Bob Tinker, MobileIron

Weg vom PC, hin zur Mobile IT

Entscheidend im Mobile Device Management ist die ganzheitliche Betrachtung von Sicherheit, Management und Apps, meint Bob Tinker, der CEO des MDM-Spezialisten MobileIron im Interview.

Bob Tinker, MobileIron

Herr Tinker, wie hat sich der Markt für Mobile Device Management aus ihrer Sicht entwickelt?
Bob Tinker:
Die Technologiebranche kann auf 2011 zurückschauen und feststellen: Dies war das Jahr, in dem die Mobile IT geboren wurde. Unternehmen gehen vom PC auf mobile Geräte. Diese Entwicklung ist so bedeutend wie der Umschwung vom Mainframe zum PC. Die Konsequenz: Es reicht nicht aus, nur an Mobile Device Management zu denken. Innovative CIOs interpretieren Mobile IT als strategische Initiative, bilden Mobile IT-Teams und schaffen Mobile Centers of Excellence. Und die Diensteanbieter und Hersteller stehen zur Unterstützung bereit.

Viele Mobilgeräte stammen aus dem Privatkundenmarkt. Erfordert diese Entwicklung nicht neue Ansätze von den Unternehmen?
Tinker:
Die viel zitierte „Consumerization of IT“ ist nur der Beginn einer durchschlagenden Veränderung: Die Anwender erwarten im Job denselben mobilen Komfort wie auf dem privaten Gerät. Es ist die Aufgabe des CIO, diese Erwartung zu erfüllen. Mobile IT beschränkt sich nicht mehr auf das Motto „One Size Fits All“. Vor zwei Jahren bekamen neue Mitarbeiter in den Firmen ein Notebook und einen Blackberry. Nun lautet die Überlegung: „Ich habe exzellente Fachleute eingestellt. Jetzt müssen sie ihre bevorzugten Werkzeuge erhalten, um maximal produktiv zu sein.“ Und diese Werkzeuge kommen aus der Welt der „Consumer Electronics“. iPhones, iPads, Android-Geräte und mobile Apps ersetzen den PC als primäres Business-Tool.

Wie wird diese Entwicklung Ihrer Meinung nach weitergehen?
Tinker:
Wir sehen bei unseren Kunden eine deutliche Verlagerung der Schwerpunkte. Sie gehen weg von den Geräten und hin zu den Apps. Gerätemanagement und Sicherheit sind als Fundament der Mobile IT weiterhin wichtig, doch Apps verändern die Art und Weise der Arbeitsprozesse. Die Explosion der Apps zündet nun in den Unternehmen, extrem verstärkt durch Tablets. Ich habe noch bei keiner Technologie so viel Begeisterung und Aufregung in den Unternehmen gesehen wie bei Tablets. Und wenn sie erst einmal da sind, folgen die Apps auf dem Fuße.

Aber wie bekommen Unternehmen die enorme Vielfalt in den Griff? Was ist mit „Choose your own Device“, bei dem die Auswahl vorher festgelegt wird?
Tinker:
Solche Programme werden von unseren Kunden speziell für Android-Geräte aufgelegt. Das iPhone und das iPad sind globale Geräte – sie sind in Deutschland genau gleich wie in Japan oder den USA. Bei Android ist das anders. Jeder Gerätehersteller, TK-Anbieter oder sogar Weiterverkäufer kann das System verändern. Dadurch entsteht bei Android-Geräten eine Vielzahl an Varianten. Die IT-Abteilungen müssen diese Varianten wie unterschiedliche Betriebssysteme behandeln. Wenn ein Unternehmen seinen Mitarbeitern den Einsatz von Android-Geräten erlauben will, trifft es oft eine Vorauswahl von Geräten mit der passenden Ausstattung.

Welche Kriterien und Anforderungen sollten die Unternehmen dabei zugrunde legen?
Tinker:
Integration ist die Schlüsselanforderung für sinnvolles MDM – und nicht Infrastruktur. Eine MDM-Plattform berührt viele Enterprise-Systeme, zum Beispiel Messaging via ActiveSync, Benutzer­authentifizierung, Gruppenrichtlinien, Zertifikate, Firewalls und Loadbalancer. Viele Unternehmen benötigen außerdem eine Schnittstelle zum Blackberry Enterprise Server, um die vorhandenen Blackberrys ebenfalls auf der MDM-Plattform zu sehen.

Wie können Unternehmen sich auf diese Anforderungen vorbereiten?
Tinker:
Damit keine Ressourcen verschwendet werden, sollten Unternehmen zunächst genau analysieren, welche Integrationsanforderungen besonders wichtig sind. Dann sollten sie die vorhandene Infrastruktur angemessen vorbereiten und zum Beispiel die Firewalls entsprechend konfigurieren. Der Rollout von Mobilgeräten erfordert eine spartenübergreifende Koordination – und zwar vom ersten Tag an.

Das klingt nach einer komplizierten Aufgabe. Wird sie durch eine Cloud-Lösung leichter?
Tinker:
Von unseren Kunden gehen mehr und mehr kleine oder mittlere Unternehmen in die Cloud – sei es, weil sie keine eigene Infrastruktur aufbauen wollen oder sei es, weil sie via Cloud schneller auf die rasche Innovation bei den Herstellern reagieren wollen. Bei den großen Unternehmen hängt die Entscheidung für oder gegen die Cloud häufig nicht von technischen Fragen ab, sondern von internen Regeln. Bestimmte Unternehmen haben Sicherheitsrichtlinien, die den Einsatz einer Cloud-Lösung ausschließen und die lokale Installation verpflichtend machen.

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok