Prof. Dr. Ulrich Eisenecker, Universität Leipzig
Herr Prof. Dr. Eisenecker, wie ist es in deutschen Hochschulen aktuell um die Ausbildung von Mobility-Spezialisten – insbesondere von App-Entwicklern – bestellt?
Ulrich Eisenecker: Der Begriff App ist weit gefasst und bezieht sich auf unterschiedliche Plattformen, von denen die bekanntesten Android, iOS und Windows 8 sind. Im Wirtschaftsinformatik-Studium der Universität Leipzig werden allgemeine Grundlagen für die Software-Entwicklung vermittelt. Es erfolgt aber keine plattformspezifische Ausbildung zur App-Entwicklung.
Wie wird man eigentlich App-Entwickler – gibt es typische Ausbildungswege?
Eisenecker: Auf jeden Fall das klassische Informatik- oder Wirtschaftsinformatik-Studium. Hier muss ein ausgeprägtes Interesse an der Software-Entwicklung und überdies speziell an der App-Entwicklung hinzukommen. Studierende, die hierfür ein starkes Interesse haben, werden sich viel relevantes Wissen selbst aneignen oder dieses im Rahmen von Tätigkeiten neben dem Studium entwickeln. Beispielsweise ist die Firma www.appsfactory.de, ein Start-Up, bei dem zwei der Geschäftsführer Absolventen des Instituts für Wirtschaftsinformatik sind (Dr. Kluge und Dr. Belter). Interessierte Studierende der Wirtschaftsinformatik und der Informatik der Uni Leipzig sind bei dieser Firma beispielsweise als Praktikanten und Werkstudenten tätig.
Welche Studiengänge bzw. Kurse bietet Ihre Hochschule speziell im Mobility-Bereich an? Welche Abschlüsse bzw. Qualifikationen/Zertifizierungen sind hier für die Studierenden möglich?
Eisenecker: Ein solcher Studiengang, der ab Herbst in Zusammenarbeit mit der Leipzig School of Media angeboten wird, ist Mobile Marketing.
Ein Blick nach vorne: Wollen Sie Mobility-Themen künftig verstärkt in Ihr universitäres Ausbildungsprogramm aufnehmen? Wenn ja, welche Themen werden hier aller Voraussicht nach am wichtigsten sein?
Eisenecker: Mobility-Themen finden auf vielfältige Weise Eingang in unsere klassischen Ausbildungsprogramme, die inhaltlich beständig aktualisiert werden. Das betrifft vor allem auch die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten und innovative Potentiale mobiler Applikationen. Dazu gibt es am Institut für Wirtschaftsinformatik auch viele anwendungsorientierte Forschungsprojekte, die zusammen mit Industriepartnern durchgeführt werden, und in denen unsere Studierende mitarbeiten. Daneben gibt es noch viele weitere wichtige Aspekte mobiler Anwendungen, etwa Usability und User Experience. Hier wird über die Ergebnisse entsprechender Untersuchungen eines neuen Desktop-Konzepts für mobile Geräte durch Leipziger Master-Studierende der Wirtschaftsinformatik berichtet.
Inwieweit besteht seitens der ITK-Branche bzw. der Wirtschaft allgemein die Nachfrage bzw. Kooperationsbereitschaft bereits während des Studiums mit auf Mobility spezialisierten Studierenden zusammenzuarbeiten?
Eisenecker: Das Interesse und die Bereitschaft sind sehr hoch. Und zwar so hoch, dass Informatik- und Wirtschaftsinformatik-Studierende überhaupt intensiv umworben werden. Und wenn sie dann noch ein Interesse an der Software-Entwicklung haben, ist es optimal. Eine Spezialisierung in Mobility wurde hier bisher nicht verlangt.