"Dialog zum Cloud-Computing anstoßen"

Microsoft: Denkschrift für Wirtschaft und Politik

Microsoft hat am Mittwoch in Berlin eine Denkschrift für Wirtschaft und Politik vorgestellt.

Seit September bietet Microsoft seinen Kunden Cloud-Services in Deutschland an, bei denen die Telekom als Datentreuhänder fungiert. Foto: Jagadeesh NV/Symbolbild

Seit September bietet Microsoft seinen Kunden Cloud-Services in Deutschland an, bei denen die Telekom als Datentreuhänder fungiert. Foto: Jagadeesh NV/Symbolbild

Microsoft will unter anderem mit der Denkschrift die Diskussion um die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen durch die Digitalisierung in Deutschland mitgestalten. Konkrete Handlungs-Empfehlungen sollen dabei einen sicheren Weg in die Cloud aufzeigen.

«Cloud Computing bietet die Antwort auf einige der größten Herausforderungen in der Welt», sagte Brad Smith, Chef-Justiziar von Microsoft. «Doch wie so oft bei technologischem Fortschritt ergeben sich auch viele Fragen für die Gesellschaft.» Dafür brauche es «ein ausgewogenes Paket aus politischen und technologischen Lösungen». 

Cloud-Dienste gelten in Wirtschaft und Politik als ein Fundament für die digitale Transformation. In Deutschland hat die Nutzung solcher Dienste dem Digitalverband Bitkom zufolge im vergangenen Jahr erheblich zugenommen. Dennoch blieben Sicherheitsbedenken die größten Hürden für die Unternehmen. 

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Seit September bietet Microsoft seinen Kunden Cloud-Services in Deutschland an, bei denen die Telekom als Datentreuhänder fungiert. In zwei Rechenzentren in Frankfurt und bei Magdeburg werden dabei die Daten der Kunden gespeichert und über sichere, vom Internet unabhängige Netzwerke transportiert. Microsoft selbst hat keinen Zugriff auf die Daten. Microsoft wolle den Kunden die Wahl lassen, wie sie die Cloud nutzen wollten, sagte Smith. Es gebe großes Interesse für das Modell, in etwa einem Jahr werde sich abzeichnen, wie erfolgreich es angenommen wird. 

Das Rechenzentrum in Biere bei Magdeburg wird aktuell erweitert. Mit zusätzlichen Modulen soll die Cloud-Kapazität erheblich ausgebaut werden. Das erste Zentrum sei bereits komplett ausgelastet, sagte Telekom-Chef Timotheus Höttges in Berlin.

Höttges verglich Cloud-Lösungen mit einem Schweizer Taschenmesser. «Das ist auch nicht nur dafür da, einen Apfel zu schälen.» Auch die Cloud könne weitaus mehr als E-Mails und Daten zu speichern. «Die Cloud ist der Motor der Digitalisierung», sagte Höttges. Während Deutschland die erste Hälfte der Digitalisierung «krachend verloren» habe, gebe es in der zweiten Hälfte nun «enorme Chancen» für die Wertschöpfung.

Cloud-Dienste eröffneten enorme Möglichkeiten, betonte Smith. Besonders in Deutschland gebe es viele Industrien, die aktuell weltweit führend sind. Die digitale Transformation könne wesentlich dazu beitragen, dass diese Branchen wie etwa die Automobilindustrie oder Biologie auch künftig ihre Führungsstärke behaupten. 

Nadella in Berlin

In Europa habe Microsoft insgesamt drei Milliarden Dollar für den Aufbau von Cloud-Infrastrukturen investiert, sagte in Berlin Microsoft-Chef Satya Nadella. Damit wolle man der wachsenden Nachfrage von Kunden und Partnern nach öffentlichen Cloud-Diensten entgegenkommen, die auch den besonders strengen Anforderungen an Daten-Souveränität in Europa genügten. 

Vertrauen, Verantwortung und Teilhabe machte Microsoft in seiner Denkschrift als die entscheidenden Grundpfeiler für die Akzeptanz von Cloud-Diensten aus. «Wir verstehen die Denkschrift vor allem als Grundlage für zukünftige Diskussionen über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Chancen von Cloud Computing», sagte Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland. Die Handlungsempfehlungen wurden nach Angaben von Microsoft in enger Zusammenarbeit mit Kunden, Partnern, internationalen Rechtsexperten sowie Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen erarbeitet. 

Für den transatlantischen Austausch von Daten sei etwa der neue Privacy Shield sehr wichtig, betonte Smith. Microsoft sei das erste Unternehmen, das sich für den Schutzschild zum Datentransfer habe registrieren lassen. «Wir brauchen für die Technologie des 21. Jahrhunderts einen Rechtsrahmen des 21. Jahrhunderts.»

Vielen Datenschützern in Europa geht die Übereinkunft, die im August die Safe-Harbor-Vereinbarung abgelöst hatte, allerdings nicht weit genug. Es sei aber ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung, um in Europa mehr Vertrauen zu schaffen, sagte Smith. 

dpa/rs

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