Selbstkontrolle mit App

Überwachen und Streben

Das neue iPhone 5S ist ideal für Selbstoptimierer und dürfte der Quantified-Self-Bewegung einen enormen Schub geben.

Apple hat die Nase wieder einmal vorn, auch wenn es den etwas nörgelig nach “echten Innovationen” hechelnden Hightech-Journalisten noch nicht aufgefallen ist: Das neue iPhone ist das ideale Werkzeug für Self-Tracker und Selbstoptimierer.

Es bringt einen dauernd aktiven Koprozessor mit, der Positionsdaten und Gerätebewegungen im 24*7-Datenstrom  protokolliert. Mit Bluetooth, WiFi oder ganz banal einem Kabel können externe Geräte angeschlossen werden, die Körperfunktionen erfassen.

Der rasante 64-Bit-Prozessor kann diese vielen Daten problemlos “crunchen” und gleichzeitig auch die Eingaben, Fotos und Videos einer Self-Tracking-App verkraften. Es wird sicher nicht lange dauern, bis die ersten Apps im Store auftauchen und die definitive Lösung für die  Selbstverbesserung anbieten.

Denn: “Verbessere dich selbst” ist das Ziel der Bewegung vom Quantified Self, dem dauernd gemessenen, ständig überwachten und in Zahlen zergliederten Selbst. Es geht in Wirklichkeit nicht um das positivistische Auswerten von Zahlen, es geht um Normen - um eine Ethik der ständigen Selbstoptimierung.

Wie so ein quantifizierender Mensch lebt und denkt, hat Julia Friedrichs in der Zeit ermittelt. Dahinter steckt etwas, das viele Angestellte kennen - der Managerismus, der nichts und niemanden unoptimiert lässt, am allerwenigsten sich selbst. Jetzt wird der Alltag erfasst, zergliedert und zu einem flüssigen Ablaufplan neu zusammengesetzt - Self Process Management gewissermaßen.

Da beginnt der Tag mit einem ultraeffizienten Frühstück, das - Soylent lässt grüßen - leicht verdaulich und optimal zusammengestellt auf den Tag vorbereitet. Und so weiter: Optimierte Arbeit, effiziente Freizeit, maximale Gesundheit, Quality Time mit den Kindern, grandioser Sex zwischen 22 Uhr und 22 Uhr 30. Danach noch eine Tasse Kräutertee und der feingetunte Nachtschlaf mit App und Atemkontrolle kann beginnen.

Klingt wie Satire, ist aber für viele Selbstoptimierer eine nur milde übertriebene Version ihres eigenen Lebens. Als Trend gibt es die rationale Selbstverbesserung schon länger, aber erst die Smartphones haben sie zu einer Bewegung gemacht. Und Apple hat das zeitig erkannt.

Denn Self-Tracking ist kein Massenmarkt. Es ist im Gegenteil ein Apple-typischer Edel- und Elitemarkt, in dem auch güldene Smartphones für Notebook-Preise Sinn machen. Demnächst also als App auf dem iPhone eines Managers im Nachbarbüro.

Bildquelle: Bernd Wachtmeister / pixelio.de

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok