BlackBerry

Wer sein OS liebt, der verschiebt?

Keine guten Nachrichten vom BlackBerry-Hersteller RIM: 5.000 Leute müssen gehen und das neue OS erscheint erst 2013. Quo Vadis, RIM? Oder eher: Morituri te salutant?

Quo vadis, RIM?

Man stelle sich vor, ein Bet riebssystemhersteller habe kleinlaut verkündet, sein brandneues System müsse bis ins erste Quartal 2013 aufgeschoben werden, weil das Produkt noch nicht komplett sei. Undenkbar? Das würde ohnehin kein Unternehmen machen? Es würde sich statt dessen auf ein Kernsystem konzentrieren und das Produkt später mit kostenlosen Updates rund machen?

BlackBerry-Hersteller Research in Motion (RIM) wählt den Aufschub. Das lange erwartete und bitter nötige neue Betriebssystem "BlackBerry OS 10" sowie die passenden Geräte sollen doch erst 2013 kommen - also Monate nach dem nächsten iPhone, Windows (Phone) 8 und Android 4.1.

Das ist angesichts der Lage des kanadischen Unternehmens ein angekündigter Untergang.

Denn auch andere Neuigkeiten sind - gelinde gesagt - schlecht: Im Vergleich zum vorherigen Quartal sank der Umsatz um ein Drittel (33 %). Das Ganze lässt sich auch in Dollar ausdrücken: Eine halbe Milliarde Verlust. Und als wäre das nicht schon schlimm genug: Der Marktanteil des BlackBerrys hat sich in einem Jahr halbiert.

RIM-CEO Thorsten Heins will zum Ausgleich 5.000 Mitarbeiter rauswerfen, um dem Unternehmen durch Einsparungen von einer Milliarde an Personalkosten etwas Luft zu verschaffen. Das klingt nach einer Katastrophe. Was bedeutet das für BlackBerry und welche Optionen hat der einstige Vorreiter des Business-Smartphones?

Zunächst einmal dürfte sich das Image von RIM nach Innen und Außen vom angeschlagenen Tanker in Richtung Titanic entwickelt haben. Da bald jeder Dritte gehen muss, wird sich in der ersten Reaktion ein Brain Drain entwickeln.

Die Erfahrung sagt, dass in Unternehmen, die Personaleinsparungen verkünden, sofort die eigentlichen Leistungsträger abwandern, da sie in der Regel fix einen neuen Job bekommen. Das dürften bei RIM zum Beispiel Entwickler sein, denn zur Zeit ist nichts und niemand gefragter als ein versierter Entwickler für mobile Systeme.

Und die wären besonders bei RIM selbst sehr gefragt, denn offensichtlich ist das System zu komplex für das bisher damit befasste Entwicklerteam. Der bisherige Zeitplan sei nicht realistisch gewesen, sagte Heins laut Opens external link in new windowSpiegel Online. "Ich werde nicht ein Produkt auf den Markt bringen, das noch nicht bereit ist, die Ansprüche der Kunden zu erfüllen".

Der Aufschub mit der Begründung "Wir bringen nur perfekte Produkte heraus." ist in der Situation von RIM die schlimmstmögliche Option. Eine solche Aussage ist relativ typisch für einen etablierten Konzern, der seine Bestandskunden pflegen muss. Das hätte vor fünf bis sechs Jahren funktioniert, kann aber heute nur schiefgehen.

Welche Möglichkeiten hat RIM also noch? Diskutiert werden eine Zerschlagung, bei der zum Beispiel die Netzwerksparte für andere Smartphones geöffnet wird und die Hardwaresparte verkauft wird. Oder eine Partnerschaft mit Microsoft, die aber dann zu BlackBerrys mit Windows Phone 8 führte.

Thorsten Heins setzt laut Opens external link in new windowReuters auch weiterhin auf RIM als vertikal integrierten Konzern mit Hardware, Software und Netz aus eigener Hand. Die Entwicklung von Microsoft zeigt, dass diese Strategie grundsätzlich richtig ist.

Die Frage ist nur, ob RIM sich nicht längst in einer fatalen Austeritätsspirale befindet: "Wir erlösen weniger und müssen deshalb sparen, weswegen wir noch weniger erlösen und noch mehr sparen müssen." Am Ende der Spirale bleibt dann meist trotzdem nur noch der Verkauf.

Bildquelle: Gerd Altmann / Opens external link in new windowpixelio.de

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