Digitale Bildung

Einsatz von Digitaltechnologien ist noch am Anfang

In einer Artikelserie beschäftigt sich das Presseblog von Microsoft Deutschland mit den Problemen und Entwicklungen beim digitalen Lernen.

Bei den Schulen in Deutschland kann von einer großflächigen digitalen Transformation keine Rede sein. Die Hardware-Ausstattung geht vielerorts über ein paar Büro-PCs im Sekretariat nicht hinaus. Doch es gibt eine Reihe von Vorreiter-Schulen, die bereits seit längerer Zeit erfolgreich auf Konzepte für die digitale Bildung setzen.

Einige Praxisberichte und ein paar Erfahrungen von erfahrenen Forschern im Bereich des digitalen Lernens hat eine Artikelreihe im Presseblog von Microsoft Deutschland gesammelt. Vor allem die Äußerungen der Schulpraktiker sind sehr interessant, zeigen sie doch den Status der Digitalisierung in durchschnittlichen Schulen.

Hier liegt einiges im Argen. Die Hardware-Ausstattung ist oft sehr schlecht und die überwiegende Mehrheit der Lehrer ist nicht für Konzepte des digitalen Lernens ausgebildet. Hinzu kommt die desolate Lage der öffentlichen Finanzen, so dass vollkommen unklar ist, wie schnell die digitale Transformation der Schulen voranschreiten wird.

„Pädagogische Konzepte sind wichtiger als Technik“

Technik allein reicht nicht. „Lehrkräfte müssen einerseits mit den Technologien umgehen können und andererseits wissen, wie man sie sinnvoll und lernförderlich im Unterricht einsetzt“, fordert Prof. Dr. Wilfried Bos vom Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund. „Nur so können die Potentiale digitaler Medien zur Unterstützung der Entwicklung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen ausgeschöpft werden.

Er betont, dass hinter der Einführung von Technologien pädagogische Konzepte stehen müssen. Digitale Medien sollten nicht nur Ersatz für die analogen Lernmaterialien sein, sondern auch ihren lernförderlichen Mehrwert nutzen. Wilfried Bos: „Insgesamt bilden also die IT-Ausstattung, die konzeptionelle Einbettung des Medieneinsatzes im Unterricht sowie die entsprechende Professionalisierung der Lehrkräfte die Grundlage für ein förderliches Lernen mit digitalen Medien.“

„Die Art des digitalen Lernens bestimmt den Erfolg“

„Das Lernen am Computer ist nicht generell effektiver als mit traditionellen Medien“, gibt Prof. Dr. Erika Brinkmann von der PH in Schwäbisch Gmünd zu bedenken. „Soweit sich positive Wirkungen zeigen, sind sie eher punktuell und abhängig von den konkreten Programmen, den sozialen Kontexten ihres Einsatzes und den beteiligten Personen.“ Brinkmann ist Grundschullehrerin und erforscht das „Wie“ Computereinsatzes in Grundschulen.

„Das allerdings ist eine schwierige Frage. Sie lässt sich nur entscheiden, wenn man sich Klarheit über die Funktion verschafft, in der die Programme eingesetzt werden sollen.“ Sie betont die Bedeutung von Freiräumen im Unterricht, der ein individuelles Lernen am Computer erlaubt, etwa zum Einüben von Fertigkeiten, als Kommunikationsmedium oder als Informationshilfe.

„Einheitliche Hardware kann zur Sackgasse werden“

Lehrer Detlef Steppuhn sieht in seiner Schule, dem Erich-Gutenberg-Berufskollegs Köln, ein schulspezifisches „Bring Your Own Device“ (BYOD) verwirklicht, das auch für andere Schulen mit jüngeren Schülern Wirklichkeit werden könnte. Er betont die Vorteile dieses Ansatzes, da es hier keinen Zeitverlust für das Ausgaben, Einsammeln und Überprüfen der Geräte gibt. 

Er warnt vor einer Sackgasse, zu der bereits viele Notebook-Klassen geworden sind: Die Schüler müssen sich ganz bestimmte Geräte eines Herstellers anschaffen, obwohl viele davon bereits ein eigenes besitzen. An seiner Schule gibt es eine Schulplattform, die mit Office 365 realisiert habenwurde. Kommunikation und Kollaboration erfolgt über Mail, Kalender und Klassen-Teamsites. Die eingesetzte Software ist nicht nur kostenlos, sondern plattform-unabhängig einsetzbar, erfordert also keine bestimmte Hardware.

„Das Medium an sich vermittelt gar nichts“

„Weder die technische Ausstattung der Schulen, noch der Schülerhaushalte sind soweit, dass man Online-Learning-Plattformen außerhalb von Schulversuchen flächendeckend einsetzen könnte“, kritisiert Nikola Truxa, Leiterin des LOS Lehrinstitut für Orthographie und Sprachkompetenz in Wien. „Weiter müssen noch viele Fortbildungen stattfinden, um die Lehrenden in die Lage zu bringen, Veranstaltungen mit Hilfe von neuen Medien durchzuführen.“

Sie betont die Vorteile einer guten Lernplattform, die auch Gamification umfasst. „Anerkannterweise hilft gegen jegliche Form der LRS Üben: Üben durch Symptomtraining, Üben durch Lesen, Üben durch Schreiben“, berichtet die Lehrerin aus der Praxis. Hier könne ein Lernprogramm mit spielerischen Elementen helfen, um die oft als monoton empfundenen Übungen abwechslungsreich zu gestalten.

„Wir müssen die Dogmen rund um die digitale Bildung beseitigen“

Der Lehrer Bob Blume, Studienrat am Windeck-Gymnasium Bühl, warnt vor allzu großer Euphorie. Digitales Lernen sei nicht grundsätzlich besser. Außerdem sieht er eine Tendenz auf die „Leuchttürme in der Bildungslandschaft“ zu starren. Er kritisiert, dass viele Lehrer nicht sehen, was heutzutage schon möglich ist, ohne einen riesigen Aufwand zu betreiben.

Blume: „Digitale Medien sind im Leben implementiert und sollten es auch in der Schule sein, ohne Angst und Scheu.“ Er möchte sie dann eingesetzt sehen, wenn sie die Chancen des gemeinsamen Lernens erhöhen, das Lernen für die Welt öffnen und das Verständnis von Welt fördern können. „Das wird uns aber erst dann gelingen, wenn wir die Dogmen rund um digitale Bildung beseitigen.“


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

 

 

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