Smartphone vs. Navi

Wie wird künftig navigiert?

Smartphones können mit entsprechender App auch als Navis genutzt werden. Ein Problem für die Hersteller herkömmlicher Navigationsgeräte?

Verdrängen Smartphones und Apps traditionelle Navigationsgeräte?

Anfangs ging es bei Navigationsgeräten noch darum, irgendwie von A nach B zu kommen. Heute und in Zukunft wollen die Anwender möglichst ökonomisch ans Ziel gelangen – und das zugleich sicher und flexibel. „Die Vernetzung von Geräten und Fahrzeugen spielt dabei eine Schlüsselrolle“, betont Tom Henkel, PR Manager DACH bei Tomtom. Die Anforderungen an die Navigationssysteme seien allerdings von Branche zu Branche verschieden. Grundsätzlich lasse sich festhalten, „dass die Lösungen (auch) für Geschäftskunden einfach zu bedienen sein müssen, damit sie von den Mitarbeitern akzeptiert werden.“ Zudem werde Zuverlässigkeit großgeschrieben und die sogenannte Estimated Time of Arrival sei beliebt. Denn die voraussichtliche Ankunftszeit hilft bei der Terminplanung und ermöglicht es, Gesprächspartner über etwaige Verspätungen frühzeitig in Kenntnis zu setzen. „Gerade Geschäftsreisende sind auf aktuelles Kartenmaterial, verlässliche Staumeldungen und die zügige Berechnung zur Stauumfahrung angewiesen“, ergänzt Wolfgang Stock, Geschäftsführer der Baros GmbH, dem Entwickler und Vertreiber der Marken Blaupunkt und A-Rival. Zur guten Ablesbarkeit der Informationen empfiehlt er Displays ab 5 Zoll. Unabdingbar sei auch eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung zur Verbindung mit dem Mobiltelefon des Fahrers.

Apropos Mobiltelefon: Mittlerweile nutzen viele Geschäftsreisende ihr Smartphone als Navigationssystem, indem sie es in eine entsprechende Halterung im Wagen klemmen und die auf dem Mobilgerät installierte Navi-App aufrufen. Ein Problem für die Hersteller herkömmlicher Navigationslösungen? Wie gehen sie mit dieser „Konkurrenz“ um? „Mobile Navigations-Apps sind kein neues Phänomen, sondern seit nunmehr rund fünf Jahren auf dem Markt und inzwischen von kaum einem Smartphone wegzudenken“, bemerkt Berna Celik-Rymdzionek, Produktmanagerin bei Garmin Deutschland. „Während der PND-Markt (Personal Navigation Device) lange Zeit stark rückläufig war, haben wir im vergangenen Jahr zum Teil sogar wieder leichte Zuwächse beobachtet.“ Auch Wolfgang Stock schätzt den Absatz portabler Navigationsgeräte eher positiv ein: „Für dieses Jahr ist ein stabiler Markt zu erwarten, weil wir uns mit einer Reihe von Alleinstellungsmerkmalen von Smartphone-Apps abgrenzen können.“

Auf die Nutzung kommt es an...

Doch wo genau liegen die Vorteile von traditionellen Navis im Vergleich zu entsprechenden mobilen Applikationen? Für Vielfahrer ist es beispielsweise praktisch, wenn das PND mit seinem übersichtlichen Display stets einsatzbereit an der Windschutzscheibe befestigt ist. Zudem könne es als Teil einer Flottenlösung eingebunden werden, meint Berna Celik-Rymdzionek. „Desweiteren beinhalten die mobilen Navigationsgeräte eine TMC-Funktion (Traffic Message Channel), die deutliche Vorteile gegenüber Smartphone-Apps bietet“, fügt Wolfgang Stock an. „Diese Funktion ist heute ein Muss für jede Navigation.“ Darüber hinaus sind portable Navigationsgeräte dafür ausgelegt, auch in lauteren Fahrzeugumgebungen noch verständliche Fahransagen zu geben. Der Lautsprecher eines Smartphones ist laut Tom Henkel für die Geräuschkulisse in einem Fahrzeug oft zu leise. Nicht zuletzt soll die Nutzung einer Smartphone-App stets mit Gebühren verbunden sein.

Letztlich hängt es vom Nutzungsverhalten ab, welche Lösung am sinnvollsten ist. Gelegenheitsnutzer greifen gerne zu App-Lösungen auf dem Mobilgerät. Das Smartphone hat man i.d.R. immer in der Tasche dabei und kann es daher auch für die spontane Navigation zu Fuß einsetzen, etwa um die letzten Meter vom Parkplatz zum Zielort oder zurück zu finden. „Wer aber regelmäßig auf eine ausgereifte, komfortable und sichere Navigationslösung angewiesen ist, greift bevorzugt zu einer Standalone-Variante“, so Henkel, „entweder in Form einer tragbaren Navigationslösung oder eines Festeinbaus im Auto.“ Das Kartenmaterial wird hierbei regelmäßig und oftmals lebenslang – ohne Zusatzkosten – aktualisiert, indem beispielsweise neue Kreisverkehre, Streckenführungsabschnitte und POIs ergänzt werden.

Nicht zuletzt ist der eine oder andere PND-Hersteller mittlerweile selbst auf den App-Zug aufgesprungen und bietet zusätzlich zu seinen Hardwarelösungen auch eigene Navi-Applikationen, Karten, Dienste und verschiedene Inhalte für die Navigation via Smartphone an. So machen sie sich die Entwicklungen auf dem Smartphone-Markt einfach zunutze, anstatt sie als Problem
zu sehen.



Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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