07.12.2016 Modern Workspace: Am liebsten kreativ

Was bringen Co-Working Spaces?

Von: Ina Schlücker

Nicht nur in der Start-up-Metropole Berlin, sondern auch in vielen anderen Städten sprießen Co-Working Spaces aus dem Boden. Das Ziel: In lockerer Atmosphäre die Zusammenarbeit von Mitarbeitern, deren Motivation und Produktivität zu fördern. Doch was, wenn man für sich alleine, in einem ruhigen Umfeld viel kreativer wäre?

  • Kreative Co-Working Spaces

    Co-Working Spaces sollen in lockerer Atmosphäre die Zusammenarbeit von Mitarbeitern, deren Motivation und Produktivität steigern – und damit auch ihre Leidenschaft für Kreativität.

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Die Arbeitswelt befindet sich derzeit in einem Wandel, den man gut oder schlecht finden kann. Ein Fakt ist jedoch, dass traditionelle Büroarbeitsplätze immer weniger Relevanz besitzen als noch vor einigen Jahren. Vielmehr steigt der Stellenwert von Home-Office-Arbeitsplätzen ebenso wie die Möglichkeit, dank mobiler Technologien orts- und zeitunabhängig zu arbeiten. So gehören die Hipster und Nerds, die im Sommer am See oder im Winter auf der Almhütte arbeiten, längst zum gewohnten Alltagsbild.

Doch auch die mobilsten Digital Natives brauchen Rückzugsorte, etwa um sich mit anderen Kollegen, Partnern oder Kunden zu treffen. Insbesondere unter Freelancern und Start-ups ist es für diese Zwecke en vogue, sich Flächen in sogenannten Co-Working Spaces anzumieten. Was genau dahinter steckt, verrät Alexander Krapp, Geschäftsführer der Digitalagentur Soulsurf: „Bei Co-Working Spaces handelt es sich um Räume, die der gemeinsamen Arbeit und Zusammenarbeit dienen. Sie ermöglichen den Austausch verschiedenster Personen und kleiner sowie großer Unternehmen – und damit auch zwischen unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen und Branchen.“ Dabei handelt es sich um Arbeitsplätze, die genau für diesen kreativen Ideenaustausch und Gedankenfluss geschaffen wurden. „Egal ob komplette Bürocenter oder Räume in bestehenden Firmenstrukturen“, erklärt Krapp. Solche Konzepte hätten nicht nur unternehmerische Vorteile, sondern träfen gleichzeitig den Nerv einer Generation, die eine freiere und kreativere Art des Arbeitens bevorzuge.

In der Regel erfüllen diese Etablissements dann jegliche Klischees: Entweder zeichnen sie sich durch hypermoderne, klare architektonische Linien aus oder kommen als alternativ angehauchte Räumlichkeiten bevorzugt in alten Fabrikhallen oder Ziegelgebäuden daher – „Shabby Chic“ lässt grüßen. Die obligatorischen roten Lounge-Sofas, Fußballkicker, Obstschalen, Bio-Limonaden und Hochleistungskaffeemaschinen inklusive.

Berlin, München, Köln – angesagte Co-Working Spaces

Beispiele solcher Co-Working Spaces gibt es zuhauf. Allein in Berlin haben binnen vier Jahren 72 neue Lokationen eröffnet. „Spontan fällt mir die Factory Berlin ein, die als größter Startup-Campus gilt. Auf dem ehemaligen Brauerei-Gebäude treffen junge Talente und Startups wie Sound Cloud, Twitter oder Uber auf international agierende Tech-Unternehmen“, berichtet Krapp. Zudem verweist er auf das „Werk1“ im Herzen Münchens. „Hierbei handelt es sich um eine Anlaufstelle für Freelancer, Startups und Unternehmen, wobei die Mitglieder rund um die Uhr alle Vorzüge des Co-Working Spaces in Anspruch nehmen können“, so Krapp.

Daneben eröffnete in Köln jüngst das neue Co-Working Space „Wertheim“ seine Tore, welches vor allem berufstätigen Eltern entgegen kommen will. Um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können, ist für die Kinderbetreuung gleich mitgesorgt, da bis zu dreijährige Kinder einen Platz in der internen Kinderbetreuung erhalten.

Insgesamt stehen in Köln auf fünf Etagen und einer Fläche von knapp 250 Quadratmetern rund 50 Einzelarbeitsplätze zur Anmietung bereit. Hinzu kommen Teambüros, die von Unternehmen zur zeitlich begrenzten Projektarbeit von Mitarbeitern verschiedener Standorte genutzt werden können. Nicht zuletzt gibt es Seminar- und Tagungsräume sowie Event-Flächen, die sich für einen Tag, eine Woche, einen Monat oder länger anmieten lassen.

