Autos ähneln vernetzten Computern immer mehr: Vernetzte Systeme sind von außen angreifbar, kleine Programmierfehler oder Sicherheitslücken können ausgenutzt werden.
Ratsch, Klack, Türe zu. „Guten Tag. Dieses Fahrzeug ist gesperrt und sie können es im Moment nicht verlassen. Bitte zahlen Sie 50 Euro für eine Software, die das Auto wieder entsperrt.“ Ein erpresserischer Auto-Trojaner in Aktion.
Im Moment ist ein solches Szenario noch eine Szene aus einem Hollywood-Blockbuster. Doch es ist durchaus möglich, dass solche oder ähnliche Angriffe auf die Software eines Autos bereits in wenigen Jahren Wirklichkeit werden. Denn ein modernes Auto gleicht einem rollenden Computer.
Für ein futuristisches Feeling ist inzwischen nicht einmal mehr ein Auto der gehobenen Mittelklasse notwendig. Der aktuelle VW Polo reicht aus: Wer sein Smartphone per USB-Kabel im Auto anschließt, kann verschiedene Apps auf dem Touchscreen im Auto nutzen. Außerdem besitzt das Navigationssystem eine Spracherkennung, damit bei der Eingabe des Zieles die Hände am Steuer bleiben können.
Diese technische Aufrüstung mit Computerfunktionen ist der vorläufige Endpunkt eines Trends, der bereits seit den 1970er Jahren anhält: Die Erweiterung der Autos mit elektronischen Systemen. Selbst in einem Kleinwagen gibt es bis zu 30 Module für Motorsteuerung, Sicherheitsmechanismen wie ESP, oder Airbag, Fahrzeugdiagnose, Schließsystem, Entertainment und Navigation.
Diese Systeme sind allerdings in den meisten Fällen voneinander getrennt. Doch bei neueren Modellen beginnen die Hersteller, bestimmte Komponenten stärker zu integrieren und zu vernetzen, sodass sie Daten untereinander austauschen können. So sind heute zum Beispiel bereits bei zahlreichen Modellen die Diagnosesysteme über das Internet und damit von außen erreichbar.
Die deutschen Premiumhersteller sind bei dieser Entwicklung am weitesten. Ein Beispiel: Bereits seit mehreren Jahren gibt es „BMW ConnectedDrive“, ein Kommunikations- und Navigationssystem, das mit einem ins Auto eingebauten Mobilfunkmodul arbeitet. Dabei werden unter anderem Kernfunktionen wie das Öffnen des Wagens auch über ein Smartphone gesteuert.
Das System erlaubt darüber hinaus das Eingeben kurzer Texte per Spracherkennung, die dann als E-Mail oder SMS verschickt werden. Auch weitere Funktionen können durch die Spracherkennung gesteuert werden. Damit ist zum Beispiel die Bedienung des Navigationssystems per natürlicher Sprache möglich.
Da Autos vernetzten Computern immer ähnlicher werden, tauchen plötzlich auch Probleme auf, die bislang der herkömmlichen IT vorbehalten waren: Vernetzte Systeme sind von außen angreifbar, kleine Programmierfehler oder Sicherheitslücken können ausgenutzt werden.
Kürzlich ist ein typischer Fall bekannt geworden. Über mehrere Jahre hinweg gab es eine Sicherheitslücke in ConnectedDrive. Nach Angaben von BMW ist der Fehler mit der kürzlich verteilten Aktualisierung der System-Software behoben und konnte bisher mangels Kenntnis nicht von Cyberkriminellen ausgenutzt werden.
Die Schwachstelle war bei etwa 2,2 Millionen Fahrzeugen verbreitet und hätte dazu führen können, dass Cyberkriminelle via Mobilfunk die Türen eines Autos öffnen könnten. Die Funktionen zum Entriegeln des Schließsystems waren unzureichend gegen Hackerangriffe geschützt gewesen.
Aufgedeckt hatte den Fehler nicht etwa BMW selbst, sondern der ADAC. Der Münchner Autoclub hatte Sicherheitsexperten beauftragt, die Systeme der Hersteller auf genaue Einhaltung des Datenschutzes zu überprüfen. Die Sicherheitslücke wurde dabei eher zufällig entdeckt. BMW hatte schlicht versäumt, die Verbindung zwischen dem zentralen BMW-Server und dem Auto mit HTPS zu verschlüsseln - ein Einfallstor für geschickte Hacker, um Unsinn mit den offen zugänglichen Funktionen anzurichten.
Auf ein ähnliches Problem machten im letzten Jahr zwei Studenten im Zuge eines Wettbewerbs bei der Informations- und Sicherheitskonferenz Syscan aufmerksam, als sie ein Tesla Model S ferngesteuert hackten. Dabei haben sie die Kontrolle über Autotüren, Schiebedach, Scheinwerfer und Hupe erlangt und diese während der Fahrt kontrolliert.
Die Sicherheitsexperten von ESET raten: „Man sollte nicht den Fehler begehen, zu denken, dass neumodische Geräte von Cyberangriffen verschont bleiben. Oftmals können sie sich mit dem Internet verbinden und speichern mehr Daten, als dem Nutzer bewusst ist. Der Trend des Internets der Dinge wird mit Sicherheit auch bei Kriminellen auf Interesse stoßen.“
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