Kartenansicht des Berliner Zoos: OSM- und Google Maps-Karte im Vergleich
Begegneten die digitale Karten den Nutzern noch vor wenigen Jahren vor allem bei der Autonavigation oder vor dem heimischen Rechner, so unterstützt das Smartphone den Menschen heute überall und in jeder Lebenslage. Dominiert wird der Kartenmarkt bislang von einem Oligopol, das mit seinen Angeboten die Basistechnologie für Services mit Location-Bezug liefert: Google mit Google Maps, Tomtom mit Teleatlas und Nokia mit Navteq.
Die großen Smartphone-Player haben das Ziel, ihre eigenen Kartenprodukte bei den Nutzern durchzusetzen. Apple versuchte im September letzten Jahres überhastet, das Thema Location mit einem halbfertigen Kartenprodukt zu besetzen und Google zu verdrängen. Auch wenn Apple mit einer guten Lösung nachziehen dürfte: Man ist anderes gewohnt von dem Konzern und das Beispiel zeigt die Wichtigkeit des Themas. Die digitale Karte für alle Lebenslagen ist ein mächtiger Faktor, um den ein harter Kampf entbrannt ist. Wer sich mit seinem Angebot durchsetzt, dem gehört die Zukunft.
Doch es gibt auch eine konzernunabhängige Alternative: Die OSM ist ein freies Kartenprojekt, das ähnlich wie Wikipedia funktioniert und dessen Mitgliederzahl sich seit 2005 ungefähr alle 14 Monate verdoppelt hat – seit Mitte Januar wurden erstmals über eine Million Mitglieder verzeichnet. Dazu versucht die OSM den kommerziellen Kartenanbietern hinsichtlich Detailreichtum, Dynamik und Aktualität in immer mehr Ländern den Rang abzulaufen. In einer vergleichenden Studie zwischen der OSM und Tele-atlas in Deutschland stellten Pascal Neis, Dennis Zielstra und Prof. Dr. Alexander Zipf von der Universität Heidelberg bereits fest, dass die OSM hinsichtlich der für die Autonavigation notwendigen Daten im Jahr 2011 nur noch neun Prozent hinter dem Konkurrenzprodukt zurücklag. Die OSM würde demnach „Mitte bis Ende 2012 ein vergleichbares Routennetzwerk für Autos bieten wie Tomtom“.
Überholt die OSM die kommerziellen Anbieter mit dem Crowdsourcing-Ansatz? Auch Wikipedia wurde schließlich lange belächelt, bevor es den Brockhaus ablöste. Allen kommerziellen Kartenanbietern gemein ist die Fokussierung auf größtenteils automatisierte Erfassungssysteme für Autostraßen wie die bekannten Google-Street-View-Autos.
Doch Zukunftsthemen wie Wander- und Radkarten, Karten mit Skipisten, barrierefreie Wegekarten oder Indoorkarten zur Orientierung in Einkaufszentren bzw. Bahnhöfen erfordern einen umfangreicheren Erfassungsansatz. Wirtschaftlich scheint das für die etablierten Unternehmen nicht darstellbar – jedenfalls bleiben Google und Co. jenseits der Autostraßen blass und das Engagement verharrt seit Jahren auf niedrigem Niveau. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich bei Navteq seit Jahren stabil etwa 1.000 Mitarbeiter unmittelbar mit Kartographierung befassen. So verwundert es nicht, dass in erwähnter Studie festgestellt wird, dass OSM 2011 in Deutschland „27 Prozent mehr Daten hinsichtlich des Gesamtnetzwerks und der Fußgängerinformationen bietet“ als Tomtoms Kartenprodukt. Solche Zahlen zeigen die Kraft und Dynamik der exponentiell wachsenden OSM-Community.
Das bisherige Problem für die mobile Wirtschaft: Während kommerzielle Anbieter ihren Kartenzugang mit komfortablen APIs ermöglichen, fehlen für OSM noch verlässliche Standards. Das erhöht den Entwicklungsaufwand und erschwert die Planbarkeit von Projekten. Unter dem neuen Label „GeOS“ möchte Skobbler Unternehmen zukünftig mit eigenen APIs den Zugriff erleichtern. Damit sollen Unternehmen Zugriff auf Kartentechnologien erhalten, die bereits weltweit bei über drei Millionen Endkunden im Einsatz sind. Aktuell läuft GeOS noch im Rahmen einer geschlossenen Beta-Phase, an der Unternehmen auf Anfrage teilnehmen können.
Tatsächlich ist die Bearbeitung der OSM mittels Webeditoren noch nicht intuitiv, so dass sich bislang vor allem computeraffine Spezialisten und Geo-Enthusiasten beteiligen. Mehr und mehr wird es Interessierten jedoch möglich, sich durch die Benutzung von Smartphones oder Tablets an der Weiterentwicklung der OSM zu beteiligen. Damit fallen die technischen Hemmnisse, die bislang für über 90 Prozent der Bevölkerung eine zu hohe Hürde bei der „Mitmach-Karte“ darstellten. Was das für die Qualität der OSM bedeuten kann, mag sich jeder selbst ausmalen. Andererseits: Vielleicht entwickeln die kommerziellen Kartenanbieter in Zukunft eigene Crowd-basierte Ansätze zur Kartenentwicklung. Es bleibt also spannend bei der Frage, wer die digitale Karte von morgen stellt.
Beispiel:
Berliner Zoo
Bei Zoos, wie dem oben abgebildeten Berliner Zoo, enden die Karten kommerzieller Anbieter für gewöhnlich am Eingang – in den Parks selbst werden nur wenige Wege angezeigt. Im Vergleich zeigt sich, dass die OSM die Navigation von „Gehege zu Gehege“ ermöglichen kann. Auch außerhalb des Zoos wirkt die OSM detailgetreuer – bei der zusätzlichen Möglichkeit der Satellitenansicht punktet im direkten Vergleich Google Maps.
Bildquelle: Thinkstock/ iStockphoto; OpenStreetMap-Mitwirkende