Mobiles Fernsehen wird immer beliebter

„TV to go“ auf dem Vormarsch

Während der Fernseher in den heimischen vier Wänden dank Internetverbindung zum vernetzten Smart-TV wird, erfreut sich auch das Mobile Fernsehen stetig zunehmender Beliebtheit.

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Schließlich bietet es die Möglichkeit, ganze Serien, Filme oder auch Nachrichtensendungen unterwegs anzuschauen, um somit lange Fahrtzeiten mit dem ÖPNV zu überbrücken oder auch die Mittagspause spannender zu gestalten. Als Endgeräte dienen hier neben Notebooks und Tablets vor allem Smartphones, deren Absatz von Jahr zu Jahr rasant ansteigt. 2011 sind in Deutschland 11,8 Millionen dieser hochwertigen Mobiltelefone verkauft worden. Das entspreche einem Anstieg von 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, berichtet der Hightech-Verband Bitkom auf Basis aktueller Daten des European Information Technology Observatory (EITO). „Die Smartphone-Verkäufe haben unsere ohnehin optimistischen Prognosen noch einmal weit übertroffen“, so der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Ursprünglich war der Verband von einem Absatz in Höhe von 10 Millionen Stück im Jahr 2011 ausgegangen. Inzwischen sollen 43 Prozent aller in Deutschland verkauften Mobiltelefone Smartphones sein.

Die Nutzer wissen die Möglichkeiten dieser Geräte zu schätzen, erleichtern sie durch ihre umfangreichen Zusatzfunktionen im Vergleich zum einfachen Mobiltelefon doch ungemein die Nutzung mobiler Internetanwendungen, Navigationsdienste oder Spiele. Das Mobile Fernsehen wiederum erfährt spätestens seit dem Frühsommer 2006 erhöhte Aufmerksamkeit, als man die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland zelebrierte und erstmals Live-Spiele für mobile Endgeräte ausgestrahlt wurden. Die Nutzung von Bewegtbildangeboten über Tablets und Smartphones gewinnt seitdem stetig an Bedeutung. Bereits 2015 soll die Anzahl der regelmäßigen Nutzer in Deutschland von aktuell etwa 3,8 Millionen auf 16,5 Millionen gestiegen sein, was einer Zunahme von durchschnittlich rund 45 Prozent pro Jahr entspricht. Dies ist das Ergebnis einer Studie (2011) von Goetzpartners, die auf einer repräsentativen Befragung der Bevölkerung im Alter von 14 bis 69 Jahren in Deutschland, England und Frankreich basiert. „Mobile TV wird die TV-Nutzung in den nächsten Jahren signifikant verändern und ergänzen“, versichert Dr. Alexander Henschel, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens und verantwortlich für die Studie. Über 55 Prozent der Befragten nutzen Mobil-TV regelmäßig, sprich mehrmals in der Woche, und gut drei Viertel mindestens einmal in der Woche.

Kurze Formate an erster Stelle

Doch welche Inhalte interessieren die Nutzer? Auch hier kann die Studie klare Ergebnisse liefern: Bevorzugt werden derzeit kurze Formate wie etwa Nachrichten, Musikvideos und von anderen Nutzern selbst erstellte Videos. Ebenfalls gerne genutzt werden aber auch längere Formate wie beispielsweise Serien. Bei der Übertragung der audiovisuellen Inhalte in Mobilfunknetze kommen dabei grundsätzlich zwei Methoden zur Anwendung: Auf der einen Seite besteht die Möglichkeit, digitales Videomaterial individuell und bedarfsabhängig bei einem Internetanbieter oder -dienst anzufordern. Die Rede ist vom sogenannten Video-on-Demand (VoD), sprich Video auf Anfrage. Hierbei muss das Video vor dem Betrachten via Download auf das Endgerät übertragen und kann letztlich zu jedem gewünschten Zeitpunkt – auch offline – angesehen werden. Oder es steht ein Video-Stream zu Verfügung. Bei dieser Möglichkeit wiederum werden die audiovisuellen Daten von einem Server auf Anfrage an den Anwender übertragen, wie es etwa bei Youtube der Fall ist.

