M2M-Technologie in Unternehmen

Über Grenzen hinweg

Interview mit Mobeen Khan, Executive Director, Product Marketing, Advanced Mobility Solutions bei AT&T Business Solutions, über die Möglichkeiten der Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) sowie deren Herausforderungen für die Unternehmen

Mobeen Khan, Executive Director, Product Marketing, Advanced Mobility Solutions bei AT&T Business Solutions

Herr Khan, was sind die allgemeinen Ziele von M2M?
Mobeen Khan:
Mit jener Technologie sind Unternehmen in der Lage, Maschinen und elektronische Anlagen gezielt zu monitoren und die daraus generierten Daten anhand von Backend-Software zu analysieren. Damit ist eine effiziente und hocheffektive Reaktion in Echtzeit gewährleistet. Der Einzelhandel steuert mit Tracking-Lösungen beispielsweise den Bestand seiner Lager, Industriehersteller verwenden die Lösungen zur Überwachung und Instandhaltung von Anlagen und Dienstleistungsanbieter zur Planung von Kundenbesuchen. Unternehmen, die M2M-Geräte an ihre Netzwerke anschließen, können letztendlich den Arbeitsaufwand und die Kosten verringern: Da die Daten direkt an dem Punkt übermittelt werden, an dem das System die Informationen erfasst – beispielsweise in Fahrzeugen, Maschinen, Instrumenten, Privathaushalten oder Unternehmen – und die Rückinformationen sofort verfügbar ist, automatisiert M2M bislang manuell durchgeführte Prozesse.

Welche Branchen nutzen die Technologie bereits?
Khan:
Die Lösungen werden beispielsweise von Logistikunternehmen eingesetzt, um den Versand von hochwertigen oder temperaturempfindlichen Produkten zu steuern, die in Containern oder Lastwagen ausgeliefert werden. Aber auch Autovermieter oder Geräteverleiher nutzen M2M-Lösungen, um Fahrzeuge oder Maschinen zu orten, nachzuverfolgen und etwa per Fernzugriff zu sperren oder zu entsperren. Zudem nutzen beispielsweise Versorgungsunternehmen entsprechende Lösungen für den Einsatz in intelligenten Stromzählern. Darüber hinaus können M2M-Geräte auch in digital steuerbare Plakatwände integriert werden, um sie von einem zentralen Standort aus zu aktualisieren. Jene Geräte werden aber auch in Fahrzeuge eingebaut und ermöglichen den Haltern das Erstellen von Reiseplänen, die Ortung von Ladestationen und Steuerung der Heizung und Kühlung vor Fahrtbeginn. Auch der Gesundheitssektor setzt auf Machine-to-Machine-Kommunikation: Krankenhäuser verwenden beispielsweise die Lösungen, um Ärzten in Echtzeit schnell, einfach und ortsunabhängig die Daten von Patienten bereitzustellen, die an Herzmonitore angeschlossen sind. Vergleichbare Systeme werden bei der Behandlung von Diabetikern eingesetzt.

Welche Anforderungen muss ein Unternehmen mit sich bringen, um jene Technologie einsetzen zu können?
Khan:
Um die M2M-Kommunikation optimal zu nutzen, ist eine ganzheitliche Strategie entscheidend. Unternehmen sollten daher nicht nur einzelne Lösungselemente im Blick haben, sondern die gesamten Geschäftsprozesse berücksichtigen, einschließlich der Art und Weise, wie sie die Daten nutzen wollen, die mithilfe von Machine-to-Machine-Lösungen generiert werden. Neben den Geräten und Netzwerken, die das Herzstück der Lösung ausmachen, sind daher auch Network-Services-Management-Plattformen, Anwendungen und Anwendungsplattformen, Sicherheitslösungen, Cloud-Lösungen, Analysewerkzeuge und professionelle Dienstleistungen in ihre Überlegungen einzubeziehen und entsprechend zu kombinieren. Abgesehen davon, sind Unternehmen gut beraten, Experten hinzuziehen, um eine geeignete Lösung zu finden. Professionelle Serviceteams können die Lösung auch über den gesamten Lebenszyklus verwalten und aktualisieren.

