Das Falschfahrerwarnsystem (FFWS), das andere Verkehrsteilnehmer schneller über Geisterfahrer informieren soll, wurde auf der A43 bei Bochum erfolgreich einem ersten Praxistest unterzogen.
Ziel des Rider Ecall ist es, die Notfallkommunikation zu beschleunigen – und auf diese Weise Leben zu retten. Dabei geht die Lösung auf eine Initiative der Björn Steiger Stiftung zurück: „eCall für Motorradfahrer in Europa“. Zum Partnernetzwerk zählen neben dem Helmhersteller Schuberth, die Telekom und Bosch Communication Center, ein Produktbereich der Bosch Sicherheitssysteme. Der Rider Ecall besteht aus einer Helm- sowie einer Motorradeinheit. Beide sind per Funk miteinander gekoppelt. Fünf Unfallsensoren ergänzen beide Einheiten und behalten die Fahrsituation im Blick: etwa die Neigung oder die Beschleunigung des Motorrads. Ein integrierter GPS-Empfänger, ein Mobilfunkmodul mit spezieller SIM-Karte der Telekom, ein Mikrofon und ein Lautsprecher sind ebenfalls Teil des Systems.
Da Motorradfahrer häufig in ländlichen Gebieten unterwegs sind, ist für eCall die flächendeckende Mobilfunkabdeckung wichtig. Kommt es zu einem Unfall, setzt das System automatisch über zwei Wege eine Rettungskette in Gang. Das integrierte Mobilfunkmodul sendet eine Notruf-SMS über das Telekom-Netz an die eCall-Notrufzentrale. So lassen sich die GPS-Koordinaten des Unfallortes sicher und zuverlässig weiterleiten. „Dabei liefern wir die SIM-Karten, die in die Motorradeinheit integriert werden und sorgen mit unseren Roaming-Partnern für eine länderübergreifende Mobilfunkabdeckung“, sagt Mathias Elsner, Leiter M2M & Data Solutions bei der Telekom Deutschland. Mit einer Verfügbarkeit von 98,5 Prozent ist die SMS der verlässlichste Übertragungsweg für einen eCall. Zeitgleich baut der Rider Ecall eine Sprachverbindung zu einem Mitarbeiter der Notrufzentrale auf, die von Bosch Communication Center betrieben wird. So kann der Leitstellenmitarbeiter mit dem Motorradfahrer sprechen und umgehend die lokalen Notrufdienste alarmieren. Der Vorteil: Die Mitarbeiter der Leitstelle sprechen mehrere Sprachen. Barrieren, die eventuell bei einem Motorradunfall im Ausland auftreten könnten, werden so vermieden.
In punkto Straßensicherheit wirkt der Mobilfunkanbieter aus Bonn auch bei der Entwicklung eines Falschfahrerwarnsystems (FFWS) mit, das andere Verkehrsteilnehmer schneller über Geisterfahrer informieren soll. Wie wichtig Projekte dieser Art sind, verdeutlicht folgende Zahl: hierzulande werden durchschnittlich 2.800 Geisterfahrer im Jahr registriert. Die Lösung von der Wilhelm Schröder GmbH aus Herscheid wurde in Kooperation mit der TU Dortmund und der RWTH Aachen entwickelt und auf der A43 bei Bochum erfolgreich einem ersten Praxistest unterzogen. Vorteil des neuen Systems: Ein erkannter Geisterfahrer löst in Sekundenbruchteilen eine komplexe Informationskette aus. Die Bonner unterstützen das Projekt, indem sie ihre Erfahrung im Bereich Machine-to-Machine-Technologie beisteuern.
Die durch Solarstrom betriebene M2M-Lösung umfasst sechs Detektionsleitpfosten, die in einer Autobahnabfahrt – drei auf jeder Fahrbahnseite – installiert werden und mit Funkmodulen ausgestattet sind. Ein zwischen den sechs Leitpfosten aktives Detektionsfeld registriert alle Durchfahrten sowie die Fahrtrichtung der Autos. „Wird eine Falschfahrt erkannt, schlägt ein weiterer Leitpfosten, die so genannte ‚Masterbake‘, Alarm“, erläutert Dennis Dorn, der das Projekt für die Wilhelm Schröder GmbH koordiniert. Unter anderem ausgestattet mit einer M2M-SIM-Karte und einem Funkmodul, leitet die „Masterbake“ die GPS-Koordinaten des betroffenen Autobahnabschnitts per Mobilfunk an die Notrufleitzentrale weiter, die dann unter anderem Radiostationen über die Geisterfahrt informiert.
Optional lässt sich die Systemarchitektur zusätzlich durch eine dritte Komponente, so genannte Warnmeldeleitpfosten, erweitern. Im Ernstfall von der „Masterbake“ aktiviert, signalisieren zehn Warnmeldeleitpfosten dem Falschfahrer direkt an der Autobahnabfahrt, dass er in die falsche Richtung unterwegs ist. Dreh- und Angelpunkt der M2M-Lösung ist die Anbindung an ein flächendeckendes Mobilfunknetz, das mit einer hohen Netzqualität für eine zuverlässige Datenübertragung sorgt. Weiterer Teil des Falschfahrerwarnsystems: Eine eigene Smartphone-App, die den aktuellen Standort des Mobiltelefons mit den GPS-Koordinaten der registrierten Falschfahrt abgleicht und alle Fahrer in einem Umkreis von bis zu zehn Kilometern vor dem Geisterfahrer warnt. „Die Technik kann ohne großen Aufwand nachgerüstet werden, da ein herkömmlicher Leitpfosten einfach durch einen unserer Pfosten ausgetauscht wird“, erläutert Dorn.
Bildquelle: Telekom