Auf der anderen Seite bietet sich noch die Möglichkeit des Live-Streamings, um das Fernsehen auf dem Mobilgerät Wirklichkeit werden zu lassen. Hierbei fordert der Nutzer einen laufenden Dienst an, dessen Sendestart er jedoch nicht beeinflussen kann. Eine ständige Internetverbindung ist für das Live-Streaming unumgänglich, da die Mobil-TV-Inhalte gleichzeitig empfangen und wiedergegeben werden. Sie werden also ähnlich wie beim herkömmlichen Fernsehen in Echtzeit zur Verfügung gestellt. Eine Speicherung der Daten auf dem Endgerät erfolgt nicht. Die Inhalte können somit zu keinem späteren Zeitpunkt offline aufgerufen werden, wie es beim VoD möglich ist. Für Nutzer von Live-Streaming-Angeboten empfiehlt sich ein Internettarif mit unbegrenztem Datenvolumen, sprich einer Flatrate, da bei der audiovisuellen Übertragung ein hoher Datenverkehr anfällt.

Deutschland hinkt hinterher

Laut der im vergangenen Jahr von Goetzpartners veröffentlichten Studie hinkt Deutschland beim Mobilen Fernsehen im internationalen Vergleich noch hinterher. Während in Frankreich 19 Prozent und in England 17 Prozent der Befragten mobiles Fernsehen auf dem Smarphone und Tablet nutzen, sind es in Deutschland erst acht Prozent. Um hier die Entwicklung von Mobil-TV weiter voranzutreiben, müsse neben den präferierten Inhalten auch der Zugang zu klassischen TV-Angeboten gegeben sein. „Der Konsument möchte in Zukunft selbst entscheiden, wo und wann er ein bestimmtes Bewegtbildangebot nutzt“, ist sich Marcus Worbs-Remann, Senior Manager bei Goetzpartners, sicher.

Um das Potential von Mobil-TV zu nutzen, springen immer mehr Unternehmen auf den fahrenden Zug auf und locken mit neuen Angeboten. Apple kündigte erst Anfang März das neue Apple TV mit einem Programm-angebot in 1080p an. Mit iTunes in der Cloud können Anwender so ihre Lieblingsfilme und TV-Serien über den iTunes Store kaufen und nicht nur auf ihrem HD-TV, sondern auch auf dem iPhone, iPad, iPod Touch oder Mac ansehen. MobiTV, Anbieter von konvergenten Medienlösungen, bietet u.a. für T-Mobile und das TK-Unternehmen AT&T mobile Fernsehdienste an, heißt es in einer Pressemitteilung von Anfang März. Die Deutsche Telekom will die Technologie des Anbieters für seine IPTV-Plattform Entertain nutzen, um Aufzeichnungen von TV-Inhalten auf dem Smartphone wiederzugeben oder Live-Fernsehen auf Tablet, PC oder Laptop zu verfolgen. Und auch Vodafone zieht mit. Per MobileTV-App bietet der Mobilfunkdienstleister Fernsehen fürs UMTS-Handy – rund um die Uhr. Auf verschiedenen Kanälen können die Nutzer sämtliche Highlights aus Sport, Musik, News und Unterhaltung erleben. Für die Nutzung der App ist ein Vodafone-Mobilfunkvertrag inklusive einer entsprechenden Datentarifoption nötig. Die MobileTV-Flatrate beträgt 1,49 Euro in der Woche, wobei die Streaming-Qualität je nach Empfangsstärke variiert.

Herausforderungen sind zu meistern

Allerdings müssen die Mobil-TV-Anbieter in Zukunft noch einige Herausforderungen meistern, um den Markt am leben zu erhalten. Laut einer Cisco-Studie von 2011 wird der mobile Datenverkehr in Deutschland bis 2015 um das 30-Fache steigen. „Das ständig steigende Angebot an Apps und anderen Anwendungen, insbesondere bei Video, sind dafür stark verantwortlich", so Carlo Wolf, Vice President und Geschäftsführer Cisco Deutschland. Problematisch ist jedoch, dass die Backbones der mobilen Netze für die großen Datenlasten heute noch nicht ausgelegt sind. Sie müssen laut Goetzpartners in jedem Fall weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus müssen die Anbieter ihre Angebote intensiver auf die spezifische mobile Nutzungssituation ausrichten und attraktive Tarife im Falle von Bezahlmodellen anbieten. Laut Goetzpartners-Geschäftsführer Alexander Henschel ist Mobil-TV jedenfalls auch hierzulande stark auf dem Vormarsch und bietet für alle Beteiligten interessante Chancen, „wenn sie ihre Hausaufgaben erledigen“.

Bildquelle: © iStockphoto.com/timnewman

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