Andreas Ganswindt, Country Manager Germany bei Ciklum
Inwiefern fragen Unternehmen aktuell Nearshore-Projekte rund um die mobile App-Entwicklung nach?
Andreas Ganswindt: Keine Frage, hier steht weiter der Kostengesichtspunkt im Vordergrund. Allerdings werden mögliche Nearshore-Anbieter mit rasch zunehmender Genauigkeit und Intensität auf ihre Professionalität hin evaluiert. Apps sind kein „nice to have“ mehr, sondern geschäftskritische Outlets. Ist die Professionalität gegeben und wird die Ressourcenlage und -Kompetenz positiv eingeschätzt, dann sind Nearshore-Anbieter eine für mittlere und große Unternehmen spannende Alternative, denn durch sie bekommt man professionelle Verlässlichkeit zu einem Preis, bei dem Agenturen in Deutschland auf dem gleichen Level nicht mitgehen können.
Was sind die hauptsächlichen Beweggründe der Anwender dafür, auf externe Mobility-Nearshore-Spezialisten zu setzen und keine eigenen Mitarbeiter zu beschäftigen?
Ganswindt: Die Anstellung eigener Mitarbeiter für die mobile App-Entwicklung wird nach wie vor von sehr vielen auch großen Unternehmen gescheut, denn auch wenn der mobile Kanal immer relevanter wird, so sind die Unternehmen weiter in der Beobachtung, wie sich ihre Apps entwickeln, welche Modelle funktionieren und welche Plattformen das Rennen machen. Spezialentwickler für mehrere Plattformen vorzuhalten wird als sehr riskant eingeschätzt.
Welche Fähigkeiten werden hinsichtlich der App-Entwicklung seitens der Unternehmen vor allem nachgefragt? Welche sind eher zu vernachlässigen?
Ganswindt: Im Frontend geht es um den Dreiklang Android, iOS, HTML5 – entscheidend ist aber auch die Backendkompetenz (PHP, .Net etc.), denn die Apps werden entweder an bestehende CMS-Systeme, CRMs und Warenwirtschaftssysteme angedockt oder durch mobile-spezifische Backends bespielt, die am besten auch der Mobile-Entwickler baut, der etwa mit Blick auf Performance-Themen die speziellen Anforderungen für den mobilen Kanal kennt.
Was halten Sie von der vergangenen Sommer eingeführten „Blue Card“ – eher heiße Luft oder ein probates Mittel gegen den Fachkräftemangel?
Ganswindt: In Bezug auf Nearshoring bietet die Blue Card keine echte Alternative. Die Voraussetzungen, welche der Anwärter auf eine Blue Card erfüllen muss wie beispielsweise einen Arbeitsvertrag mit einem Bruttojahresgehalt in Höhe von mindestens 44.800 bzw. 34.944 Euro, oder eine Vorrangprüfung, welche bedeutet, dass geprüft wird, ob deutsche Arbeitnehmer für die Besetzung des Arbeitsplatzes in Frage kommen, zeigen dies deutlich. Nearshore-Projekte in der mobilen App-Entwicklung gewinnen immer mehr an Popularität, weil sie es Unternehmen ermöglichen schnell, kostengünstig und ohne zeitliche Verpflichtungen an gutes Fachpersonal zu kommen. Dies ist über die Blue Card mit allen ihren zu erfüllenden und beachtenden Vorgaben, nicht möglich.