Warum kommt M2M gerade beim Flottenmanagement oder in der (Luft-)Frachtbranche zum Einsatz?
Khan:
Der Transport von hochwertigen Gütern wie Gewebeproben, Pharmazeutika oder Edelmetalle erfolgt zum Teil auf dem Luftweg. Um die Servicequalität zu verbessern sowie Risiken und Kosten zu verringern, sind die großen Fluggesellschaften dazu übergegangen, mobile Ortungsgeräte anstelle passiver Ortungslösungen einzusetzen. Letztere konnten zwar die Daten erfassen, aber die Übermittlung der Informationen fand erst statt, nachdem der Versand abgeschlossen war oder die Güter auf dem Weg verlorengegangen waren. Durch die mobile Technologie lässt sich die Informationsweitergabe und die Wiederbereitschaftszeit beschleunigen. Die Zeitspanne zwischen der Information über ein Problem und dessen Lösung beträgt nun häufig unter 30 Minuten. Flottenmanager nutzen beispielsweise M2M-Anwendungen, um ihre gesamte Flotte stets im Blick zu haben. Aber es gibt auch komplexere Anwendungsszenarien: So verschicken etwa M2M-Anwendungen Benachrichtigungen, wenn sich Fahrzeuge außerhalb ihrer Route befinden.

Welche Herausforderungen sind beim M2M-Einsatz zu bewältigen?
Khan:
Das Mobilnetzwerk ist grundlegend für die M2M-Kommunikation. Es sollte weltweit verfügbar sein und stabil laufen sowie die notwendige Kompatibilität, Sicherheit und weltweite Interoperabilität der gewählten Lösungen gewährleisten. Wichtig ist, dass Unternehmen strategisch und kooperativ vorgehen. Sie sollten während der Planungsphase bereits genügend Zeit einplanen und Vertreter aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen sowie externe Experten einbeziehen. Idealerweise steht ihnen ein Netz an Partnern zur Verfügung, das bei der Entwicklung und Zertifizierung von M2M-Geräten und -Anwendungen eng zusammenarbeitet. Da in einem System zudem Tausende Geräte installiert sein können, muss sich nicht nur der Preis in einem sinnvollen Rahmen bewegen. Viele Firmen setzen zudem vermeintlich kompatible, serienmäßig produzierte Komponenten ein, ohne sie im Rahmen von End-to-End-Prüfungen im gesamten Mobilnetz zu testen. Die unterschiedlichen Mobilnetze und die Sicherstellung einer globalen Netzabdeckung bei gleichzeitig geringen Roaming-Kosten für internationale Projekte stellen M2M-Verantwortliche vor weitere Herausforderungen.

Die Kommunikation über mobile Netzwerke ist nicht gerade günstig –
insbesondere im internationalen Umfeld. Wie behalten Unternehmen die Kosten im Blick?
Khan:
AT&T bietet für diese Fälle eine weltweit einsetzbare SIM-Karte an. In Kombination mit dem Control Center, das von Jasper Wireless betrieben wird, können Unternehmen gemeinsam mit den Service-Anbietern das M2M-System global bereitstellen und verwalten, inklusive Echtzeitzugriff und Entwicklungs- sowie Diagnosewerkzeugen.

Wird M2M in der Zukunft unausweichlich sein? Wie ist Ihre Einschätzung?
Khan:
Wie schon das Fließband oder der Personal Computer bietet auch jene Technologie neue Chancen für die Optimierung von Geschäftsprozessen und -praktiken. Gerade in vertikalen Märkten passiert hier schon einiges, aber die Möglichkeiten für künftigen Anwendungen sind weitaus umfassender. Vor allem durch die leistungsstarken 3G- und 4G-Netzwerke ergeben sich neue Einsatzgebiete wie beispielsweise im mobilen Gesundheitswesen.

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