Interview mit David Intersimone, Embarcadero

Großer Bedarf an erfahrenen Software-Architekten

Interview zum Thema Software-Entwicklung mit David Intersimone, Chief Evangelist bei Embarcadero

David Intersimone, Embarcadero

David Intersimone, Chief Evangelist bei Embarcadero

IT-DIRECTOR: Inwieweit verändern neue Technologien wie Cloud Computing oder Mobility die herkömmliche Software-Entwicklung?
D. Intersimone: Die Veränderung der Software-Entwicklung in den letzten Jahren basiert weniger auf einem Wechsel der Methodik als vielmehr auf den gestiegenen Anforderungen und Erwartungen der Nutzer. Dies hat für den einzelnen Entwickler große Auswirkungen: die neuen Technologien bedeuten eine Vielzahl an Möglichkeiten aber auch mehr Komplexität. Es gibt neue Endgeräte und eine nahezu unbegrenzte Vernetzung von Geräten untereinander. Unsere Aufgabe ist es für jeden Fall die passenden Werkzeuge zur Verfügung zu stellen.

IT-DIRECTOR: Welche neuen Fehlerquellen sind bei der Entwicklung von Individualsoftware für Anwenderunternehmen zu beachten – und welche altbekannten sind nach wie vor relevant?
D. Intersimone: Mangelnde Absprachen, schlechtes Anforderungsmanagement sind und bleiben weiterhin die Fehlerquellen Nummer eins. Technisch hat sich in der vernetzten Welt einiges im Bereich konkurrierender Zugriffe geändert. Komplexe Architekturen wollen überblickt werden und sollen weiterhin funktional und benutzerfreundlich sein. Dazu bedarf es erfahrener Software-Architekten.

IT-DIRECTOR: Welche Programmiersprache ist derzeit unter Software-Entwicklern besonders beliebt? Und warum ist das so?
D. Intersimone: Es gibt einen Trend für Programmiersprachen, die die Programmierung von Apps für mobile Endgeräte ermöglicht. Für mobile Geräte von Apple ist dies Objective C. Im industriellen Umfeld findet sich vor allem C und C++. Aus Tradition, aber auch wegen der Mächtigkeit und Flexibilität der Programmiersprache C/C++.

IT-DIRECTOR: Gibt es Automatisierungs-Tools, mit denen sich die Qualität messen lässt? Wenn ja, welche? Und wie funktionieren diese?
D. Intersimone: Dazu muss man Qualität definieren. Ansprüche an die Qualität von Software können sehr unterschiedlich aussehen und andere Prioritäten setzen – etwa wenn man an Webportale/Onlineshops, Finanz- und Bankingsoftware oder ein internes Tool für eine handvoll erfahrener Anwender denkt. Mittels automatisierten Audits und Metriken sowie Unit-Tests kann man auf unterster Ebene schon viel erreichen.

IT-DIRECTOR: Was sollten Anwenderunternehmen, die ihre Software bei einem externen Dienstleister entwickeln lassen, hinsichtlich der Softwarequalität bei der Ausgestaltung der SLAs auf jeden Fall beachten?
D. Intersimone: Das Schöne beim Outsourcing ist, dass der Partner genau das macht, was man ihm sagt. Der Nachteil ist, dass er genau das macht, was man ihm sagt. Wichtig sind ein Zugriff auf die Quelltexte, eine schnelle Reaktionszeit bei Problemen und – durch eine eventuelle langfristige Bindung – ein reger Austausch insbesondere während des Projektbeginns. Auch hier sollte man schon von Anfang an die Fachabteilungen miteinbeziehen. Definieren sollte man auch zugesicherte Antwortzeiten; oder zumindest Hinweise für den Endbenutzer, wenn es mal etwas länger dauert. Zudem sollte an die Endbenutzer gedacht werden, die die Software künftig einsetzen – manche mögen lieber Maus- manche Tastaturbedienung. Nicht zuletzt sind die Schnittstellen zu anderen Anwendungen ein weiteres, wichtiges Thema.

IT-DIRECTOR: Welche Auswirkungen hatte der schlimmste Ihnen bekannte Software-Entwicklungsfehler?
D. Intersimone: Spektakulär sind Softwarefehler, wenn diese nicht schnell oder gar nicht gefixt werden können. In der Raumfahrt gibt es einige Beispiele dafür. Mal schnell einen Techniker zur Rakete schicken geht zumeist nicht. Auch Fernwartungen sind kaum möglich. Generell entstehen die meisten Probleme bei der Software-Entwicklung schon sehr frühzeitig. Die Gründe: mangelnde Absprache, keine oder zu späte Einbindung der Benutzer oder gar hoffnungslos unterschätzte Aufwände der Entwicklung.

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