Hanns-Christian Wüstner, Geschäftsführer Socratec Telematic
Frank Heinz, Senior Account Manager Mobility, Devoteam GmbH Deutschland
Herr, Wüstner, in welchen Branchen werden derzeit mobile Telematik-Lösungen überwiegend genutzt?
Hanns-Christian Wüstner: Mobile Telematik-Lösungen haben sich in den letzten Jahren in den verschiedensten Marktsegmenten verbreitet, besonders in den Branchen Transport, Bau, Handwerk und Dienstleistungen sowie Außendienst, der natürlich am meisten davon profitiert. Der wichtigste Vorteil: Sie ermöglichen höhere Transparenz und Qualität der Geschäftsprozesse und verringern im besten Fall die Kosten.
Welche neuen Einsatzmöglichkeiten gibt es?
Wüstner: Mobile Telematik-Lösungen auf Smartphones und Tablets werden zunehmend in Branchen genutzt, die bisher gar nicht mit klassischen Lösungen in diesem Bereich gearbeitet haben. Dazu zählen beispielsweise das Auftragsmanagement in Verbindung mit der GPS-Überwachung von Personen, Objekten und Fahrzeugen oder klassische mobile Aufgabenfelder wie Außendienstaufgaben wie Wartung, Instandsetzung oder Vertrieb.
Herr Heinz, welchen Mehrwert versprechen Smartphones gegenüber klassischen Telematiksystemen?
Frank Heinz: Smartphones haben nützliche Zusatzfunktionen für mobiles Arbeiten: Beispielsweise lassen sich mit der Fotofunktion vor Ort Transportschäden erfassen oder mittels einer digitalen Unterschrift Lieferungen abzeichnen und direkt an die Zentrale senden, das beschleunigt die Prozesse und vermeidet Paperwork.
Was ist, Ihrer Meinung nach, der größte Vorteil von mobilen Geräten gegenüber Festeinbauten?
Wüstner: Die Auftragsverwaltung ist hier wesentlich flexibler. Sie kann als App umgesetzt werden und mit wenig Aufwand beispielsweise an die Anforderungen von Transportunternehmen angepasst werden. Deshalb ist auch die Kombination aus Auftragsverwaltung mittels App und fest eingebauter Blackbox für das Tracking oder das Erfassen von FMS-Daten eine neue sehr gute Lösung für viele Branchen.
Wird durch den immer häufigeren Verzicht von Festeinbauten in Fahrzeugen "Bring your own Device" zum Thema?
Frank Heinz: Im Regelfall wird der Spediteur seinen Fahrern mobile Geräte zur Verfügung stellen. In anderen Branchen oder im Fall von Subunternehmern ist das BYOD-Szenario mit Sicherheit sehr angesagt. Aus Gründen der Datensicherheit ist diese Variante allerdings nur in Verbindung mit einem Mobile-Application-Management-(MAM)-System zu empfehlen, das der beauftragende Logistik-Dienstleister als Software as a Service (SaaS) einsetzt.
Lassen sich durch die neuen Möglichkeiten handschriftlich geführte Fahrtenbücher zukünftig durch Lenk- und Ruhezeiten-Tools ersetzen?
Wüstner: Bislang gibt es diese nur als reines Informationstool, weil für das Finanzamt zulässige Fahrtenbücher oder elektronische Fahrtenschreiber gesetzlichen Ansprüchen genügen müssen. Vor allem muss eine dauerhaft feste Verbindung zum Fahrzeug hergestellt sein, was bei mobilen Endgeräten nicht der Fall ist.
Bislang werden zahlreiche Auftrags-Dossiers in physischen Archiven gelagert, können diese mit Blick auf die Cloud abgeschafft werden?
Wüstner: Zunehmend werden elektronische Auftragsunterlagen temporär auf mobilen Endgeräten gespeichert. Lieferungen können beispielsweise durch digitale Unterschriften auf dem Touchscreen bestätigt werden. Diese Auftrags-Dossiers können in der Private oder Public Cloud archiviert werden. Somit lässt sich auch unterwegs darauf zugreifen.
Wie können Unternehmen verhindern, dass durch den Einsatz mobiler Lösungen Informationen über Luftschnittstellen verloren gehen?
Heinz: Eine mobile App muss nicht nur online, sondern auch offline voll funktionsfähig sein, weil sich Fahrzeuge auch in Gegenden befinden können, wo gerade kein Datennetz verfügbar ist. Damit keine Daten über Luftschnittstellen verloren gehen, muss zwischen dem mobilen Endgerät und dem Backend-System der Spedition eine serverbasierte Lösung geschaltet sein. Diese Middleware sorgt für eine sichere Übertragung von Auftragsdaten aus dem Backend zum mobilen Endgerät und umgekehrt.