08.06.2016 Pilot sucht Mitflieger

Wingly: Reisen per Mitflugzentrale

Von: Kathrin Zieblo

Mit einem neuen Angebot geht das Start-up Wingly an den Markt: Piloten bieten freie Sitzplätze in Privatflugzeugen an.

Gründerteam Wingly

Das Gründerteam von Wingly: Bertrand Joan-Cornu, Lars Klein und Emire de Waziers

In Deutschland gibt es knapp 40.000 Privatpiloten, die jedes Jahr eine Mindestanzahl an Flugstunden absolvieren müssen, um ihre Lizenz nicht zu verlieren. Doch solche Flüge sind teuer, vor allem dann, wenn sonst niemand in der Maschine sitzt. Diese Lücke möchte Wingly schließen und vermittelt freie Sitzplätze in Privatflugzeugen.

Im Juli 2015 gründete Lars Klein zusammen mit den Franzosen Bertrand Joan-Cornu und Emire de Waziers das Unternehmen. Finanziert wurde aus den eigenen Rücklagen und der Unterstützung des Inkubator Agoranov Paris.
Erst kürzlich gewann Wingly den Innovationspreis der Deutschen Luftfahrt auf der diesjährigen ILA in Berlin.

Zeit und Geld sparen

Die Vorteile der Mitflugzentrale liegen auf der Hand: Gerade kleinere Städte, ohne direkte Nähe zu einem Flughafen, sind oft nur mit einer langen Anreise zu erreichen. Kleine ein- oder zweimotorige Flugzeuge als Transportmittel zu nutzen, bietet sich also an, zumal selbst Kleinstädte über entsprechende Flugplätze verfügen. Auf diese Weise lässt sich schneller und mitunter kostengünstiger reisen, zudem lassen sich die Flugzeiten flexibler absprechen. Abgesehen von reinen Transportflüge, werden auch Rundflüge beispielsweise über Großstädte angeboten.

Rechtliche Aspekte

Das Luftfahrtbundesamt hat Anfang dieses Jahres der Mitnahmen von Passagieren zum Selbstkostenpreis zugestimmt. Das bedeutet: Aus den Mitfliegern darf kein Profit geschlagen werden. Lediglich die direkten Kosten – etwa die Landegebühr – können auf bis zu sechs Personen umgelegt werden. 

Um die Sicherheit zu garantieren verlangt, das Start-up von den Piloten, dass sie ihre Lizenzen, Fluglogs sowie Flugstunden offenlegen. Gleichzeitig sollen Kundenbewertungen für Transparenz und Vertrauen sorgen. Zudem sind alle Flüge über die Versicherung des Flugvereins oder des Piloten abgedeckt. Trotzdem arbeite man an einer eigenen Lösung.

Um diese und andere Erweiterungen im Angebot zu realisieren, hat das Jungunternehmen jüngst eine erfolgreich abgeschlossene Finanzierungsrunde bekanntgegeben. Denn mit der Vermittlung der Sitzplätze wird kein Geld eingenommen. Die Einführung einer Gebühr ist allerdings für die Zukunft geplant.

Mit dem neuen Kapital soll der deutsch-französische Markt weiter erschlossen werden und mit Blick auf die kommenden Jahre sollen auch die Benelux-Länder sowie die Schweiz in Angriff genommen werden, so die Gründer.


Bildquelle: Wingly

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