Wer häufig längere Strecken im Auto fährt, der steht oft im Stau. Fast 350.000 Staus gab es im Jahr 2016, wie der ADAC meldete. Sie hatten eine Gesamtlänge von knapp 806.000 Kilometern. Enorm ist auch die Zeitvernichtung: 224.000 Stunden fehlen den Autofahrern jetzt in ihrem Leben. Und das sind nur die Autobahnen. Insgesamt gab es 694.000 Staus mit über 1,3 Millionen Kilometer Länge.
Das Problem: Es gibt immer mehr Baustellen und Engpässe, etwa durch marode Brücken, die nicht mehr mit voller Geschwindigkeit und nur noch von Pkw befahren werden können. Bekannt ist die Leverkusener Rheinbrücke, die für Folgestaus durch ausweichende LKWs sorgt, die jetzt nur noch wenige Möglichkeiten zur Rheinüberquerung haben. Entsprechend bunt sieht die Stauprognose für die nächsten Monate aus: Der ADAC-Staukalender ist fast zur Hälfte in Warntönen gehalten.
Das führt zu einem Boom bei Staumelde-Apps. Wer unbedingt auf die Straße muss, will wenigstens den schlimmsten Zusammenballungen von stehendem Blech ausweichen. Es gibt dafür auf dem App-Markt eine Reihe von unterschiedlichen Philosophien. Die bekannte Android-App Stau mobil zeigt die Staus in Listenform an und nutzt dafür die Informationen des ADAC. Die sind allerdings bekannt zuverlässig und basieren auf offiziellen Meldungen etwa der Verkehrspolizei sowie Erhebungen durch die bundesweit verbreiteten ADAC-Pannenhelfer.
Wer mehr Informationen will, kann Google Maps benutzen. Denn diese App bietet Stauinfos in Echtzeit. Der Verkehrsfluss wird farbig auf dem Kartenbild angezeigt. Rot heißt Stau, gelb dichter Verkehr und grün freie Fahrt. Die Staumeldungen werden in der App alle zehn Minuten aktualisiert. Interessant ist die Herkunft der Daten: Sie stammen von Android-Benutzern, die ihr Smartphone für die Weitergabe von Positionsdaten freigegeben haben.
Google „matcht“ die Positionsdaten mit seinem Kartenmaterial und stellt über die Aktualisierungen fest, mit welcher Geschwindigkeit sich die ermittelte Position auf der jeweiligen Straße bewegt. Die anonym ermittelten Daten werden aggregierte und ab einer bestimmten Dichte in Google Maps dargestellt. Inzwischen funktioniert das in den Räumen um die Ballungszentren ganz hervorragend und auch auf dem Land ist diese Funktion oft hilfreich.
Ein etwas anderes Konzept verfolgt die Navi-App Here WeGo (iOS, Android). Sie hilft bei der Offline-Navigation und verfügt über präzises Kartenmaterial. Aktuelle Verkehrsinfos, die in die Karte eingeblendet werden, gibt es hier ebenfalls. Here WeGo kombiniert dabei herkömmliche Staumeldungen mit Live-Verkehrsdaten. Dafür ist allerdings eine permanente Internetverbindung notwendig. Here plant allerdings bereits weiter, um die Echtzeitdaten zu präzisieren. Dabei sollen in Zukunft Autos der Hersteller Audi, BMW und Daimler Daten über die Verkehrslage in den Here-Cloudservice „Open Location“ übertragen.
Dabei werden nicht nur die reinen Bewegungsdaten erfasst. Moderne Fahrzeuge sammeln mit ihren Sensoren viele Daten, beispielsweise über Straßenverhältnisse, Wetter oder Kamerabilder von Verkehrsschildern, Baustellen und Staus. Sie sollen anonymisiert auf der Cloudplattform verarbeitet werden und dann als Verkehrsinfos an die Navigationssysteme der beteiligten Hersteller ausgegeben werden. Unter anderem können so Staus, Gefahrenstellen oder sogar Parkmöglichkeiten an die Fahrzeuge gemeldet werden. Bei diesem Service, der in Grundzügen bereits verfügbar ist, handelt es sich um eine Dienstleistung, die ein sogenanntes Connected Car mit dauernder Internetverbindung erfordert. Fernziel ist natürlich der Einsatz der Dienste in autonomen Fahrzeugen.
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