Radikale Veränderung

Twitter jetzt mit 280 Zeichen

Twitter-Nachrichten dürfen künftig doppelt so lang sein wie bisher.

Twitter stockt die Obergrenze für Text-Beiträge auf 280 Zeichen auf. Foto: Ole Spata

Twitter stockt die Obergrenze für Text-Beiträge auf 280 Zeichen auf. Foto: Ole Spata

Twitter stockte die Obergrenze nach einem mehrwöchigen Test regulär auf 280 Text-Zeichen auf. Es ist die radikalste Veränderung des Twitter-Konzepts seit dem Start im Jahr 2006.

«Das Feedback aus der Testphase besagte, dass Nutzer sich mit der erhöhten Zeichenzahl zufriedener fühlen, da sie sich auf Twitter besser ausdrücken und gute Inhalte finden können», erklärte die Firma in einem Blogeintrag am Dienstag.

Als der Test Ende September gestartet worden war, hatten sich einige eingefleischte Twitter-Fans skeptisch gezeigt. Sie sorgten sich, dass mehr Platz die Nutzer dazu verleiten könnte, schwammiger zu formulieren. Laut Twitter gibt es da nach bisherigen Erkenntnissen keinen Grund zur Sorge: «Während der Testphase waren nur rund zwei Prozent aller Tweets länger als 190 Zeichen.» Und nur fünf Prozent hätten die bisherige Obergrenze von 140 Zeichen überschritten.

Twitter-Chef Jack Dorsey hatte jüngst Deutsch speziell als eine Sprache hervorgehoben, für die das seit Gründung des Dienstes 2006 geltende Limit von 140 Zeichen zu knapp gewesen sei. Diese Begrenzung stammt aus der allerersten Twitter-Variante, die noch über SMS laufen sollte und damit an die Begrenzungen der Handy-Kurznachrichten gebunden war.

Twitter kämpft

Twitter kämpft seit Jahren mit einem nur zögerlichen Wachstum der Nutzerzahlen und roten Zahlen. Im vergangenen Quartal stieg die Zahl mindestens einmal im Monat aktiver Nutzer um vier Millionen auf 330 Millionen. Facebook - ein Rivale um Online-Werbegelder - zog längst davon und hat mehr als zwei Milliarden aktive Nutzer. Für Dorsey sind längere Tweets ein Weg, Twitter attraktiver zu machen.

«Es hat sich gezeigt, dass in den Ländern aktiver getwittert wird, in denen die Twitter-Nutzer nicht so schnell an eine Zeichen-Obergrenze stoßen», betonte Twitter nun. In China, Korea und Japan bleibe das bisherige Limit bestehen, weil die dortigen Schriftzeichen den Nutzern die Möglichkeit böten, ihre Gedanken auf weniger Raum auszudrücken.

Satiriker Jan Böhmermann kommentierte die neue Option mit folgendem Tweet: «Es begann mit 140 Zeichen. Dann wurden es auf einmal 280. Am Ende werden sie uns zwingen, miteinander zu reden!»

Dorsey hatte im September zugleich betont, dass die Plattform grundsätzlich auf kurze Beiträge ausgerichtet bleiben solle. «Wir glauben, dass es wirklich wichtig ist, diese Kürze beizubehalten», sagte er. Für das Einbinden von Fotos, Videos oder Internet-Links ändert sich nichts.

Politischer Druck in den USA

Einige Kritiker der 280-Zeichen-Idee hatten Twitter darauf hingewiesen, dass die Beseitigung von Problemen wie die Verbreitung von Hassreden, Falschinformationen und Mobbing aus ihrer Sicht dringlicher seien. Der Kurznachrichtendienst steht gerade - genauso wie Facebook - unter politischem Druck in den USA, weil mutmaßlich russische Accounts den Dienst im US-Präsidentschaftswahlkampf für Propaganda missbraucht hatten.

Die Twitter-Aktie reagierte auf die Neuerung am Mittwoch mit einem Plus von rund 1,3 Prozent im vorbörslichen Handel.

Als einer der Ersten nutzte US-Präsident Donald Trump die neue Möglichkeit. Er schrieb seinen ersten längeren Tweet von 216 Zeichen auf seiner derzeitigen Reise durch Asien. «Ich bereite mich für eine der Hauptreden auf der Nationalversammlung hier in Südkorea vor, dann werde ich nach China weiter reisen. Ich freue mich sehr, dort Präsident Xi zu treffen, der gerade erst seinen großen politischen Sieg eingefahren hat», schrieb Trump.

Der US-Präsident ist einer der bekanntesten Nutzer von Twitter - und für seine umstrittenen Tweets auf der Plattform bekannt.

dpa/rs

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