"Wir verfolgen den Ansatz, dass unsere mobilen Lösungen offen gegenüber allen Arten von Datenquellen sind", sagt Alexander Arnold, LEiter Center of Excellence Mobility DACH bei SAP Deutschland.
Herr Arnold, welche Rolle spielt SAP in den Mobility-Strategien der Anwender?
Alexander Arnold: Bei Mobility im Unternehmen geht es um die endanwendergerechte, sichere und effiziente Mobilisierung von Geschäftsdaten und -prozessen. Unsere Kunden bilden Daten und Prozesse in SAP- und auch anderen Systemen ab. Daher spielt SAP natürlicherweise bei allen Überlegungen unserer Kunden zu Mobility eine zentrale Rolle. Hinzu kommt, dass wir nach Meinung von Analysten wie Gartner der führende Anbieter bei mobilen Anwendungsplattformen sind. Auch über diesen Weg führt der Weg unserer Kunden direkt zu SAP.
Stand heute: Wo sehen Sie die Anwender, wenn es um die Ausschöpfung des Potentials mobiler Prozesse geht?
Arnold: Viele unserer Kunden bewegen sich mit großer Geschwindigkeit im Mobility-Bereich vorwärts. Die Eile hat drei Gründe: 1. Die Abbildung von geschäftskritischen Daten und Prozessen muss auf mobilen Endgeräten sicher erfolgen. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn ein Verkäufer sein Endgerät mit allen Kunden-, Preis- und Vertragsinformationen verliert oder es gestohlen wird. Für diesen Fall müssen Vorkehrungen getroffen werden. Das besitzt derzeit hohe Priorität bei allen Kunden. 2. Die Kunden betrachten eingehend, wie sie die bereits mobilen Prozesse wie z.B. Vertrieb, Service und Instandhaltung effizienter und kundenfreundlicher gestalten können. 3. Mit mobilen Endgeräten können firmeninterne Anwendungen wie Geschäftsanalyse oder Freigabe-, Genehmigungs- und Zusammenarbeitsprozesse viel schneller und effizienter abgebildet werden. Das interessiert viele unserer Kunden.
Sobald die mobilen Prozesse einmal definiert sind und Geschäftsdaten mit der entsprechenden Bandbreite und aller gebotenen Sicherheit zur Verfügung stehen, sind mobile Endgeräte doch im Grunde nichts weiter als ein zusätz-licher Ausgabekanal?
Arnold: Diese Sicht trifft auf Endgeräte früherer Machart vielleicht zu. Die Endgeräte der neuesten Generation sind inzwischen ähnlich leistungsstark wie PCs. Dazu besitzen sie Möglichkeiten wie z.B. ortsabhängige Dienste, Kamera, hochauflösende Bildschirme. In der Kombination aus Leistungsstärke und gerätespezifischen Fähigkeiten entstehen ganz neue Möglichkeiten.
Nehmen Sie das Beispiel eines Servicetechnikers. Er kann in seinem mobilen Endgerät die Arbeitsaufträge für den Tag empfangen und verwalten. Im Routenplaner legt er sich die beste Tour zurecht. Er hat sofort die Kundendaten zur Verfügung, falls er sich verspätet und den Kunden anrufen muss. Unterwegs kann er neue Aufträge in die Tagesroute integrieren. Vor Ort hat er technische Informationen zum Gerät zur Verfügung oder kann sich diese schicken lassen. Falls er Unterstützung braucht, kann er seinen Kollegen per Kamera das Problem am Gerät zeigen. Er kann dem Kunden Verbrauchsmaterial per Katalog anschaulich zeigen und sofort bestellen. Falls der Kunde Bedarf an einem neuen Gerät hat, kann er sogar den Verkaufsprozess vor Ort ausführen. Zum Abschluss erfasst er Zeiten und Material, so dass die Rechnungsstellung oder Verbuchung erfolgen kann. Und das alles passt in ein Smartphone der neuesten Generation. Das ist mit Sicherheit mehr als ein neuer Ausgabekanal.
Wie nehmen die SAP-Anwender Ihre mobilen Business-Apps an?
Arnold: Die Kunden nehmen es sehr positiv an, dass wir ihnen für viele Anwendungen Standardapplikationen anbieten. Das erspart es ihnen, das Rad selber neu zu erfinden, und entlastet sie von der Weiterentwicklung. Gerade in so einem dynamischen Markt wie Mobility mit ständig neuen Endgeräten und Betriebssystemversionen kommen der Wartung und Weiterentwicklung von mobilen Anwendungen eine hohe Bedeutung zu. Zudem ermöglichen wir es unseren Kunden, auf Basis unserer Anwendungsplattform Sybase Unwired Platform selbst, mit SAP oder mit unseren Partnern kundenspezifische Anwendungen zu entwickeln.
Welche Branchen sind heute bereits diejenigen, mit denen Sie die meisten Projekte und den größten Umsatz im mobilen Umfeld machen?
Arnold: Das Interesse zieht sich durch alle Branchen, da jede Branche für sich mobile Szenarien aufweist. Die am meisten diskutierten Anwendungsfälle betreffen Geschäftsanalyse, Vertrieb, Service und Instandhaltung sowie firmeninterne Produktivität, also Freigabe-, Genehmigungs- und Zusammenarbeitsprozesse.
Welche sind die größten Hürden, die Anwender überwinden müssen, um Prozesse mobil und damit schneller zu machen?
Arnold: Die Voraussetzung für den unternehmensweiten Einsatz mobiler Anwendungen ist eine klare mobile Strategie. Diese leitet sich aus der Unternehmensstrategie ab und beantwortet, in welchen Bereichen das Unternehmen konkreten Nutzen aus dem Einsatz mobiler Technologien zieht.
