08.03.2017 Multisensorische Erlebnisse

Wie VR die Realität nachempfindet

Von: Lea Sommerhäuser

„Mit VR tauchen wir in eine Welt ein, die der Realität nachempfunden werden soll“, erklärt Sascha Lekic, Director IM B2B bei der Samsung Electronics GmbH. „Je mehr Sinne mit der Technologie angesprochen werden, desto echter fühlt sich das Erlebnis für uns an.“ Deshalb seien multisensorische Erlebnisse ein großes Thema in 2017.

Sascha Lekic, Samsung

„Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viel Potential in Virtual Reality steckt und wie viele Einsatzmöglichkeiten es gibt“, meint Sascha Lekic von Samsung.

Herr Lekic, welchen Stellenwert hatte Virtual Reality (VR), ganz allgemein betrachtet, im vergangenen Jahr? Ist VR beim Endnutzer angekommen?
Sascha Lekic:
Wir können schon jetzt festhalten, dass VR für uns nach zwei Jahren erfolgreicher ist, als es 3D und Blu-ray jemals waren. Allein in Deutschland haben wir bisher 200.000 Gear VR verkauft. In Europa waren es 2016 insgesamt 500.000 und weltweit fünf Millionen. Anwender weltweit haben insgesamt etwa zehn Millionen Stunden lang VR-Videos angeschaut.

VR war schon 2016 ein globaler Wachstumsmarkt. Bis 2025 sollen die Umsätze auf weltweit 80 Mrd. Dollar steigen. Laut einer Umfrage kann sich fast jeder dritte Deutsche vorstellen, eine VR-Brille zu nutzen, und weit mehr als die Hälfte aller Befragten hat schon von VR gehört oder gelesen. Deshalb sind wir überzeugt, dass die Technologie schnell weiteren Zuspruch bei den Anwendern finden wird.

Was glauben Sie, wird VR im Jahr 2017 bieten können?
Lekic:
In diesem Jahr wird Virtual Reality verstärkt durch multisensorische Erfahrungen bereichert werden. Intelligente, tragbare Sensoren werden bald all unsere Sinne ansprechen und so das VR-Erleben auf ein neues Level heben. Geschmacks-, Geruchs- und Tastsinn werden die Immersion verstärken – gerade für die Entertainment- oder Freizeitindustrie kann dies neue Möglichkeiten der Kundenansprache bieten.

DER Touristik und wir haben auf der IFA 2016 bereits vorgestellt, wie dies aussehen kann. Im DER Concept Store in Berlin, dem Testfeld des Unternehmens für die Zukunft des Reisevertriebs, können Kunden ein multisensorisches VR-Reiseerlebnis erfahren: Mit unserer VR-Brille reisen sie in 80 Sekunden um die Welt. Dabei spüren oder riechen die Teilnehmer u.a. die Kälte Islands, die Hitze der Sahara und die exotischen Gerüche auf einem Markt in Südkorea. Dies macht die virtuelle Reise zu einem spektakulären Erlebnis der vierten Dimension.

Ein weiterer Trend für 2017 sind sogenannte „Mixed Reality“-Erlebnisse. Sie kombinieren Virtual Reality und Augmented Reality (AR) wie bei „Pokemon Go“. Gerade im Business-Umfeld können Unternehmen ihren Kunden so noch interaktivere Produkterfahrungen bieten und sie darüber hinaus emotionaler ansprechen. Ein visionärer Showcase wurde dazu auf der CES in Las Vegas vorgestellt. Gezeigt wurde, wie Windschutzscheiben von Autos zukünftig mit AR und VR ausgestattet werden könnten. Damit würden Verbraucher beispielsweise Hologramme von ihrer Route angezeigt bekommen und im autonomen Fahrmodus sogar Mixed Reality erleben können.

Entertainment vs. Business: Wo sehen Sie die Haupteinsatzgebiete der VR-Technik? Können Sie konkrete Anwendungsbeispiele nennen?
Lekic:
Die VR-Technologie findet in beiden Bereichen vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Im Bereich Entertainment können die Konsumenten sie nutzen, um an einen anderen Ort zu gelangen oder Momente festzuhalten und diese später noch einmal zu erleben. Beispiele hierfür sind Reisen, Hochzeitsfeiern, Partys oder Konzerte. Inhalte können z.B. mit der Gear 360 selbst erstellt werden, was einen leichten und spielerischen Kontakt mit der neuen Technologie ermöglicht. Generell erwarten wir eine intensive Nutzung von VR-Brillen im Familienkontext. 87 Prozent der Kunden können sich bereits jetzt vorstellen, die Technologie überwiegend im Wohnzimmer zu nutzen.

