Vorsprung durch Technik dieser Art war einmal
Deutschland steigt wieder auf. Wahnsinn: Ganze zwei deutsche Unternehmen stehen in der Liste "50 Disruptive Companies 2013". Das ist eine Steigerung um 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jetzt ist es amtlich, vom MIT bestätigt. Wir sind wieder wer, äh, immer noch.
So, jetzt erst mal Luft holen. Und dann die Erkenntnis zulassen: Nein, sind wir nicht. Die Schweizer und die Niederländer, die sind wer. Die beiden doch recht kleinen Länder haben ebenfalls je zwei Unternehmen in dieser Liste. Das ist auch kein Wunder, denn in einem Vergleich der Innovationseffizienz landen die Schweizer und die Niederländer ebenfalls vorne, wir dagegen verfehlen hinter Sri Lanka knapp die Top 10.
In diesem "Global Innovation Index" wurde erfasst, in welchen Ländern sich Innovationen besonders gut durchsetzen, auch angesichts einer nicht immer optimalen Wirtschaftsstruktur. Die beiden ersten Plätze gehen dabei an China und Indien: Die Investitionen dieser Länder in innovative Ideen haben einen besonders hohen Ertrag.
Beim ersten Index aus dem Jahre 2007 sah das noch ein wenig anders aus: Deutschland lag auf Platz 2. Allerdings sind die Zahlen damals etwas anders ermittelt und ausgewertet worden als heute, ein Vergleich ist also nur schwer möglich. Trotzdem wird deutlich, das Deutschland nicht mehr zur Spitzengruppe der Innovatoren gehört.
Besonders auffällig ist der Vergleich der Rangstufen nach Aufwand (Politik, Wirtschaft, Bildung, Forschung) und Ertrag (Wissen, Technologie und Kreativität). Beim Input schlägt sich Deutschland noch einigermaßen und erreicht einen mauen siebten Platz hinter Schweiz, Schweden, Finnland und anderen.
Beim Output wird es dann arg: Platz 23 für Deutschland und es geht nicht um ein Eurotrash-Liedchen auf dem ESC. Insgesamt reicht das für den nicht gerade super wirkenden 15. Rang weltweit. Mögliche Ursachen finden sich in den detaillierten Zahlen, denn einige Indikatoren verweisen auf deutliche Probleme.
So sind wir beim Gründen (Indikator "New businesses/th pop. 15-64") nur auf Rang 57, es wird nicht ausreichend investiert (Indikator "Gross capital formation, % GDP") und ausländische Investoren sind schon gar nicht erwünscht (Indikator "FDI net inflows, % GDP"). Das macht aber nichts, denn es ist sowieso viel zu schwierig, ein Unternehmen zu starten (Indikator "Ease of starting a business").
In anderen Bereichen sind wir aber durchaus zu Spitzenleistungen in der Lage: Bei der klassischen Infrastruktur (Indikator "Quality of trade & transport infrastructure") stehen wir naturgemäß ganz oben auf dem Siegertreppchen. Dazu passt, dass Audi mit dem selbstfahrenden Auto in die Liste der 50 "Disruptoren" gerutscht ist.
Leider geschieht die Mehrheit der revolutionären Innovationen in den Bereichen “Computing & Communications” und “Internet & Digital Media”. Hier hat Deutschland wenig vorzuweisen außer SAP. Das Bild bestimmen Versäumnisse wie der stockende Breitbandausbau. Tolle Autos, tolle Autobahnen - das dürfte in Zukunft nicht mehr ausreichen.
Bildquelle: Audi