Smartphones mit Janusgesicht

Trennung von Beruf und Freizeit

Sicherheit für geschäftliche Daten trotz privater Nutzung? BlackBerry und VMWare geben zwei verschiedene Antworten auf diese Frage.

Jedes Mobilgerät für den Job wird auch privat benutzt, ob es nun verboten ist oder nicht. Außer durch rigide technische Maßnahmen lässt sich das kaum eindämmen. Doch eine völlige Freigabe der privaten Nutzung ist nicht sinnvoll.

Was also tun? Es gibt inzwischen im Mobile Device Management eine ganze Reihe von Ansätzen, private und geschäftliche Aktionen auf dem Smartphone strikt zu trennen. Zwei relativ neue Ansätze werden von den altbekannten IT-Unternehmen BlackBerry und VMware verfolgt. Beide setzen auf getrennte Bereiche, verwirklichen dies aber mit unterschiedlichen Technologien.

Mit VMWare Horizon können Unternehmen Daten, Anwendungen und komplette Desktops als zentralisierte Services bereitstellen. Zusammen mit Verizon hat VMWare nun eine Erweiterung der Lösung für Mobilgeräte unter Android auf den Markt gebracht: VMware Horizon Mobile. Sie erfordert allerdings Mobilgeräte, die “vmware-ready” sind. Zur Zeit sind das nur die neuen Androiden LG Intuition und Motorola Razr M.

Auf den Geräten wird nach Anmeldung bei VMWare Horizon Server ein Arbeitsbereich erzeugt, der von der Unternehmens-IT verwaltet wird. Er ist vollständig getrennt von den persönlichen Daten und Apps auf dem Gerät. Der geschäftliche Arbeitsbereich besitzt ein eigenes virtuelles Betriebssystem und wirkt  wie ein eigenes Gerät.

Dadurch kann der geschäftliche Arbeitsbereich mit VMWare Horizon auf die gewohnte Weise verwaltet werden und mit virtuellen Desktops, Apps und Daten ausgestattet werden. Es gibt keine gegenseitigen Zugriffe im privaten und geschäftlichen Bereich, so dass einerseits die Sicherheit der Unternehmensdaten garantiert ist, andererseits auch die Privatsphäre der Mitarbeiter.

VMWare Horizon hat den Vorteil, dass es keine Sonderlösung für Mobilgeräte ist. Statt dessen können die Mitarbeiter eines Unternehmens ihren gewohnten Arbeitsbereich auch auf einem Mobilgerät einsetzen. Der Arbeitsbereich ist also nicht an ein Gerät gebunden, sondern an den Anwender.

Einen anderen und stärker auf Mobilgeräte ausgerichteten Weg geht BlackBerry. Die interessanteste Funktion der neuen Blackberry 10-Modelle ist die konsequente Trennung zwischen privatem und geschäftlichem Arbeitsbereich. Das Feature heißt “Blackberry Balance” und arbeitet auf Betriebssystemebene.

Im Auslieferungszustand verhält sich ein Blackberry nun wie ein völlig normales Smartphone. Der Einsatz per SIM-Karte oder WLAN ist problemlos möglich und auch ein E-Mail-Konto kann wie von iOS oder Android gewohnt “einfach so” konfiguriert werden. Apps und Daten sind im persönlichen Bereich des Geräts, der anfangs alleine aktiv ist.

Erst bei der Aktivierung über die BlackBerry Enterprise Services wird das Gerät in das zentrale Mobile Device Management eines Unternehmens eingebunden und erst jetzt wird ein Bereich für geschäftliche Apps und Daten angelegt. Hierfür wird ein verschlüsseltes Dateisystem eingesetzt, das die beiden Bereiche sauber trennt.

Die beiden Bereiche haben unterschiedlich definierte Benutzerechte. So können im privaten Abschnitt des BlackBerrys beliebige Apps installiert werden, im Geschäftsabschnitt aber nur erlaubte Apps via Enterprise Appstore. Auch Mails, Termine und Kontakte sind in den Bereichen getrennt, können aber nach Eingabe eines Kennworts im “Blackberry Hub” wieder zusammengeführt werden.

Mit dieser Funktion hat BlackBerry zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Einerseits eignet sich ein BlackBerry nun uneingeschränkt als normales, privates Smartphone. Andererseits kann er als BYOD-Gerät und als Unternehmens-Smartphone eingesetzt werden. Durch die strikte Trennung von Privat und Job ist in allen Fällen Sicherheit garantiert.

Doch was ist mit anderen mobilen Betriebssystemen? Hier hat BlackBerry dazugelernt. In Kürze soll “Secure Work Space” für iOS und Android auf den Markt kommen, das private von beruflichen Daten trennt. Die Funktion legt einen verschlüsselten Bereich an. Dort werden E-Mail, Kalender, Kontakte, Aufgaben und Notizen sowie Dokumente und Browserdaten abgelegt. Laut BlackBerry sollen sich auch andere Apps absichern lassen.

Doch in einigen Fällen widerspricht eine Trennung der Bereiche den rechtlichen Anforderungen, zum Beispiel im Finanzsektor. Deshalb kann die neueste Version der BlackBerry Services die Balance-Funktion auch komplett abschalten. Dabei wird der Privatbereich entfernt und der BlackBerry verwandelt sich in ein Hochsicherheit-Smartphone.

Diese Möglichkeiten zeigen, dass der etwas ins Hintertreffen geratene Hersteller immer noch mit den größten Sicherheitsgarantien punkten kann. Doch es handelt sich um eine “Mobile Only”-Lösung. Wer auf Virtualisierung setzt und den Mitarbeitern trotz unterschiedlicher Endgeräte immer denselben Arbeitsbereich garantieren will, hat mit VMWare eine praktikable Alternative mit einem vergleichbaren Konzept.

Bildquelle: Gerd Altmann / pixelio.de

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