp ist eine stark auf die Zusammenarbeit an Dokumenten ausgelegte Lösung, die neben einer Textbearbeitung inzwischen auch einen Tabelleneditor a la Excel kennt. Darüber hinaus gibt es Chat-Räume, sodass die Bearbeiter von Dokumenten auch unabhängig von der Kommentarfunktion miteinander „sprechen“ können. Quip bietet zu jedem Dokument einen Feed, der alle Änderungen sowie Bemerkungen und Nachrichten enthält. Kommentare werden direkt in den Feed geschrieben. Ähnlich wie Paper arbeitet auch Clip mit Kontextmenüs. Alle wichtige Grundfunktion einer Textverarbeitung und einer Tabellenkalkulation sind vorhanden, allerdings reicht der Funktionsumfang lange nicht an Google Docs heran. Aber immerhin gibt es den Import von Office-Dokumenten.
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