Goodbye BlackBerry

Was bleibt: Nische oder nichts

BlackBerry ist in der bisherigen Form am Ende: Verluste, Entlassungen, Auftragsfertiger und Wiederverkäufer weg. Was bleibt einem BlackBerry-Käufer noch?

40 Prozent der Mitarbeiter werden entlassen, fast eine Milliarde Dollar Verlust im letzten Quartal, Telefonanbieter wollen keine BlackBerrys mehr verkaufen, Auftragsfertiger keine mehr herstellen - diese Nachrichten läuten den letzten Akt im BlackBerry-Drama ein. Das kanadische Magazin “Globe & Mail” hat es in einem Artikel aufgerollt.

Besonders problematisch waren nach den Recherchen der drei kanadischen Reporter die internen Machtkämpfe in der Führungsebene des Unternehmens. Die zahlreichen Konflikte zwischen den Geschäftsführern und weiteren leitenden Angestellten entpuppten sich als Innovationshindernis.

Praktisch jede Entscheidung war umstritten, an vorderster Front der Kämpfe ging es um das BlackBerry Z10. Gründer und Aufsichtsratsmitglied Michael Lazardis wollte an den klassischen Tastatur-BlackBerrys festhalten. Es ist zu vermuten, dass diese Auseinandersetzungen auch Risse in der Belegschaft zur Folge hatte - weitere Tritte auf die Bremse.

So erklärt sich vermutlich die Verzögerung, mit der der Z10 auf den Markt kam. Mitte 2012 wurde das Gerät noch einmal ein halbes Jahr aufgeschoben - eine Zeitspanne, die dem Hersteller das Genick gebrochen hat, vor allem angesichts der grotesk kurzen Produktlebenszeiten im Mobilmarkt.

Denn es war nun vor allem für den Business-Markt zu spät. Apple hat hier enorm aufgeholt. Sorgten die ersten iPhone-Generationen noch für Kopfschütteln in der Corporate IT, so gilt iOS spätestens ab Version 6.0 als definitiv business-tauglich.

Ob BlackBerry allerdings mit rasch auf den Markt geworfenen Geräten plus häufigen Updates erfolgreicher gewesen wäre, ist fraglich. Auch die von Lazardis bevorzugten Tastatur-Smartphones sind bei anderen Herstellern eher Nischengeräte und im Eiltempo von Touch-Devices überrundet worden.

Der ursprüngliche Erfolg von BlackBerrys beruht im wesentlichen auf dem Alleinstellungsmerkmal “Sichere Business-Kommunikation” und zwar zu einer Zeit, als das sonst niemand anbot. Apple hat das erste einfach (!) zu bedienende Smartphone für Jeden geschaffen und einen völlig neuen Massenmarkt.

Damit kann ein für Unternehmen optimiertes System nicht mithalten. Ein attraktives und modernes Touch-OS hätte spätestens Mitte 2010 auf den Markt kommen müssen - zu dieser Zeit war das iPhone noch nicht auf breiter Front in den Unternehmen angekommen. Doch die Kanadier haben sich zu dieser Zeit viel zu stark auf den Erfolgen von früher ausgeruht.

Die interessante Frage lautet: Was nun, was tun? Der Verkauf von BlackBerry ist so gut wie sicher und auch der Rückzug von der Börse ist kaum noch zu vermeiden. Eine halbwegs realistische Chance hat BlackBerry nur noch als Nischenanbieter für Unternehmen.

Vermutlich wird es auf den Verzicht auf eigene Hardware hinauslaufen. Ein Anbieter von Lösungen für sichere Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Mitarbeitern scheint angesichts der Snowden-Leaks naheliegend. Die Nachfrage ist bereits da, wie deutsche Verschlüsselungsexperten wissen.

Bildquelle: BlackBerry

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