HTML5

Unsichere Kandidaten identifizieren

Interview mit Sebastian Wolters, CEO von Mediatest Digital, über den Einfluss von HTML5 in der App-Entwicklung und insbesondere auf die App-Stores von Apple, Google, Microsoft & Co.

Sebastian Wolters, CEO von Mediatest Digital, ist der Meinung, dass es bei HTML5-Apps meist besser um die Sicherheit bestellt ist als bei vielen nativen Apps.

Herr Wolters, wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der Anwenderunternehmen an der App-Entwicklung auf Basis von HTML5 im Vergleich zur Entwicklung von nativen Apps?
Sebastian Wolters:
Hierzu können wir leider keine verlässliche Aussage treffen, da wir nicht als Entwickler aktiv sind. Die Anfragen zum Testen nativer Apps sind weiterhin steigend, von daher können wir momentan auf unserer Seite noch keinen Trend in Richtung HTML5-Apps erkennen.

Inwieweit könnten HTML5-Webapps die noch dominierenden nativen Apps verdrängen?
Wolters:
Solange es sich dabei um Apps handelt, die weiterhin gebündelt über die zentralen Anlaufstellen (App-Stores) erhältlich sind, wird mit Sicherheit ein Verdrängungsprozess angestoßen. Besonders da die Entwicklung aufgrund der Plattformunabhängigkeit prinzipiell weniger Aufwand, insbesondere im Hinblick auf Qualitätssicherungsaspekte, bedeutet. Allerdings sind einige wesentliche Betriebssystemspezifika über HTML5 u.a. aus Sicherheitsgründen nicht adressierbar. Somit können Apps, deren Funktionsumfang ein gewisses Maß überschreitet, ausschließlich nativ entwickelt werden. Wir glauben nicht, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird.

Welchen Einfluss wird die zunehmende Entwicklung von HTML5-Apps auf die App-Stores von Apple, Microsoft, Blackberry etc. haben? Apple, Google & Co. werden doch sicher mit starken Einbußen zu kämpfen haben... Müssen die Stores auf Dauer sogar dicht machen?
Wolters:
Wir sind uns sehr sicher, dass Apple und Google dies zu verhindern wissen, da ihnen die Wichtigkeit dieses Geschäftsmodells durchaus bewusst ist. Und es wäre darüber hinaus aus unserer Sicht nicht im Sinne des Nutzers, seine zentralen Anlaufpunkte zum Bezug von Apps zu verlassen.

Wie können es Apple, Microsoft, Google & Co. verhindern, dass ihnen sämtliche Native-App-Entwickler abhanden kommen, nur weil sie plötzlich lieber die viel einfacheren Webapps entwickeln möchten?
Wolters:
Wir sehen diese Gefahr nicht, da der Markt weiterhin riesig ist und auch bleiben wird in den nächsten Jahren. Somit werden Apple und Google weiterhin keinen Mangel an Entwicklern zu erwarten haben. Ein konkretes Beispiel für eine Gegenmaßnahme wäre die bewusste Abschottung verschiedener OS-Features für HTML5/Browser.

Sind alle nativen Apps aus den App-Stores letztlich auch auf HTML5-Basis herstellbar?
Wolters:
Nein. Bestimmte Betriebssystemspezifika sind über HTML5 nicht adressierbar. Somit können viele Apps, die bestimmte Vorteile und Features der Betriebssysteme nutzen wollen und sollen, weiterhin nur nativ entwickelt werden.

Wie ist es um die Sicherheit der HTML5-Webapps bestellt, die von beliebigen Portalen im Internet heruntergeladen werden können und nicht über die gängigen App-Stores vertrieben werden?
Wolters:
In den meisten Fällen ist es um die Sicherheit besser bestellt als bei vielen nativen Apps, da die Sicherheitseinschränkungen des Browsers gelten (auf den meisten Systemen webkit-basiert). Jedoch werden wir sicherlich auch hier alle Hände voll zu tun bekommen, um unsichere Kandidaten zu identifizieren.

Inwiefern könnte das Sicherheitsthema die App-Nutzer bei ihrer Entscheidung beeinflussen, ob sie sich eine native oder eine Webapp zulegen?
Wolters:
Wir glauben kaum, dass der Durchschnittsnutzer dies differenzieren kann und wird. Die Entscheidung wird vielmehr vom Funktionsumfang und der OS- bzw. Smartphone-Integration der Apps abhängig gemacht werden, wo die nativen Apps weiterhin klar im Vorteil sind.

Welchen Status genießen Apple & Co. derzeit (noch) bei den App-Nutzern? Mit welchen Maßnahmen könnten sie ihre Attraktivität beibehalten oder sogar noch steigern?
Wolters:
Apple & Co. genießen aus unserer Sicht weiterhin einen sehr positiven Status bei den App-Nutzern. Sie sind weiterhin (berechtigterweise) die dominierenden Anlaufstellen zum Bezug der Hardware und Software, die zunehmend den privaten und beruflichen Alltag erleichtern bzw. versüßen.

Apple gibt sich auf seiner Website beispielsweise offen gegenüber Webstandards. Inwiefern ist dies nur Fassade?
Wolters:
Unserer Meinung nach ist dies keine Fassade. Apple hat es geschafft, seine Systeme zu fast 100 Prozent geschlossen zu halten,
ohne dabei Standards zu brechen. Insofern werden sie auch weiterhin nichts
dagegen haben.

Wie müssen die großen Hersteller ihre Geschäftsmodelle anpassen, um auch in Zukunft gewinnbringend ihre Apps an Mann und Frau zu bringen? Und wie werden sie wohl tatsächlich auf die gegenwärtigen Entwicklungen im Bereich HTML5 reagieren?
Wolters:
Die großen Hersteller werden ihre Geschäftsmodelle vorerst nicht anpassen müssen. Technische Ansätze zur Absicherung gegenüber HTML5-Webapps gibt es wie gesagt einige. Aus unserer Sicht wird der Nutzer weiterhin bevorzugt Apps laden, die flüssig in seinem genutzten Betriebssystem funktionieren und die Vorteile des jeweiligen OS unterstützen. Nichtsdestotrotz wird es sehr spannend zu beobachten, wie der Markt auf HTML5-Webapps reagiert.


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