Zudem muss die Strategie aufzeigen, wie der Einsatz mobiler Anwendungen und Endgeräte im Unternehmen sicher erfolgen kann. Dazu müssen klare Richtlinien erarbeitet und eine entsprechend sichere mobile Infrastruktur aufgebaut werden. Danach kann entsprechend der Firmenprioritäten das Ausrollen der mobilen Anwendungen auf die Endanwender schnell und sicher erfolgen.
Wie sorgt SAP für die Interoperabilität mit den Softwarelösungen und den mobilen Diensten anderer Anbieter?
Arnold: Wir verfolgen den Ansatz, dass unsere mobilen Lösungen offen gegenüber allen Arten von Datenquellen sind. Natürlich erwarten unsere Kunden, dass die höchstmögliche Integration gewährleistet ist, wenn SAP-basierte Prozesse und Daten mobilisiert werden. Durch die Übernahme von Sybase mit den Produkten Sybase Unwired Platform, Afaria und mobilen Applikationen sowie Syclo (insbesondere mobile Lösungen für Service und Instandhaltung) haben wir Produkte in unser Portfolio integriert, die offen gegenüber zahlreichen Lösungen sind. Dies werden wir so beibehalten.
In Gesprächen mit Anwendern hört man häufiger, die SAP-Mobility-Plattform (Sybase Unwired Platform) sei zu mächtig, zu komplex und zu teuer. Wie entkräften Sie diese Einwände?
Arnold: Die Gestaltung unseres Produktportfolios basiert auf der Annahme, dass unsere Kunden zukünftig eine größere Anzahl an unterschiedlichen Endgeräten und Betriebssystemen sowie eine Vielzahl an mobilen Applikationen im Einsatz haben werden. Dafür gibt es jetzt zwei Möglichkeiten:
Erstens: Sie entwickeln jede Applikation individuell und binden diese „Punkt-zu-Punkt“ mit dem jeweiligen Quellsystem an. Dann verteilen und administrieren sie jede Applikation einzeln im Unternehmen und gewährleisten für jede Applikation individuell die Sicherheit und Anbindung. Die zweite Möglichkeit ist eine Anwendungsplattform wie die Sybase Unwired Platform, die eine betriebssystemübergreifende Entwicklung sowie die Wartung und Administration von Applikationen erlaubt. Zudem decken Sie die Themen Sicherheit, Verschlüsselung und Authentifizierung in der Plattform mit ab. Wenn ich jetzt beide Ansätze miteinander vergleiche, dann erscheint mir die Variante 1 als zu mächtig, zu komplex, zu teuer und meist auch zu unsicher.
Der Mobility-Markt befindet sich einmal mehr in einem Neuordnungsprozess: Ehemalige Marktführer müssen kämpfen, andere versuchen, endlich dauerhaft Fuß zu fassen. Wie bewerten Sie die Situation?
Arnold: Der Markt konsolidiert sich, und zwar in doppelter Hinsicht. Zum einen ändern sich die Begrifflichkeiten. Bisher haben Analysten und Anbieter verschiedene Produktkategorien unterschieden und so getan, als hätten diese nichts miteinander zu tun. Da gab es die Produktkategorien Mobile Device Management (Software für das Gerätemanagement), Mobile Enterprise Application Platform (Anwendungsplattformen für unternehmensinterne Anwendungen), Mobile Consumer Application Platform (Anwendungsplattformen für unternehmensexterne Anwendungen) und die Applikationen.
Dieses Wirrwarr an Begriffen versteht ein Kunde nicht. Bei SAP haben wir schon früh gesagt, dass diese Unterscheidung keinen Sinn ergibt. Wir sprechen inzwischen von einer mobilen Plattform, die es unseren Kunden erlaubt, Endgeräte und Anwendungen verschiedenster Art zu verwalten. Zudem liefern wir Standardapplikationen für den Einsatz im Unternehmen. Gartner und Yankee Group sind uns inzwischen gefolgt und verändern ihre Begrifflichkeiten.
Da es sich kein Kunde erlauben kann, für seine Herausforderungen im mobilen Bereich zig Lösungen ins Haus zu holen, wird sich der Trend in Richtung Konsolidierung im Anbietermarkt fortsetzen.
Inwieweit tritt SAP in Mobility-Projekten auch beratend auf, wenn es beispielsweise um die Auswahl von Hardware- und Betriebssystemplattformen geht?
Arnold: Unsere Offenheit allen Endgeräten, Betriebssystemen und Datenquellen gegenüber verpflichtet uns hier zur Neutralität gegenüber den verschiedenen Herstellern von Hardware oder Betriebssystemen. Wir schauen uns gemeinsam mit dem Kunden den konkreten Anwendungsfall an und spezifizieren die Anforderungen an die Hardware und das Betriebssystem. Darauf basierend trifft der Kunde seine eigenen Entscheidungen.
Zur Person
Dr. Alexander Arnold ist seit Februar 2012 als Leiter des Center of Excellence Mobility DACH bei der SAP Deutschland GmbH & Co. KG tätig. In dieser Funktion ist er für die Koordinierung sämtlicher Geschäftsaktivitäten im Bereich Mobile Lösungen bei SAP in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich. Zuvor war Alexander Arnold in mehreren leitenden Funktionen bei SAP Deutschland sowie der damaligen SAP-Tochter Steeb Anwendungssysteme aktiv. Bevor er im Mai 2003 zu SAP kam, war Arnold als Unternehmensberater bei Capgemini Ernst & Young (heute: Capgemini) sowie im strategischen Marketing bei der Hilti AG tätig. Alexander Arnold besitzt einen MBA und einen Doktor der Betriebswirtschaftslehre der Universität St. Gallen, Schweiz.