Auch im Business-Umfeld hat Virtual Reality ein enormes Potential. Die Einsatzmöglichkeiten sind dabei vielfältig und reichen von der Hotelbesichtigung aus dem heimischen Reisebüro heraus, über virtuelle Probefahrten und 360-Grad-Demos vom neu konfigurierten Fahrzeug bis hin zur virtuellen Besichtigung einer Immobilie.

Ein gutes Beispiel für die Schlagkraft von VR im Business-Umfeld ist der Bereich „Marketing & Sales“. VR bietet nicht nur neue Lösungen für den POS und kann den Vertrieb in Verkaufsgesprächen unterstützen. Längst schon hat sich immersives Marketing zu einem wichtigen Trend in der Werbebranche entwickelt: Dreidimensionale Marken-, Produkt- und Innovationswelten können über VR für Kunden unmittelbar erlebbar gemacht werden. Sie ermöglichen neue Formen des Storytellings und schaffen durch realitätsnahe Eindrücke eine besondere Emotionalität und Intensität des Erlebens – der Kunde wird unmittelbar in das Geschehen einbezogen.

Aber auch im Industrieumfeld bietet die VR-Technologie zahlreiche Anwendungsszenarien – sie ermöglicht beispielsweise Ingenieuren und Designern realitätsnahe Simulationen und erleichtert die standortübergreifende Zusammenarbeit von Entwicklungsteams.

Was benötigt man, um vom VR-Nutzer zum -Macher zu werden, der eigene Virtual-Reality-Videos kreiert? Was sind die Anforderungen?
Lekic:
Mit unserer Technologie kann jeder vom Konsument zum Produzenten werden. Das liegt u.a. am aufeinander abgestimmten VR-Ökosystem, das in der aktuellen Generation aus dem Smartphone Galaxy S7, der Virtual-Reality-Brille Gear VR und der 360-Grad-Kamera Gear 360 besteht. Mit der Kamera haben wir das Drehen und Fotografieren von 360-Grad-Inhalten für jeden möglich gemacht. Nutzer können selbst Panoramen erstellen oder 360-Grad-Filme drehen. Die Inhalte lassen sich später über die VR-Brille oder auf vorhandenen PCs, Smartphones oder Tablets ansehen und teilen. Weitere Inhalte für die Brille sind auf den wichtigsten Web-Plattformen konsumierbar. Facebook und Google haben sich mittlerweile strategisch auf Virtual Reality ausgerichtet.

Bei Virtual Reality ist stets vom Bildmaterial und dessen Qualität die Rede. Doch welche Rolle kommt dem Sound in VR-Filmen zu?
Lekic:
Mit VR tauchen wir in eine Welt ein, die der Realität nachempfunden werden soll. Je mehr Sinne mit der Technologie angesprochen werden, desto echter fühlt sich das Erlebnis für uns an. Deshalb sind multisensorische Erlebnisse ein großes Thema in 2017. Intelligente, tragbare Sensoren werden perspektivisch alle unsere Sinne ansprechen. Neben dem Hör- und Sehsinn werden der Geschmacks-, Geruchs- und Tastsinn die Immersion verstärken und noch spannendere Erlebnisse bieten.

Was sollte man beim Kauf entsprechender VR-Hardware beachten?
Lekic:
Ein entscheidender Faktor ist meines Erachtens ein aufeinander abgestimmtes VR-Ökosystem, das dem Verbraucher eine intuitive Nutzung ermöglicht. Ein weiteres Kriterium stellt die Mobilität der Geräte dar. Um faszinierende VR-Erlebnisse kreieren zu können, ist es eine Grundvoraussetzung, dass die Technologie überall mitgenommen werden kann. Ein kompaktes Design ist daher aus meiner Sicht ein absolutes Muss. Und natürlich spielt auch der Preis beim Kauf eine Rolle. Um hochwertige VR-Technologie zu erwerben, muss man nicht tief in die Tasche greifen.

Was ist ihr bisheriges persönliches VR-Highlight?
Lekic:
Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viel Potential in Virtual Reality steckt und wie viele Einsatzmöglichkeiten es gibt. Zu meinen persönlichen Favoriten zählt die Möglichkeit, Live-Events wie Konzerte hautnah miterleben zu können, obwohl man selbst nicht vor Ort ist. Mithilfe von VR können Events damit für einen erweiterten Kundenkreis zugänglich gemacht werden. Dies wird übrigens nicht nur in der Entertainment-Branche genutzt, sondern beispielsweise auch als Marketing-Tool eingesetzt. So z.B. im Fashion-Bereich: Mit VR-Live-Streams der Fashion Weeks sitzen auch Kunden im Flagship-Store in der begehrten ersten Reihe.

Bildquelle: Samsung

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