07.06.2017 Tablet vs. Laptop

Was Mobilgeräte im Kundengespräch nützen

Von: Lea Sommerhäuser

Entscheidend sei immer das konkrete Szenario, meint Ralf Riethmüller, Leiter Technologie und IT bei der Kumavision AG. „Im Verkaufsgespräch bildet ein aufgeklapptes Laptop eine Mauer zwischen Kunde und Verkäufer, die unnötige Distanz aufbaut. Der Einsatz von Tablets ermöglicht nicht nur einen gemeinsamen Blick auf das Display, sondern auch direkten Blickkontakt.“

Ralf Riethmüller, Kumavision

„Always on ist heute leider vielfach mit einer negativen Work-Life-Balance gleichzusetzen. Wenn Mitarbeiter im wahrsten Sinne des Wortes nicht abschalten können, fehlt Zeit zur Erholung“, warnt Ralf Riethmüller von Kumavision.

Herr Riethmüller, welche Unternehmensprozesse müssen Ihrer Ansicht nach heutzutage mobil abgebildet werden können?
Ralf Riethmüller:
Wer Mobilität auf CRM im Vertrieb verkürzt, verschenkt wertvolles Potential. Ob Key Accounter auf Kundenbesuch, Consultants auf der Messe, Geschäftsführer zwischen zwei Terminen auf dem Flughafen, Service-Techniker vor Ort im Einsatz, Lageristen im Außenlager oder Mitarbeiter im Home Office: Mobile Lösungen kennen heute keine Grenzen.

BI, ERP, CRM, DMS & Co.: Welche Lösungen sind demnach in mobiler Variante besonders gefragt?
Riethmüller:
Erfolgreich sind mobile Lösungen immer dann, wenn sie nicht nur Zugriff auf alle relevanten Informationen in Echtzeit ermöglichen, sondern auch integrierte Workflows anstoßen. Zwei Beispiele: Eine mit dem Smartphone fotografierte Hotelrechnung wird automatisch in die Reisekostenabrechnung übernommen und sofort auf das entsprechende Projekt gebucht. Ein Service-Techniker greift vor Ort beim Kunden auf die Konstruktionsdaten einer Maschine zu, fragt per Fingertipp die Verfügbarkeit eines Ersatzteils ab und veranlasst die Lieferung – und dies alles ohne zeitaufwändige Rücksprache mit dem Innendienst.

Welche Prozesse müssen nicht unbedingt mobil abgebildet werden können und warum?
Riethmüller:
Bei klassische Innendienstaufgaben wie etwa Finanzbuchhaltung ist die Nachfrage sehr gering. Aber: Fasst man den Begriff „mobil“ weiter auf, sieht es ganz anders aus. Denn immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, wahlweise im Home Office zu arbeiten. Voraussetzung dafür ist, dass sich alle Unternehmensanwendungen auch unkompliziert über das Internet nutzen lassen.

Was sind generell noch häufige Stolpersteine bei der Einführung mobiler Lösungen im Unternehmen?
Riethmüller:
Wenn die eingesetzte ERP- oder CRM-Lösung keine mobilen Clients für Smartphone, Tablet und Notebook mitbringt, sind gleichermaßen kostenintensive wie zeitaufwändige Sonderlösungen gefragt. Zukunftssicherheit verspricht Business-Software wie Microsoft Dynamics, die konsequent auf mobile Nutzung ausgelegt sind.

Welche mobilen Endgeräte machen hier im Unternehmenseinsatz am meisten Sinn? Wovon ist dies abhängig?
Riethmüller:
Entscheidend ist immer das konkrete Szenario: Im Verkaufsgespräch bildet ein aufgeklapptes Laptop eine Mauer zwischen Kunde und Verkäufer, die unnötige Distanz aufbaut. Der Einsatz von Tablets ermöglicht nicht nur einen gemeinsamen Blick auf das Display, sondern auch direkten Blickkontakt. Generell gilt: Die Akzeptanz mobiler Lösungen ist unserer Erfahrung nach weniger von den eingesetzten Gerätearten abhängig als vom jeweiligen Mehrwert für die Anwender.

Was wird bei den Geräten häufig noch bemängelt?
Riethmüller:
Ob Rugged Device oder Consumer-Gerät: Die Akkulaufzeit ist ein echtes K.o.-Kriterium für den Business-Einsatz. Betrachtet man mobile Geräte unter dem TCO-Aspekt (Total Cost of Ownership), spielt auch die Reparaturfreundlichkeit eine wichtige Rolle.

Was hält das eine oder andere Unternehmen noch davon ab, auf mobile Anwendungen und entsprechende Endgeräte zu vertrauen?
Riethmüller:
Aus strategischen Überlegungen („Welche Ziele wollen wir mit mobilen Prozessen erreichen?“) ergeben sich vielfach Herausforderungen für ein Change Management („Wie sollen zukünftig mobile Prozesse aussehen und wie sollen diese in die vorhandene Umgebung eingebunden werden?“). Die zentrale Verwaltung der mobilen Devices stellt insbesondere bei Smartphones und Tablets, die auch privat genutzt werden, eine weitere Herausforderung für die IT dar. Schließlich wollen private und dienstliche Daten sauber voneinander getrennt sein.

Welche Rolle spielen hier generell die Themen „Datensicherheit“ und „Kontrollverlust“?
Riethmüller:
Datensicherheit ist eine zwingende Grundvoraussetzung für mobile Anwendungen – nicht nur im Business-Bereich. Erstens müssen Daten verschlüsselt übertragen werden. Zweitens muss sichergestellt sein, dass bei Verlust oder Diebstahl Dritte nicht auf im Device gespeicherte Daten bzw. Programme zugreifen können. Drittens muss der IT-Administrator in der Lage sein, ein Device aus der Ferne komplett sperren bzw. zurücksetzen können.

Rund um die Uhr verfügbar sein: Inwieweit kann dies negative Auswirkungen auf einen Mitarbeiter haben? Welche Kompromisse gibt es?
Riethmüller:
„Always on“ ist heute leider vielfach mit einer negativen Work-Life-Balance gleichzusetzen. Wenn Mitarbeiter im wahrsten Sinne des Wortes nicht abschalten können, fehlt Zeit zur Erholung. Gefragt sind daher klare Regeln zur Erreichbarkeit – oder noch besser: ein ausschließlich dienstlich genutztes Smartphone, das auch gerne über das Wochenende in der Schreibtischschublade liegen bleiben darf.

Bildquelle: Kumavision

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