Seit mehr als drei Jahrzehnten beschäftigen sich fortschrittlich agierende Unternehmen intensiv mit digitalen Prozessen. Daher mag es zunächst verwundern, warum jüngst immer mehr Wirtschaftsexperten so vehement auf die Umsetzung zukunftsweisender Digital-Strategien drängen. Was den großen Unterschied zwischen der jetzt propagierten „Digitalen Transformation“ und den prozesstechnischen Anforderungen von vor zehn Jahren ausmacht, möchten vor allem diejenigen IT-Leiter wissen, die sich schon lange mit digitalen Prozessen befassen und diese auch erfolgreich implementiert haben.
Die Antwort ist gleichermaßen simpel wie komplex: Waren es bislang zumeist isolierte, firmeninterne Abläufe in einzelnen Fachbereichen, in der Logistik oder im Kundenservice, die mithilfe von IT- und Software-Unterstützung optimiert wurden, geht es heute um die durchgehende Vernetzung von Geräten und Maschinen jeglicher Art – angefangen bei Smartphones und Laptops über Produktionsroboter bis hin zu den eigentlichen Produkten selbst. Es geht um die Vernetzung mit Kunden, mobil arbeitenden Mitarbeitern, Partnerunternehmen und Lieferanten und damit um die übergreifende Verzahnung ganzer Prozessketten. Denn wer in der digitalen Ökonomie der Zukunft erfolgreich sein will, muss in der Lage sein, Daten verschiedensten Ursprungs zu aggregieren, sie gewinnbringend auszuwerten und überall und jederzeit bereitzustellen. Dies kann nur mit hochverfügbaren, flexiblen und skalierbaren IT-Infrastrukturen unter sicherer Einbindung der Cloud gelingen.
In Zusammenhang mit der weitreichenden digitalen Vernetzung ist ebenfalls regelmäßig von „Industrie 4.0“ und dem „Internet der Dinge“ (Internet of Things; IoT) die Rede. Bei Industrie 4.0 steht die zunehmend automatisierte Produktion dank eigenständig kommunizierender Maschinen im Vordergrund, beim Internet der Dinge ist es die Online-Anbindung ursprünglich unintelligenter und analoger Alltagsgegenstände. Das können beispielsweise Aufzüge, Ampelanlagen, Stromzähler, Küchengeräte oder Automobile sein.
Als Branche, die sowohl für die vernetzte Produktion als auch für das Internet der Dinge prädestiniert ist, sei an dieser Stelle die Automobilbranche genannt. Die roboterbestückten Produktionsstraßen sind bereits weitestgehend automatisiert, die Anbindung der Zulieferer ist auf eine Just-in-time-Produktion hin ausgerichtet und auch die Automobile selbst werden immer mehr zu rollenden Datenaggregatoren, die sämtliche Fahrzeuginformationen aufzeichnen und verwertbar machen. In Smart-City-Szenarien können diese Daten für weit mehr genutzt werden als für das Anzeigen des Reifendrucks. Vielmehr lassen sich beispielsweise neben der aktuellen Verkehrssituation auch Staus und erhöhtes Verkehrsaufkommen prognostizieren.
Ähnliche Szenarien sind auch in anderen Branchen denkbar, so dass sich im Grunde alle Unternehmen jedweder Größenordnung Gedanken um ihre Digitalisierungsstrategien machen sollten. In einer vernetzten Welt werden auch traditionelle Unternehmen schauen müssen, dass sie sich und ihre Produkte den neuen Gegebenheiten anpassen. Sei es, um im Rahmen von Predictive Maintenance den eigenen Maschinenpark immer in Schuss zu halten und teure Produktionsausfälle zu vermeiden. Sei es, um den eigenen Mitarbeitern deutlich bessere Arbeitsbedingungen durch die Bereitstellung tagesaktueller und geschäftsrelevanter Informationen zu bieten. Oder sei es, um den Kunden weitaus besser auf das eigentliche Nutzerverhalten angepasste Produkte und Services offerieren zu können.
Die IT spielt in den beschriebenen Szenarien natürlich eine zentrale Rolle. Sie muss die Grundlagen schaffen für den Aufbau dieser dynamischen, vernetzten Organisationen und Strukturen. Gleichzeitig muss sie dafür Sorge tragen, dass die in den Firmen etablierten, geschäftskritischen Systeme und Applikationen – beispielsweise eigenentwickelte Mainframe-Anwendungen oder ERP-Systeme – reibungslos und sicher weiterlaufen. Die IT muss also den Spagat bewältigen, den Betrieb dieser Legacy-Systeme und den der modernen Applikationen und Services bestmöglich zu orchestrieren. Dazu ist es u.a. aus datenschutzrechtlichen und die Compliance betreffenden Gründen ratsam, die Legacy-Anwendungen und die dynamischen IT-Umgebungen zur Unterstützung umfassender Digitalisierungsstrategien zunächst getrennt voneinander zu betrachten, um sie im Rahmen der festgelegten Ziele später nahtlos miteinander zu verknüpfen.
Diese dynamischen IT-Umgebungen, die heute bereits vorwiegend für die Entwicklung und den Betrieb neuer digitaler Geschäftsmodelle und innovativer Applikationen zum Einsatz kommen, werden auf Cloud-Infrastrukturen betrieben und zeichnen sich durch ihre Flexibilität, Skalierbarkeit und globale Reichweite aus. Die Unternehmen gewinnen an Geschwindigkeit und kürzerer Time-to-Market und werden durch stetige Innovation und Entwicklung agiler. Und sie erweitern die Ressourcen der Legacy-Applikationen bedarfsgerecht. Somit bilden sie die Basis für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, agiler Prozesse und vernetzter Wertschöpfungsketten im Rahmen moderner Digitalisierungsstrategien.
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