Microsoft bombardiert die IT-Szene mit Nachrichten: Jeden Monat erscheint eine verbesserte Version von Windows 10 mit vielen neuen Funktionen und in regelmäßigen Abständen gibt es verblüffende Neuigkeiten. So zum Beispiel die, dass Microsoft und Dropbox eine Kooperation abschließen. Dropbox wird in Office integriert und umgekehrt. Eine andere interessante Neuigkeit betrifft die Office-Apps auf dem iPad. Sie sind jetzt kostenlos. Gratis-Apps für Android sollen folgen.
Kostenloses Office für Gelegenheitsnutzer
Diese Politik der Transparenz entspricht so gar nicht dem klassischen Bild von Microsoft. Das Unternehmen war früher ein verschlossener Monolith, dessen glatt polierte Oberfläche nichts hindurch lies. Jetzt ist Offenheit angesagt, auch bei den Produkten. Office 365 wird mehr und mehr zu einer Premium-Version für zahlende Kunden, denen der Basisdienst "Gratis-Office im Web und in der App" nicht mehr reichen.
Microsoft macht hier also etwas, was es im vergangenen Vierteljahrhundert penibel vermieden hat. Es kassiert kein Geld mehr für die ungefähr 10 Prozent der Office-Funktionen, die der Durchschnittsanwender regelmäßig benötigt. Denn der gibt nur sehr ungern Geld für diesen überschaubaren Funktionsumfang aus, sodass Office in der Vergangenheit zu den am meisten raubkopierten Software-Produkten jenseits des Spielemarktes gehörte.
Früher versuchte Microsoft Raubkopien mit technischen Maßnahmen zu erschweren und den Schwarzmarkt juristisch auszutrocknen. Die zeitgemäße Konsequenz ist es, den Privatanwendern das zu geben, was sie wollen: Ein kostenloses Office mit allen Funktionen für gelegentliche und nicht besonders anspruchsvolle Aufgaben.
Der Funktionsumfang der mobilen Apps oder der kostenlosen Webapps von "Office Online" reicht für eine Vielzahl der alltäglichen Anwendungsszenarien aus. Und wer mehr will, kann Office 365 inzwischen für einen Spottpreis kaufen: Als Abomodell ab 65 Euro im Jahr. Zur Abrundung hat Microsoft für Anwender von Office 365 alle Mengenbegrenzungen bei OneDrive fallen gelassen haben.
Allein der unendlich große Cloudspeicher macht ein Office 365-Abo bereits attraktiv. Hinzu kommt: Es gibt im Abomodell keine Einschränkungen mehr, Office 365 besteht immer aus Outlook, Word, Excel, PowerPoint, Publisher und Access. Lediglich in den immer noch verkauften Pappschachtel-Varianten gibt es unterschiedlich eingeschränkte Lieferumfänge.
Anwender mit Gratisfunktionen locken
Kurz und gut: Microsoft hat die Lehre aus der Entwicklung des IT-Marktes in den letzten Jahren gezogen. Lehrmeister sind Startups, die möglichst viele Anwender mit Gratisfunktionen anlocken und die kleine Gruppe der Profinutzer mit kostenpflichtigen Highend-Funktionen überzeugen.
Dieses Geschäftsmodell wird Freemium genannt: "Free Users" sorgen für die Reichweite, "Premium-Users" für den Umsatz. Das Modell setzt darauf, dass es bei einer hinreichend großen Anzahl an Anwendern genügend Profinutzer gibt, die sich für die Bezahlfunktionen begeistern können. In Reinkultur verwirklicht Microsoft dieses Modell nicht, doch es ist schon erstaunlich, wie weit Satya Nadella bei der Adaption des Prinzips geht.
Ist das sinnvoll? Entgeht Microsoft da nicht jede Menge Umsatz? Kann sein, kann auch nicht sein. Mit großer Wahrscheinlichkeit wechseln Gratis-Nutzer eher den Anbieter als zu bezahlen. Microsoft hat ja durch Services wie Google Docs erstmals seit langer Zeit wieder Konkurrenten, die ein attraktives kostenloses Angebot haben.
Letztlich blieb Satya Nadella keine andere Konsequenz, als ebenfalls hochwertige kostenlose Dienste anzubieten und auf die Profis und B2B-Vertragspartner zu setzen. Da die Konkurrenten ihre Gratisangebote kontinuierlich aufrüsten, wäre die einzige Alternative ein schleichender Bedeutungsverlust von Microsoft Office gewesen.
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