Weil es schlichtweg keinen Cloud-Anbieter mit einem vollständigen Portfolio gibt, das sämtliche Unternehmens- und Prozessanforderungen abdecken könnte, sind Multi Cloud-Architekturen folgerichtig der Grundstein der hochvernetzten Ökonomie der Zukunft. Die Verantwortlichen picken sich die Services derjenigen Anbieter heraus, die für den jeweiligen Anwendungsfall am besten passen. Die Herausforderung besteht nun darin, diese verschiedenen Services zusammenzuführen.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Hersteller von Gesellschaftsspielen hat in der Zeit nach Weihnachten hohen Bedarf an zusätzlicher Rechenleistung, weil sich dann erfahrungsgemäß eine große Anzahl Kunden Spieleanleitungen herunterlädt. Dazu greift der Spielefabrikant explizit auf den kostengünstigen Service eines Public Cloud-Anbieters zurück, dessen Datenschutzbestimmungen vielleicht nicht den höchsten Ansprüchen genügen, was in diesem Falle aber unerheblich ist, weil die Dokumente unkritisch sind. Anders gestaltet sich die Situation, wenn der Gesellschaftsspieleanbieter im Rahmen von Marketing-Sonderaktionen mit reellen Kundendaten arbeitet oder diese abfragt. Dann muss der Schutz dieser Daten oberste Priorität haben, weswegen nun ein Cloud-Anbieter zum Zuge kommt, der ein entsprechendes Datenschutzniveau garantiert. Gleiches gilt natürlich für die eigenen, geschäftskritischen Applikationen wie das ERP-System oder der Online-Shop, sollten diese aus der Cloud bezogen werden.
Im Rahmen von Multi Cloud sind dann Szenarien denkbar, dass rechtlich sensible Daten von einem Anbieter vorgehalten werden, der die notwendigen juristischen Anforderungen hinsichtlich Datenschutz und Rechenzentrumsstandort erfüllt, während weiterführende Services eines anderen Cloud-Anbieters auf diese Daten zugreifen dürfen, ohne sie jedoch zu bewegen. Die Rechenleistung kommt dann sozusagen zu den Daten, sie müssen nicht bewegt werden, was aus juristischen Gründen unabdingbar sein kann.
Auch aus Sicht des Risikomanagements ist es ratsam, im Rahmen einer umfassenden Cloud-Strategie mehrere Anbieter einzubinden. Alleine schon, um das Ausfallrisiko und mögliche Abhängigkeiten zu vermeiden. Oder auch, um höhere Flexibilität bei etwaigen Wechseln der Cloud-Anbieter zu erlangen.
Unternehmen tun allerdings gut daran, neben den notwendigen Risiko- und Sicherheitsbewertungen auch die individuellen Stärken und die generelle Innovationskraft der jeweiligen Cloud-Provider ins Kalkül zu ziehen. Greift ein Unternehmen auf mehrere Anbieter zurück, ist das Potential, von gewinnbringenden Neuentwicklungen zu profitieren, um ein Vielfaches höher.
Fakt ist: Potentiell geschäftsrelevante Daten sind heute schon über viele Systeme, Services, Applikationen, Endgeräte und Orte verteilt. Sie stammen von Mitarbeitern, Partnern, Lieferanten, Kunden, mobilen Geräten, Maschinen und Produkten. Alleine für sich genommen bieten diese Daten den Unternehmen keinen weiterführenden Nutzen. Erst ihre Kombination untereinander bringt diesen Nutzen, beispielsweise wenn man das Kundenverhalten durch die Auswertung verschiedener Parameter (Ort, Zeit, Endgerät, Suche, etc.) besser analysieren kann. Hier greift der Multi Cloud-Ansatz unbedingt. Big Data wäre ohne die Zusammenführung der verschiedenen Cloud-Services und -Datenquellen gar nicht möglich.
Am besten lässt sich der Multi Cloud-Ansatz anhand des Supply Chain-Modells der Automobilindustrie verdeutlichen. Die Autobauer beziehen einzelne Baugruppen und Komponenten von verschiedenen Zulieferern, um die Teile letztlich just-in-time in ihren Werken zu montieren. Im Falle von Multi Cloud-Szenarien übernehmen die Cloud Service-Anbieter die Rolle der Automobilzulieferer: Am Ende werden nur eben keine physischen Teile zusammengefügt, sondern Daten und Services in die eigene Cloud-Applikation oder Cloud-Umgebung integriert.
Für die Anwender geht es nun darum, einen Rechenzentrumsbetreiber zu finden, der diese Integration von Systemen, Services und Applikationen leisten kann – und zwar über mehrere Anbieter hinweg und unter Einbeziehung der eigenen IT-Infrastruktur. Prädestiniert für diese umfassende Anbindung sind Ökosysteme wie Equinix Cloud Exchange™. Die Plattform ermöglicht es, Verbindungen aus der eigenen Infrastruktur mit Public Cloud-Anbietern wie Amazon Web Services, Microsoft Azure oder IBM Softlayer herzustellen. Die Technologie ist also vorhanden, nun müssen die Unternehmensverantwortlichen ihre Strategien im Sinne des größtmöglichen Geschäftsnutzens entwerfen.
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