Fachkräftemangel in der IT
Während die Bedrohungslandschaft dank immer ausgefeilterer Phishing-Methoden und Ransomware-as-a-Service stetig wächst, suchen Unternehmen händeringend auf dem Arbeitsmarkt nach Cybersecurity-Fachkräften. Eine Lösung für beide Probleme bietet die bessere Aus- und Weiterbildung, auch für angrenzende Berufsfelder.

Phishing-Mails, CEO-Fraud oder Social Engineering – Cyberkriminelle nutzen immer vielfältigere Methoden, um an sensible Daten zu gelangen. Durch die zunehmende Vernetzung und das Arbeiten im Homeoffice wächst gleichzeitig die Angriffsfläche. Hinzu kommt, dass sich viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im harten Wettbewerb um IT- und Cybersecurity-Fachkräfte schwertun. Was können KMU in dieser Situation also tun? Sie sollten ihre Cybersicherheitsstrategie auf eine breite Basis stellen und in ihrer Unternehmenskultur verankern. Ein fester Bestandteil ist dabei die kontinuierliche Schulung der Belegschaft. Aber auch angrenzende Berufsfelder wie Ingenieure müssen dauerhaft mehr Kompetenzen im Bereich Cybersecurity aufbauen, da sie dies zunehmend für Ihre Arbeit benötigen.
Mit wachsender Digitalisierung gilt: Cybersecurity ist ein übergreifendes Thema, das für eine Vielzahl von Berufsfeldern relevanter wird. Der Kompetenzaufbau sollte bereits in der Berufsausbildung beginnen, er darf dort aber nicht enden sondern muss rollenübergreifend weitergepflegt werden. Dies betrifft natürlich auch Quereinsteiger und Maßnahmen zum Reskilling. Hinzu kommt: Cybersecurity darf nicht mehr als rein technisches Thema betrachtet werden sondern betrifft die gesamte Organisation. Durch dezentrale Arbeitsmodelle mit mobilem Arbeiten wächst die individuelle Verantwortung der Mitarbeiter, Angriffe und Betrugsversuche frühzeitig und selbstständig zu erkennen. Egal auf welcher Hierarchiestufe und in welchem Berufsfeld: Jeder Mitarbeitende ist ein potenzielles Einfallstor in das Unternehmensnetzwerk und muss kontinuierlich mit Blick auf neue Bedrohungen sensibilisiert werden.
Neben einer gut geschulten Belegschaft braucht es natürlich weiterhin dediziert zuständige IT-Sicherheitsbeauftragte, um geeignete Abwehrmaßnahmen aufzubauen und im Ernstfall schnell zu reagieren. Durch die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt sind diese Fachkräfte allerdings nicht nur schwer zu finden, sondern oft auch sehr teuer. Auch hier kann Weiterbildung eine Lösung sein: Die Hürde, die es für Quereinsteiger zu überwinden gilt, um in dem Bereich Cybersecurity Fuß zu fassen, kann durch umfängliches Training in Sachen der technisch und organisatorischen Informationssicherheit, IT-Risikomanagement und Security Awareness-Kampagnen signifikant gesenkt werden.
Unternehmen müssen auf die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und in der Bedrohungslandschaft reagieren. Betriebliche Weiterbildung spielt dabei eine entscheidende Rolle: Die „menschliche Firewall“ kann Cyberangriffe zwar nicht verhindern, gut geschulte Mitarbeitende können aber dazu beitragen, die Schäden zu begrenzen und sind damit ein wichtiger Baustein für die Informationssicherheit im Unternehmen.

Autor: Rainer Seidlitz, Leiter Produktmanagement Safety & Security, TÜV SÜD Akademie