Ur-Smartphone BlackBerry

Tiefer Schlaf und langer Abschied

Zur Zeit können wir einem Hersteller beim Verschwinden zuschauen: BlackBerry steht zum Verkauf.

So ist das: Lange Zeit geht alles seinen geordneten Gang, doch plötzlich taucht ein neuer Mitspieler auf, der einfach die Regeln ändert. Genau das ist 2007 im Markt der Mobilgeräte passiert. In diesem Jahr erschien ein völlig neu konzipiertes Smartphone mit moderner Technik, einfacher Bedienung und elegantem Design: Das iPhone.

Damals waren Smartphones ein Nischenmarkt mit drei Hauptmitspielern: Microsoft mit Handhelds, denen man Telefonfunktionen aufgepflanzt hatte, Nokia mit seinen recht leistungsfähigen Symbian-Smartphones und BlackBerry als Werk- und Spielzeug für Manager.

Schneller Vorlauf bis 2013: Der Marktanteil von Microsoft liegt bei etwa vier Prozent, Tendenz steigend. Der von Blackberry liegt jetzt darunter und fällt weiter. Auch der Börsenwert fällt, in den letzten fünf Jahren von 84 auf 5 Milliarden Dollar. Der Mobilmarkt wird jetzt von anderen bestimmt. Android hat einen Marktanteil von 80 Prozent und Apples iOS liegt auf Platz Zwei.

Wie konnte das passieren? Ganz einfach: BlackBerry hat (wie Microsoft) den Umschwung bei Mobilgeräten verschlafen. Knöpfchen sind out, Touch-Displays in, fest verdrahtete Funktionen werden von Apps ersetzt. So wurde das Manager-Tool Smartphone erst zu einem Hipster-Accessoire und dann zum Alltagsbegleiter.

Der kanadische Hersteller hat versucht, seine Probleme zu lösen: Neue Geräte und ein neues Betriebssystem sollten den Umschwung bringen. Leider konnte das neue System nicht genug Kunden überzeugen - vor allem nicht die Business-Anwender. Das größte Problem dürfte sein, dass es BlackBerry nicht gelungen ist, ein hinreichend attraktives Ökosystem aufzubauen und das Unternehmen vor allem zu langsam reagiert hat.

Nun steht BlackBerry vermutlich zum Verkauf. Die ersten Beobachter kratzen schon die Unternehmenswerte zusammen und fahnden nach Käufern. Microsoft wäre übrigens keine gute Idee für die Marke BlackBerry, denn sie würde sicher sehr schnell verschwinden - nicht jeder Feind meines Feindes ist ein Freund.

Vor gut einem Jahr gab es schon einmal Ideen zu einem radikalen Turnaround mit neuen Partnern - hin zu Android-Smartphones im Business-Segment.Doch es ist fraglich, ob die Hardware überhaupt die größte Stärke von BlackBerry ist.

Mobile Software und Services für Unternehmen über das eigene Sicherheitsnetzwerk sind eine mögliche Lösung der Probleme. Der Verzicht auf Hardware und die Lizenzierung der Software erlauben wohl eher das Überleben des Unternehmens als der fortdauernde Versuch, die Situation alleine zu bewältigen.

Bildquelle: BlackBerry

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