Bernhard Stölzle, Geschäftsführer bei Sims Lifecycle Services
Herr Stölzle, inwieweit werden mobile Endgeräte nach Ablauf ihrer Lebensdauer von den Herstellern wieder zurückgenommen?
Bernhard Stölzle: Alle Hersteller von Elektronikgeräten müssen die Geräte über die Fachhändler wieder zurücknehmen. Dabei werden die Geräte aber lediglich entsorgt und die Materialien dem Rohstoffkreislauf zugeführt. Eine Aufbereitung für die Weiterverwendung oder eine nachhaltige Löschung der darauf gespeicherten Daten findet nicht statt.
Inwieweit könnten existierende EU-Richtlinien zu Elektroschrott wie RoHS oder WEEE künftig auch für mobile Endgeräte greifen?
Stölzle: Da es sich um Elektroaltgeräte handelt, gelten die Regeln bereits uneingeschränkt.
Welche Quoten erreichen Sie bei der Wiedervermarktung mobiler Endgeräte?
Stölzle: Im Bereich von Smartphones und Tablets liegen wir bei Geräten mit einem Alter bis zu drei Jahren bei 80 Prozent. Ältere Geräte sowie normale Mobiltelefone sind für einen Wiederverkauf eher uninteressant.
Wer sind die häufigsten Abnehmer gebrauchter Smartphones und Tablets?
Stölzle: Gebrauchte Geräte gehen über unsere eigenen Webshops überwiegend in den B2C-Channel oder aber an andere Händler, die an Endkunden verkaufen. Geräte mit Defekten und Fehlern werden als Ersatzteilquelle genutzt oder aber an Repair-Center verkauft. Dort werden die Geräte als Ganzes genutzt oder aber einzelne Teile entnommen, um diese weiter zu verwenden.
Wie können die ehemaligen Besitzer sichergehen, dass vor einer Wiedervermarktung eventuell noch vorhandene Daten unwiederbringlich gelöscht worden sind?
Stölzle: Die Sims Lifecycle Services GmbH verfügt über langjähriges Wissen im Bereich der Datenlöschung. Alle Prozesse entsprechen den höchsten Standards. Die Daten werden nur mit anerkannter Software gelöscht, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zugelassen ist. Geräte, deren Inhalte nicht löschbar sind werden zerlegt und es werden nur die Teile weiterverwertet die keine Daten enthalten.
Falls keine Wiedervermarktung möglich ist: Wie viele Komponenten von Smartphones und Tablets lassen sich in der Regel recyceln?
Stölzle: Es lassen sich nahezu alle funktionsfähigen Teile wiederverwenden. Bei Batterien ist natürlich die Laufzeit zu berücksichtigen. Darüber hinaus gibt es Teile, auf denen Daten gespeichert sind. Sind diese nicht löschbar, werden sie entsprechend entsorgt.
Wie viele Komponenten müssen nach Ablauf der Lebensdauer endgültig entsorgt werden? Und wie umweltschädlich kann dies sein?
Stölzle: Bei neueren Geräten kommen wir auf eine relativ niedrige Entsorgungsquote, da wir durch unsere Technik beispielsweise auch Displays wieder aufarbeiten können. Müssen Displays entsorgt werden, verfügen wir über eigene Anlagen die diese vernichten und umweltfreundlich zerlegen.
Was schätzen Sie, wie viel allein die Hardware eines handelsüblichen Smartphones inklusive sämtlicher Rohstoffe Wert ist?
Stölzle: Natürlich haben die Geräte häufig einen hohen Verkaufserlös durch die Hersteller. Wenn man nur die Teile verkauft kann man höhere Erlöse erzielen als mit dem Gerät an sich. Der reine Rohstoffwert der Geräte wird aber durch Optimierungen der Rohstoffverwendung abnehmen. So lag der Rohstoffwert eines Smartphones vor fünf Jahren bei etwa sechs Euro – heute sprechen wir über ca. 1,50 Euro.