Wolfram Rickert, Produktmanager der SIV.AG
Herr Rickert, in welchen Bereichen lohnt sich der Einsatz mobiler Lösungen mit Smartphones und Tablets bei Unternehmen der Energiebranche am meisten?
Wolfram Rickert: Der Einsatz von Smartphones ist in relativ vielen mobilen Prozessen mit einer vorbereiteten und einfachen Datenerfassung möglich, beispielsweise in der Zählerstandserfassung. Tablets werden vor allem dann wirtschaftlich, wenn sich die Datenerfassung komplexer gestaltet oder mit der Nutzung anderer Applikationen – etwa GIS-Mobil – erforderlich wird, zum Beispiel bei Aufmaßen und Instandhaltungsdokumentationen. Aber auch im Forderungsmanagement ist die Mobilität ein wichtiges Kriterium für Effektivität und Aktualität.
Können Sie uns bitte ein konkretes Anwendungsbeispiel nennen?
Rickert: Standardprozesse sind die Zählerablesung sowie der Zählereinbau bzw. der -wechsel (Beauftragung der Mitarbeiter). Die Ausgabe zyklischer sowie außerplanmäßiger Ablesungen ist dabei in jedem ERP-System für die unterschiedlichsten Systeme und Formate bereits heute unabdingbar.
Stichwort mobile Instandhaltung: Wie funktionieren diese Arbeitsprozesse bei einem Versorgungsunternehmen im Detail?
Rickert: Technische Maßnahmen werden in den Basissystemen zusammengestellt und geplant. Dies umfasst sowohl die Zusammenstellung der zu erledigenden Aufgaben als auch die Berücksichtigung der Ressourcen und Arbeitsmittel. Im Dispatchen werden terminliche Aspekte wie Kundenbesuche, freie Kapazitäten oder Anfahrtswege berücksichtigt. Mit der Zuweisung der Aufgaben an die entsprechenden Mitarbeiter/Teams erfolgt die Übertragung der Aufgabenstellung sowie der erforderlichen Informationen auf die mobilen Endgeräte. Dazu gehören notwendige Beschreibungen zum Objekt, Mängellisten, Sicherheitshinweise sowie andere Dokumentationen. Die Referenzierung zu GIS-Objekten ermöglicht es, diese Aufgaben auch durch mobile GIS-Komponenten im Raum darzustellen.
Im Rahmen der Auftragserfüllung erfolgt die Dokumentation der Durchführung. Neben der Erfassung der Aufgabenerfüllung, technischer Parameter und Betriebsdaten wird es dabei zunehmend wichtig, auch die eingesetzten Ressourcen (Arbeitszeiten, Materialien, Nachweis von Fremdfirmen) festzuhalten. Mit der anschließenden Übertragung ist so bereits ein technischer und kaufmännischer Abschluss möglich.
Welche Geräte und Technologien kommen bei der mobilen Instandhaltung in der Regel zum Einsatz?
Rickert: Tablets stehen zunehmend im Blickpunkt, da mit der Aufgabenstellung bereit komplexe Informationen übertragen werden sowie die Dokumentation bereits vor Ort finalisiert werden kann.
Wie viel schneller bzw. kostengünstiger ist man mit der mobilen Lösung gegenüber einer rein manuell bzw. papierbasierten Vorgehensweise?
Rickert: Da keine Arbeitspapiere mehr übertragen werden müssen, sparen mobile Lösungen Zeit und Kosten. Zugleich profitieren die Anwender von einer deutlich höheren Datenqualität, Vollständigkeit und Lesbarkeit.
Welche Hürden – beispielsweise seitens der Infrastruktur – müssen hierzulande noch genommen werden, damit sich eine mobile Instandhaltung flächendeckend durchsetzen kann?
Rickert: Seitens der Applikationen, Technologie und technischen Infrastruktur gibt es keine Hürden. Die Lösungen sind einsatzbereit und verfügbar. Mobilität ist ein unabdingbarer Bestandteil einer effizienten Prozessorganisation in den Versorgungsunternehmen. Diesem Anspruch müssen sich die technischen und kaufmännischen Bereiche gleichermaßen stellen und ihre Organisation entsprechend ertüchtigen.
Worauf müssen die Verantwortlichen bei der Anbindung der mobilen Instandhaltung in die Unternehmens-IT – etwa in ERP- oder HR-Systeme – besonders achten?
Rickert: Hier stehen vor allem Fragen des Personalmanagements im Vordergrund. Betroffene Mitarbeiter müssen von Anfang an ins Boot geholt werden und Informationen erhalten, welche Konsequenzen die Veränderung der Ablauforganisation für ihren Aufgabenbereich und ihre Entwicklungsperspektiven nach sich zieht.