Kraut und Rüben auf dem Bildschirm
Das iPad ist das idealtypische Tablet. Doch warum ist das so? Warum hat iOS laut einer aktuellen Analyse des Beratungsunternehmens Gartner immer noch einen Anteil von 61,4 Prozent?
Die eine Antwort auf diese Frage lautet: Apple weiß, was die Anwender wollen - im Moment zum Beispiel hochauflösende Displays, um das iPad zu Hause als Mediengerät für Videos und E-Books einsetzen zu können. Außerdem wissen Apple-Kunden genau, was sie erwarten können: Angenehmes Design, einfache Bedienbarkeit und solide Technik.
Die andere Antwort lautet: Bei Android weiß ein potentieller Käufer nicht, woran er ist. Aus Sicht der Anwender haben Android-Tablets hat vier deutliche Schwächen, die einen Massendurchbruch verhindern:
1. Tablet ist nicht gleich Tablet. Android hat keine einheitliche Hardware-Basis, sondern einen bunten Strauß an Speicherkapazitäten, Prozessorgeschwindigkeiten, Bildschirmauflösungen und Besonderheiten. Der Käufer ist also gezwungen, zunächst die Modelle zu vergleichen. So etwas schreckt vor allen Dingen technisch weniger versierte Leute ab. Gleichzeitig entsteht durch Presse und Werbung ein Informations-Overkill: Die vielen, häufig schwer einzuordnenden Detailinformationen verwirren eher als das sie aufklären.
2. Android ist nicht gleich Android. Die lustigste Meldung der letzten Zeit lautete: Chinesischer Anbieter bringt Billig-Tablet mit Android 2.2 heraus. Hier dürfte der Kunde eine tote Katze im Sack kaufen. Die benutzte Android-Version ist erstens veraltet und zweitens nicht für Tablets optimiert. Das zeigt deutlich, dass der Versions-Wirrwarr von Android die Kunden entweder abschreckt oder nach einem Fehlkauf reumütig zu Apple-Fans werden lässt.
3. Kraut und Rüben auf dem Bildschirm. Für Android-Tablets gibt es - auch wegen der unterschiedlichen Versionen - kein einheitliches und verpflichtendes Screendesign. Zwar hat Google vor allem für die Version 4.0 eine attraktive Oberfläche geschaffen, doch die App-Entwickler müssen sie nicht übernehmen. So sieht jede App anders aus und ein Display mit mehreren Homescreen-Widgets (eine sehr sinnvolle Innovation in Android) sieht häufig unprofessionell und chaotisch aus.
4. Weniger wirklich gute Apps. Glaubt man den Statistiken, sind iPad-Besitzer eher bereit, Geld für Apps auszugeben. Verbunden mit der geringeren Verbreitung der Android-Tablets hat dies natürlich Folgen für die Qualität der Tablet-optimierten Android-Apps. Obwohl es eine ganze Reihe sehr guter Apps für das Google-System gibt, ist die Anzahl der innovativen, funktionsreichen und attraktiv gestalteten Apps auf dem iPad deutlich höher.
Der letzte Punkt ist entscheidend. Die Entwickler sehen sich drei Problemen gegenüber: Erstens müssen sie eine sehr heterogene Hardware-Basis berücksichtigen. Zweitens ist für ein besseres Geschäft auch eine abwärtskompatible Smartphone-Version der App notwendig. Drittens bleiben die Umsätze bei einer Kauf-App mit Sicherheit deutlich unter denen einer iPad-Version.
Hier beißt sich die Katze dann in den Schwanz: Weil es nicht so viele tolle Apps gibt, ist der Anreiz zum Kauf nicht so hoch, so dass sich Entwickler nicht gerade auf Android-Tablets stürzen und tolle Apps programmieren.
Dieser Kreislauf ist nur sehr schwer zu durchbrechen. Zusammen mit dem Durcheinander bei Hardware, Software und Design dürfte das noch für eine lange Marktdominanz des iPad. Das findet auch Gartner und legt sich fest: Das iPad dominiert bis mindestens 2016.
Bildquelle: Samsung