Nachgefragt bei Marc Sauter, Vodafone

Wachstum des M2M-Marktes

Interview mit Marc Sauter, Leiter Sales M2M Central Europe bei Vodafone

Marc Sauter, Vodafone

„Der M2M-SIM-Chip ist deutlich kleiner als eine herkömmliche SIM-Karte. Zudem ist er für den industriellen Einsatz robuster“, so Marc Sauter, Leiter Sales M2M Central Europe bei Vodafone.

Herr Sauter, inwiefern ist das Thema „M2M-Kommunikation“ bereits in den Unternehmen angekommen? Wie ist der Stand der Dinge?
Marc Sauter:
Nach Angaben des Analystenhauses Analysys Mason liegt der Gesamtumsatz des M2M-Marktes derzeit weltweit bei etwa 21 Mrd. Euro. Davon entfallen ca. 7 Mrd. Euro auf die Hardware, 3,3 Mrd. Euro auf Connectivity und 11 Mrd. Euro auf M2M-Services. Entsprechend gibt es bereits zahlreiche erfolgreiche Beispiele für den Einsatz von M2M in Unternehmen – von der Überwachungsanlage, die automatisch Alarm schlägt, über Maschinenbauer, die ihre Anlagen remote warten, bis zu vernetzten Autos, wie sie BMW mit Connected Drive anbietet.

Die Ende Juni veröffentlichte Vodafone-Studie „M2M Adaption Barometer 2013“ prognostiziert zudem, dass der Einsatz von M2M-Technologien in den kommenden Jahren rasant zunehmen wird: Bereits in zwei Jahren, also Mitte 2015, wird die Technologie zum Mainstream. 50 Prozent der befragten Unternehmen werden dann M2M-Technologien einsetzen. Heute sind es erst 12 Prozent der Befragten.

Für welche Branchen bzw. Unternehmensbereiche ist M2M besonders interessant/relevant und warum?
Sauter:
Die Untersuchung „M2M Adoption Barometer“ gibt auch Aufschluss darüber, in welchen Branchen M2M-Anwendungen heute schon am stärksten genutzt werden. Demnach liegt aktuell der Einsatz in der Automobilbranche mit 19 Prozent am höchsten; vor allem aufgrund der wachsenden Verbreitung von vernetzten Fahrzeugen. Es folgen die Energieversorger mit einer Verbreitung in 13 Prozent der befragten Unternehmen. Hier ist Smart Metering das wichtigste Einsatzgebiet. In der Logistik (12 Prozent) wird M2M vor allem für Flotten- und Gütermanagement genutzt. Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe und dem Bereich Consumer Electronics, für die die Studie das höchste Wachstum im Bereich M2M prognostiziert, setzen derzeit nur zu 11 Prozent auf M2M. Knapp dahinter liegen Konsumgüterhersteller und Einzelhändler (10 Prozent), die im Supply Chain Management auf M2M setzen.

Für die Zukunft ist das stärkste Wachstum für den Einsatz von M2M laut der Vodafone-Studie für die Bereiche Fertigung und Unterhaltungselektronik zu erwarten. Hierfür sind zwei Faktoren ausschlaggebend. Zum einen statten wegen der wachsenden Nachfrage nach vernetzten Geräten immer mehr Anbieter ihre Produkte mit M2M-Technologien aus, z.B. E-Reader oder Smart-TVs. Zum anderen wollen sich Hersteller mit innovativen M2M-Anwendungen in ihren Geräten vom Wettbewerb aus dem Niedrigpreissegment differenzieren.

Mit welchem Aufwand (zeitlich, personell, kostentechnisch) sind M2M-Projekte verbunden?
Sauter:
Das kommt natürlich sehr stark auf das jeweilige Projekt an und lässt sich kaum verallgemeinern. Typischerweise starten Projekte in kleinerem Maßstab in Form eines Pilotprojekts. Ist der Nutzen belegt – insbesondere auch in wirtschaftlicher Hinsicht –, so folgt die flächendeckende Einführung. Deshalb spielen die Skalierbarkeit und die Flexibilität der Gesamtlösung eine wichtige Rolle.

Wie können die Unternehmen die Kosten im Blick behalten, wenn die Kommunikation der Geräte/Maschinen/Automaten etc. über das Internet bzw. das Mobilfunknetz läuft – teilweise auch über Ländergrenzen hinweg? Welche Tarifmodelle sind im M2M-Bereich üblich?
Sauter:
Zunächst einmal: Als international aufgestelltes Telekommunikationsunternehmen bieten wir mit der Global SIM einen weltweiten Netzzugang. Diese SIM-Karten sind internationale Karten, die sich in den Mobilfunknetzen weltweit einbuchen können – Vodafone deckt hier über eigene und Partnernetze mehr als 80 Länder ab. Selbst für den Fall, dass kein Vodafone- oder Vodafone-Partner-Netz in einem Land verfügbar sein sollte, kann sich eine internationale SIM-Karte per Roaming in ein anderes Netzwerk einbuchen und wird damit der Anforderung nach maximaler Verfügbarkeit gerecht. Mit unserer Global SIM ausgestattete Geräte und Maschinen können diese über die komplette Lebensdauer behalten – egal, ob das Gerät an einem Standort bleibt oder umzieht.

Was die Kosten angeht, so ist unser Tarifmodell sehr transparent: Unsere M2M-Kunden profitieren von weltweit einheitlichen, kostengünstigen Tarifangeboten. Damit gibt es keine „böse Überraschung“ bei Roaming-Kosten.

Wie unterscheiden sich M2M-SIM-Karten von den „normalen“ SIM-Karten?
Sauter:
Der M2M-SIM-Chip ist deutlich kleiner als eine herkömmliche SIM-Karte. Zudem ist er für den industriellen Einsatz robuster. So zeichnet sich der M2M-Chip beispielsweise durch feste Verlötbarkeit, Korrosionsbeständigkeit, längere Lebensdauer und uneingeschränkte Funktionalität auch bei hohen Temperaturschwankungen aus.

Wie kann eine sichere Übertragung der Daten gewährleistet werden (Stichwort: Datenschutz)?
Sauter:
Die Verbindung wird über IPsec (Internet Protocol Security) hergestellt. Somit ist eine sichere Kommunikation gewährleistet.

Was geschieht bei Störungen der Mobilfunk-/Internetverbindung? Welche weiteren Probleme können auftreten?
Sauter:
Sollte das Netz nicht verfügbar/gestört sein, wählt sich das System automatisch via Roaming in ein anderes verfügbares Netz ein.

Was werden Ihrer Meinung nach die nächsten Entwicklungsschritte im Bereich „M2M“ sein?
Sauter:
Neben den bereits genannten Entwicklungen, zeigt das „M2M Adoption Barometer“ zwei weitere Trends auf, die für das Wachstum des M2M-Marktes in den kommenden Jahren entscheidend sein werden. Ein ausschlaggebender Faktor sind demnach sinkende Kosten für M2M-Komponenten. Da die Kosten für alle Bestandteile einer entsprechenden Lösung – Hardware, Software und Datenverbindungen – weiter fallen, werden künftig auch Unternehmen, die bisher noch zögern, in diese Technologie investieren. Zusätzliche Dynamik gewinnt der Markt, da vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen verstärkt auf M2M setzen. Laut der Studie werden diese bis 2015 die Großkonzerne beim Einsatz von M2M-Technologien überholt haben. Dabei scheint die höhere Flexibilität kleinerer Unternehmen eine wichtige Rolle zu spielen.

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