02.03.2017 IoT-Commerce

Wenn der Mülleimer im IoT das Einkaufen lernt

Von: Ingo Steinhaus

Die (halb-)automatische Nachbestellung von Verbrauchsprodukten könnte eine IoT-Massenanwendung werden.

  • Der smarte Mülleimer schickt alle gescannten Produklte in den Warenkorb

  • Der Amazon Dash-Button bestellt auf Knopfdruck

  • Genican - ein EAN-Scanner an oder rneben dem Mülleimer

Das Einkaufsverhalten der Menschen ist ein beliebtes Thema für Startups und Internetunternehmen. Dabei versprechen sie völlig neuartige, bequeme Services mit unkomplizierter Anlieferung nach Hause. So gibt es eine ganze Reihe von Abo-Diensten, die regelmäßig bestimmte Produkte ins Haus schicken, von der Rasierklinge bis zu Gemüselieferungen.

Diese Services haben allerdings ein Problem: Viele Leute benötigen gar nicht unbedingt regelmäßig bestimmte Mengen eines Produktes. Da ist also mehr Intelligenz in der Dienstleistung gefragt – ein echter Smart Service. So etwas ist eine Spezialität des Internets der Dinge (Internet of Things, IoT): Vernetzte, intelligente Produkte und Services können beispielsweise dabei helfen, nur die wirklich notwendigen Produkte und Mengen zu bestellen.

Ein IoT-Gerät, das so etwas anbietet, ist der Dash-Button von Amazon. Dahinter verbirgt sich ein programmierbarer Knopf mit WLAN-Anbindung, der über das Amazon-Konto ein ganz bestimmtes Produkt nachbestellt. Man kann beispielsweise angeben, dass pro Knopfdruck ein Liter Flüssigwaschmittel nachbestellt wird. Es gibt den Knopf vorkonfiguriert für eine ganze Reihe von Produkten, neben verschiedenen Waschmittelmarken auch Rasierklingen, Shampoo, Druckerpapier, Tierfutter und vieles mehr.

Der Mülleimer bestellt Produkte nach

Wer häufig größere Mengen der jeweiligen Produkte benötigt, wird so einen Bestellknopf sicher gut finden. Er kann wahlweise dort angebracht werden, wo im Haushalt normalerweise das gewünschte Produkt lagert, etwa an der Waschmaschine oder dem Rasierspiegel. Doch nicht alle werden es schick finden, sich den Haushalt mit Bestellknöpfen vollzukleben. Dafür gibt es inzwischen auch ein anderes Konzept, das vor einigen Jahren auf Indiegogo Aufsehen erregte: Der Trash-Scanner Genican, der allerdings erst in Kürze erhältlich sein wird.

Das Prinzip des Geräts ist ganz einfach: Es wird an oder neben dem Mülleimer angebracht und wer etwas wegwirft, hält einfach die Verpackung mit dem EAN-Code vor den Scanner. Damit ist dann eine Nachbestellung des jeweiligen Produktes ausgelöst. Sollte der Code nicht lesbar sein oder das Produkt keinen haben, kann auch mit einem Sprach-Interface bestellt werden.

Allerdings gibt es keine Direktbestellung. Die gescannten Produkte werden entweder in die Einkaufliste einer App eingefügt oder in den Warenkorb eines Amazon-Kontos. Dafür nutzt das Gerät die Dash-Button-Services von Amazon, sodass auch eine Online-Bestellung möglich ist. Wer will, kann Bestellknöpfe und GeniCan kombinieren, um für sich selbst ein möglichst komfortables „Bestellwesen“ zu stricken.

Ein praktisch gleichwertiges, aber vollständig selbst entwickeltes Produkt ist der in diesen Tagen vorgestellte intelligente Mülleimer des Online-Supermarkts All you need Fresh. Er besitzt an der Vorderseite einen Scanner für die Produktcodes. Dabei werden die gescannten Waren direkt in einen Warenkorb in dem Online-Shop eingefügt, aber erst nach Kontrolle bestellt - wie das auch Amazon macht. Das dürfte die Eltern jüngerer Kinder erfreuen…

Der Seifenspender meldet sich, wenn er leer ist

Ob sich Bestellknöpfe und einkaufende Mülleimer tatsächlich in breiter Front durchsetzen können, hängt vom Bequemlichkeitsfaktor ab. Wenn Erfassung und Bestellung der Produkte fehlerfrei funktionieren, könnte ihr tatsächlich eine Massenanwendung für das Internet der Dinge entstehen. Doch das Prinzip des automatischen Nachbestellens ist auch im gewerblichen Bereich sinnvoll. Einige Industriedienstleister bieten so etwas schon: Kleinteileboxen, die bei einem bestimmten Füllstand automatisch Material nachbestellen.

So etwas Ähnliches gibt es jetzt auch für die wartungsintensiven Waschräume in Unternehmen. Für sie hat das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS mit dem Anbieter CWS-boco International eine Lösung entwickelt. Der „CWS Washroom Information Service“ besteht aus smarten Handtuch-, Seifen- und Toilettenpapierspendern, die ihren aktuellen Füllstand an ein Gateway funken, die „Washroom Control Unit (WCU)“. Dieses Gerät wiederum sendet die Daten an den Anbieter und erzeugt daraus eine entsprechende Wartungsplanung für die Reinigungskräfte. Sie wissen nun genau, wo sie nachfüllen müssen und vor allem, wann es wirklich dringend ist.

Auch hier handelt es sich wie bei den Bestellsystemen für Privatleute um eine praktische Komfortfunktion, die zudem noch recht gut auf schwankende Verbräuche reagieren kann. Möglich ist das nur durch die moderne Sensor- und Funktechnologie, die als Kostenfaktor für diese Geräte kaum noch ins Gewicht fällt. Der Milliardenmarkt der Smartphones hat hier den Boden für weitere, smarte Anwendungen von Sensoren bereitet.

Bildquelle: All you need Fresh, Genican, Amazon

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