Die Atmosphäre beim Co-Working muss stimmen

Einzelkämpfer oder Unternehmen, die sich in Co-Working Spaces einmieten möchten, sollten vor dem Einstieg einige Fragen klären. Dabei ist es ratsam, den Blick auf die technologische Ausstattung der Arbeitsbereiche zu werfen, wobei ein gut funktionierendes WLAN-Netz und ausreichend Bandbreite gesetzt sein müssen.

Neben ausreichenden Freiflächen für die Teamarbeit sollte es dedizierte Rückzugsorte geben, an denen sich „Kreativlinge“ und „Wissenarbeiter“ ungestört konzentrieren können. Bestenfalls findet man Räumlichkeiten mit verschiedenen Arbeitsatmosphären vor. „Dies können Räume sein, in denen diskutiert wird und ein aktiver Gedankenaustausch stattfinden kann“, weiß Alexander Krapp. Oder es handelt sich um Bereiche, in denen die Mitarbeiter Ruhe und Entspannung finden.

Wie nützlich Co-Working und moderne Arbeitsmodelle sein können, weiß man bei der E-Commerce-Plattform Spreadshirt. Das in Leipzig ansässige Unternehmen stellt für seine Mitarbeiter entsprechende Räumlichkeiten und Infrastrukturen bereit, die offenes und mobiles Arbeiten gewährleisten. So will man einen lebendigen Austausch ermöglichen, wobei die Kollegen gegebenenfalls für ein oder mehrere Wochen ihre Büros wechseln, um sich als interdisziplinäres Team zusammenzutun und von verschiedenen Denk- und Arbeitsprozessen zu profitieren. Die Voraussetzungen dafür liegen laut Stefanie Frenking, offizielle Feel-Good-Managerin bei Spreadshirt, im reibungslosen internen IT-Service und der entsprechende Unternehmenskultur, getragen von gegenseitigem Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Andere Beispiele hingegen klingen weniger positiv. So begeistern sich Unternehmen zunächst dafür, dass man auf viele Ressourcen, unterschiedliche Menschen, Meinungen und Know-how Zugriff hat. Allerdings kann es sich in der Realität schnell erweisen, dass jeder Mitarbeiter vor sich selbst „hinwurstelt“ – ganz ohne Ideenaustausch und Co-Working. Denn die „gewollte“ Zusammenarbeit funktioniert nicht immer so gut wie gedacht. Zudem sollte man Mitarbeiter, die gegebenenfalls seit Jahren alleine am Schreibtisch sitzen, entsprechend auf den Wechsel vorbereiten. Denn nicht jeder ist es gewohnt oder empfindet es als angenehm, plötzlich inmitten von mitunter fremden Menschen zu sitzen und zu arbeiten.

Nicht zuletzt können die Unterschiede in der Arbeitsweise enorm sein: Manche Mitarbeiter bevorzugen lautes, andere hingegen leises Arbeiten. Die einen brauchen das laufende Radio im Hintergrund, die anderen dagegen absolute Funkstille. Software-Entwickler wollen ihre Ruhe, Marketer und Vertriebskollegen hingegen verbringen den ganzen Tag am Telefon. Dies alles muss bei der geplanten Nutzung offener Arbeitsflächen berücksichtigt werden.

Wo läuft´s am besten?
Die Auswahl des richtigen Co-Working Spaces

Nach der Entscheidung für die Arbeitsform Co-Working sollte man bei der Auswahl des richtigen Arbeitsplatzes einige Faktoren beachten: Die Zufahrtswege zum potentiellen Büro sollten vorab getestet werden – am besten zur Hauptverkehrszeit. Eine komplizierte Anreise oder die langwierige Parkplatzsuche mindern die Lust, in den Workspace zu fahren und dämmen den Arbeitseifer ein.

Künftige Co-Worker sollten zudem testen, ob der Lärmpegel im Büro ihre Leistungsbereitschaft nicht zu stark einschränkt. Wichtig ist ebenso ein Blick in die Meeting-Räume: Spiegeln diese die Persönlichkeit des Unternehmens wieder und sind sie repräsentativ für mögliche Besucher? Nicht jeder Kunde ist mit kreativem Chaos zu beeindrucken. Ein vorheriger Austausch mit den potentiellen Kollegen ist unerlässlich – sie können Inspiration und Motivation sein. Dazu müssen sie nicht aus der gleichen Branche stammen, denn oftmals bringt ein branchenfremder Blick auf ein Thema ganz neue Impulse. Vorab sollte aber abgesteckt werden, ob generell eine Zusammenarbeit gewünscht ist, oder ob lediglich die Räumlichkeiten geteilt werden sollen.

Quelle: HRS – Das Hotelportal

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