27.07.2017 Digitale Taxiwerbung

Zielgruppen-Targeting während der Taxifahrt

Von: Lea Sommerhäuser

Im Interview berichtet Semih Stöcker, Geschäftsführer von Fleet Ad, welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Taxibranche ausübt und welche Rolle Tablets dabei spielen.

  • Semih Stöcker, Fleet Ad

    „Digitale Taxiwerbung wächst deutlich", Semih Stöcker, Geschäftsführer von Fleet Ad.

  • Taxiwerbung von Fleet Ad

    HRS, die Telekom oder Bringmeister.de haben in Berlin, Hannover, oder München bereits Targeting via Taxiwerbung eingesetzt.

Herr Stöcker, welchen Einfluss übt die Digitalisierung auf die Taxibranche aus?
Semih Stöcker:
Schon lange ist Werbung auf Taxidächern oder Seitentüren etabliert, jetzt hat die Digitalisierung den Innenraum der Fahrzeuge erreicht und damit eine neue Ära der Zielgruppenansprache eingeläutet. Die digitale Revolution ist im vollen Gange: Zielgruppen-Targeting nach Uhrzeiten oder Routen sind heute genauso planbar wie Cross-Device-Werbung oder geobasierte Ausspielungen. Digitale Services machen Taxifahrten attraktiver, zeitgleich steigen die Umfelder und Werbemöglichkeiten für Werbungtreibende. Das bedeutet: Das Fahrgastaufkommen wird steigen und das Taxi nimmt als Werbeplattform einen immer größeren Stellenwert im Mediamix ein.

Welche Rolle spielen hierbei Tablet-PCs?
Stöcker:
Tablets sind optimal in den Innenraum der Fahrzeuge integriert. Sie bieten dem Fahrgast ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm sowie interaktive Services. Ein kurzer Blick auf das Wetter ist hier genauso möglich wie die Reservierung eines Hotelzimmers oder der Kauf einer neuen Bluse. Im Schnitt dauert eine Taxifahrt zehn bis 15 Minuten. Fahrgäste sind dankbar für die Ablenkung und setzen sich in einem ansonsten werbefreien Umfeld gerne intensiv mit den digitalen Programmen auf den Tablets auseinander.

Inwieweit ist mit diesen zielgruppenspezifische Werbung möglich?
Stöcker:
Das Tablet ermöglicht sehr genaue und auf jede Zielgruppe zugeschnittene Werbung. Kampagnen werden individuell über einen Ad-Server gesteuert, etwa zeitlich oder auf den Standort bezogen, der via GPS bestimmt wird. Die Ausspielung der Werbung kann zudem durch die Interessenslage des Fahrgastes gelenkt werden, der sich in den Rubriken des Programms bewegt. Außerdem sorgen interaktive Elemente wie ein „Gefällt mir“-Button, die Verlinkungen zu Webseiten, QR-Codes oder digitale Gutscheine für eine intensive Nutzung der gewünschten Zielgruppe. Ein weiteres Steuerungsmodul im Ad-Server ist Cross-Device-Werbung: Mittels LTE-Push wird die Kampagne genau dann eingeblendet, wenn das Fahrzeug an einem Plakat mit der gleichen Werbung vorbeifährt. Auch so lässt sich die potentielle Kundschaft in jeder Situation ansprechen und die Kette der Botschaften stringent unterwegs fortsetzen.

Der Taxifahrer selbst muss also nicht jedes Mal das passende Knöpfchen drücken?
Stöcker:
Die Ausspielung der Werbung erfolgt wie gesagt über einen zentralen Ad-Server. Der Taxifahrer braucht sich um nichts zu kümmern. Unser Tablet-System startet automatisch bei eingeschalteter Zündung. Wir wissen anhand der GPS-Daten, wo sich die Fahrzeuge bewegen, und können so jeder Zeit die Werbung flexibel anpassen. Ein paar Beispiele: morgens Kaffeewerbung, mittags der Hinweis auf das Sparmenü und abends Gutscheincodes für das Kino.

Wie wird dem Diebstahl der Geräte vorgebeugt?
Stöcker:
Unsere Tablets lassen sich beispielsweise mit wenigen Handgriffen vom Fahrer ausbauen. Im normalen Betrieb sind diese aber fest installiert.

Welche Bedingungen gibt es für die Nutzer, um Wlan im Taxi nutzen zu können?
Stöcker:
Fahrgäste erhalten über die Tablets einen kostenlosen Wlan-Zugang während der Taxifahrt. Die Handhabung ist einfach. Der Hotspot-Nutzer bekommt vorab eine Werbung auf seinem Smartphone angezeigt und aktiviert damit regelmäßig das Surfguthaben.

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Wie wird hierbei die Datensicherheit gewährleistet?
Stöcker:
Der Fahrgast muss keine persönlichen Daten hinterlassen, weder bei der Nutzung des Tablets noch bei der Aktivierung des Hotspots. Alle weiteren Daten werden bei uns auf Servern innerhalb Deutschlands nach den deutschen Datenschutzbestimmungen anonymisiert gespeichert.

Wer sind die ersten Kunden, die bereits Taxiwerbung schalten?
Stöcker:
Digitale Taxiwerbung wächst deutlich. Wir konnten unsere Flotte innerhalb weniger Jahre auf mehr als 2.000 Taxis ausbauen. Bis Jahresende sollen es 5.000 sein. Das goutiert die Werbeindustrie, die von der wachsenden Reichweite profitiert. Die Nachfrage ist bei uns dementsprechend hoch. Alleine in diesem Jahr konnten wir mehrere Neukunden gewinnen. HRS, die Telekom oder Bringmeister.de haben in Berlin, Hannover oder München bereits Targeting via Taxiwerbung eingesetzt, um beispielsweise Business-Kunden anzusprechen. Dazu wurden gezielt Kampagnen ausgespielt – auf Fahrten zwischen Bahnhof oder Flughafen und Innenstadt bzw. auf dem Weg zum Messestandort.

Und wie gestalten sich letztendlich die Reaktionen der Fahrgäste?
Stöcker:
Die Reichweitenstudie „Public & Private Screens 2016/2017“ des Digital-Media-Instituts zeigt, dass gerade Personen zwischen 30 und 49 Jahren mit dem Taxi unterwegs sind, dass das Haushaltnettoeinkommen der Taxinutzer bei mehr als 5.000 Euro liegt und Entscheider genauso wie Haushaltsführende mit Kind gerne zusteigen. Dieses Klientel ist offen für Werbung und lässt sich mit digitaler Werbung ideal ansprechen. Viele Taxiunternehmer berichten davon, wie gut Tablets bei den Fahrgästen ankommen. Diese positive Resonanz spricht sich rum. Deshalb laufen derzeit viele Anfragen bei uns ein, mehr als 700 Taxis stehen bereits in der Warteschlange, die mit unserem System ausgestattet werden wollen.

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