10.03.2017 Longreads für das Wochenende

Uber und andere fiese Techniktricks

Von: Ingo Steinhaus

Individuelle Angebote, positives Feedback, massig Geld - Technologie ist verführerisch, treibt aber die Gesellschaft auseinander.

Die wöchentlich wechselnden Skandale bei Uber lassen weder diese Kolumne noch die Techmedien los, dafür passiert einfach zu viel. Ben Thompson überlegt in seiner Stratechery, ob Uber nicht einfach bloß ein Spezialfall des vom Silicon Valley glorifizierten Regelbruchs ist. Wired findet, dass Uber-CEO Travis Kalanick keinen COO, sondern direkt einen Ersatz für sich selbst suchen sollte. Und der Guardian hat festgestellt, dass die extrem auf Sieg ausgerichtete Unternehmenskultur von Uber langsam zu einem Makel in den Lebensläufen der Angestellten wird.

Es gibt immer Leute, die noch reicher sind und Luxus ist eine Droge mit sehr hohem Suchtpotenzial - zwei Erkenntnisse von einem Hardware-Entwickler, der mit 27 Multimillionär wurde.

Apropos Suchtpotenzial: Auf einen Knopf zu drücken und dann sofort ein Ergebnis zu sehen, ist eine Menge an positiven Feedback. Das ist einer der Tricks der Technologie, uns einzufangen.

Noch ein Trick: Technologie hilft Händlern, ihre Kunden genau kennen zu lernen und Ihnen individuelle Angebot zu machen. Und in Zukunft auch immer mehr individuelle Preise.

Die sehr starke Technologieorientierung unserer Gesellschaft hat teils erhebliche Folgen. So sollte sich jeder Google-Nutzer bewusst sein, dass auch die Suchergebnisse "biased" sind. Wer etwa Information über Afrika sucht, bekommt in erster Linie den westlichen Blick auf diesen Kontinent präsentiert.

Eine weitere Folge von Technologie ist, dass sie unter Umständen soziale Gruppen auseinandertreibt. Nach Ansicht vieler Beobachter hat das dazu geführt, dass die Mittelschichten geschrumpft sind und ausgerechnet Donald Trump zu einer politischen Figur wurde.

Bildquelle: Thinkstock

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