Drohnen in der Logistik

Wie sicher sind Transportdrohnen?

Für Transportdrohnen in der Logistik gilt laut Frank Wernecke von Dronemasters: Je geringer die Steuerungsmöglichkeiten von außen, desto stärker die Widerstandsfähigkeit gegen äußere Angriffe.

Frank Wernecke, Dronemasters

Frank Wernecke, Gründer und CEO von Dronemasters

Herr Wernecke, welche Bedeutung spielen sogenannte Transportdrohnen für die Zukunft von branchenspezifischen Prozesse von Brief- und Paketzustelldiensten?
Frank Wernecke:
Der Transport von Gütern aller Art wird mit Drohnen immer einfacher, schneller und billiger. Transportdrohnen erlauben eine Entkopplung von Infrastruktur und Logistik, deren Konsequenzen wir derzeit nur erahnen können. Letztlich werden in vielen Fällen Straßen und Schienen nicht mehr notwendig sein.

Welche erfolgreichen Projekte hinsichtlich des Drohneneinsatzes in diesem Umfeld sind Ihnen bereits bekannt?
Wernecke:
In Deutschland testet DHL, aus den USA kennen wir Projekte von UPS, Google und Amazon. Maersk hat mit einer Drohne den Paketdienst zur See getestet. Letztlich experimentiert derzeit weltweit jedes namhafte Logistikunternehmen mit dem Einsatz von Drohnen. Richtig interessant wird der Einsatz von Drohnen aber erst, wenn diese vollautomatisch und intermodal mit anderen Verkehrsträgern agieren. DHL hat das mit dem Paketkopter 3.0 derzeit am konsequentesten durchexerziert.

Worin liegen Ihrer Ansicht nach die größten Probleme für die Nutzung von Drohnen im Zustellbetrieb?
Wernecke:
Aktuell liegen die größten Herausforderungen in der staatlichen Regulierung. Die Technologie eilt dem gesellschaftlichen Wandel in rasendem Tempo voraus.

Was sind hierzulande die wichtigsten Auflagen, die man für eine gewerbliche Nutzung von Drohnen erfüllen muss?
Wernecke:
Heute sind Aufstiegsgenehmigungen einzuholen, deren Bearbeitungsgeschwindigkeit und Komplexität von Bundesland zu Bundesland variieren. Bis zum Jahresende hat das Bundesverkehrsministerium eine Neuregelung avisiert, die mit Spannung erwartet und bereits hitzig diskutiert wird.

Wo liegen derzeit (noch) die Grenzen hinsichtlich Gewicht, Entfernung, Akkulaufzeit etc. der Fluggeräte?
Wernecke:
Die Reichweite und die Gewichtsgrenzen werden kontinuierlich erhöht. Technisch ist es eine Frage immer kürzerer Intervalle, bis die gerade aktuelle Marke überholt ist.

Inwieweit ist die autonome Steuerung von Transportdrohnen im flächendeckenden Flugbetrieb überhaupt möglich?
Wernecke:
Hier lohnt sich ein Blick auf die Straße: Die Automatisierung des Fahrens zeigt, dass es sehr sinnvoll ist, autonome Vehikel in die Lage zu versetzen, unabhängig agieren zu können. Eine zentrale Steuerung bedeutet immer auch einen „Single Point of Failure“. Bei Netzausfall müssen sich autonome Drohnen und Fahrzeuge aller Art selbstständig fortbewegen oder in eine Ruheposition bringen können.

Vereinfacht gesagt stehen sich zwei Regime gegenüber: entweder findet die Kontrolle zentralisiert statt, dafür müssen alle Systeme eindeutig identifiziert werden und die einzelnen Flüge werden kontrolliert, oder die Systeme interagieren miteinander nach definierten Regeln. Für beide Ansätze werden die Systeme, ob automatisiert oder nicht und aktiven bzw. passiven Identifikationssystemen ausgestattet, die miteinander oder mit einer Zentralstelle Daten austauschen und die Zusammenarbeit koordinieren.

Wie lassen sich Transportdrohnen oder ähnliche Fluggeräte vor anderen Drohnen bzw. Hacker-Angriffen schützen?
Wernecke:
Je geringer die Steuerungsmöglichkeiten von außen, desto stärker ist die Widerstandsfähigkeit gegen Angriffe von außen. Auch hier können Drohnenhersteller von Automobilunternehmen lernen.

Welche Auswirkungen hätte ein flächendeckender Einsatz von Transportdrohnen auf Natur und Umwelt?
Wernecke:
Hier eine Bilanz zu ziehen, wird sicherlich spannend, ist aber heute einfach noch gar nicht möglich. Elektrische Antriebsformen sowie die Reduzierung von Flächenverbrauch dürfte ganz klar auf der Habenseite der Klimabilanz von Transportdrohnen stehen. Die Geräuschentwicklung beim Starten und Landen sowie beim Flug in niedrigen Höhen wird sicher Anlass für Diskussionen bieten.

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