Keep it simple

Eine Aufgabe, eine App

Apps gewinnen durch Reduktion: Sie erhöhen die Produktivität, wenn sie dem Anwender helfen, genau eine Aufgabe besser zu erfüllen.

Featuritis heißt die Krankheit, die mit dem Alter kommt: Je länger an einer Software entwickelt wird, desto mehr Funktionen erhält sie. Dies ist vor allem bei Business-Software so. Sie wird bei jeder neuen Version mit noch mehr und noch mehr Funktionen aufgerüstet. Das nennt sich auch "Overengineering" und hat oft einen ganz einfachen Grund: Der zahlenden Nutzer soll eine Weiterentwicklung sehen. Besonders bei prozessorientierten Geschäftsanwendungen bauen Entwickler mit steigender Versionsnummer nicht nur die Kernprozesse, sondern auch Randfunktionen und Nachbarprozesse ein.

Relikte aus der Notebook-Zeit

Ein gutes Beispiel sind CRM-Programme, mit denen die Kundendaten verwaltet werden. Eine Geschäftsanwendung dieses Typs kann häufig viele (sinnvolle) Prozesse rund um Vertrieb und Marketing erfassen, unter anderem auch Kundenbindungsaktionen, Newsletter-Versand, Protokolle aus dem Callcenter und vieles mehr. Und dann kommt die Anforderung, das System muss mobil werden. Viele Unternehmen sehen den Weg schon halb bewältigt, wenn die Weboberfläche der Anwendung an mobile Browser angepasst wird. Leider widerspricht so etwas dem Gedanken von Apps auf modernen Mobilgeräten und ist eine Form von Overengineering.

Die Idee, die Oberfläche einfach für geringere Display-Auflösungen umzustricken, ist ein Relikt aus der Zeit der Notebooks. Mit einem vollwertigen x86-Rechner, der lediglich einen etwas geringer aufgelösten Monitor hat, lässt sich so ein Konzept problemlos verwirklichen. Für Smartphones und sogar für größere Tablets mit 10-Zoll-Display ist das der falsche Weg. Er verfehlt auch die Stärken der Mobilgeräte. Apps haben eine starke Vereinfachung des Umgangs mit Computern gebracht und zwar durch Reduktion.

Dieser Grundsatz wurde in den "iOS Human Interface Guidelines" von Apple so ausgedrückt: "Great iOS apps have a laser focus on the task they help users accomplish." Auf Deutsch und ins Allgemeine gewendet heißt das: "Wirklich gute Apps konzentrieren sich auf die Aufgabe, die der Anwender erfüllen soll."

Apps sind aufgabenorientiert

Apps sind wegen der Begrenzungen der Hardware schlecht darin, ganze Prozesse abzubilden. Sie sind aber sehr gut darin, den Anwender bei einzelnen Aufgaben innerhalb dieser Prozesse zu unterstützen. So ist es zum Beispiel unsinnig und geht an den Möglichkeiten von Mobilgeräten vorbei, möglichst viele Funktionen aus der CRM-Anwendung auf das Mobilgerät zu bringen. Stattdessen sollten die Anwender in der Lage sein, bestimmte Aufgaben aus dem Bereich CRM mobil zu erledigen.

Und dabei kommt es auf den Anwender an. Wenn es also heißt: "Wir brauchen mobiles CRM", sollte ein Unternehmen zunächst einmal die Nutzer analysieren. Welche Nutzergruppen für CRM gibt es, welche Aufgaben müssen sie häufig erfüllen?

Ein Außendienstler im Vertrieb, ein Wartungstechniker, ein Buchhalter und ein Manager benötigen meist ganz unterschiedliche Ausschnitte aus dem CRM-Fundus. Mobile Apps sollten diese verschiedenen Bedürfnisse berücksichtigen und sich jeweils auf eines oder nur wenige davon konzentrieren. Dies entspricht auch der Erfahrung von IT-Beratern wie Capgemini. In einer Blogserie zur digitalen Transformation kommt Ron Tolido, der Chief Technology Officer der Application Services des Unternehmens auch auf die Voraussetzungen für gute Apps zu sprechen.

Er warnt Firmen vor zu viel Detailverliebtheit bei Apps: "Don’t over-engineer the app and don’t try to put too much functionality in it. Rather, create a new app to serve a specific need."


Link: Das CTO-Blog von CapGemini

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