Digitale Arbeitswelt

New Work ist noch selten in den Unternehmen

Neue Arbeitszeitmodelle und Arbeitsplatzkonzepte sind noch selten in der deutschen Wirtschaft. Es herrschen Kontrollwahn und Homeoffice-Verbot.

Selbstbestimmtes Arbeiten, Vertrauensarbeitszeiten, Vertrauensarbeitsorte – das sind sehr wichtige Teile der Idee vom „New Work“ der Wissensarbeiter und eine Voraussetzung für das digitale Wirtschaftswunder.

Leider bleibt so etwas für viele deutsche Arbeitnehmer ein Traum. Zahlreiche Unternehmen blockieren die Auflockerung der Arbeitszeit und genehmigen kein Homeoffice. Diese Erkenntnis entstammt einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), über die in der Süddeutschen Zeitung berichtet wurde.

Bei der Befragung gaben 40 Prozent der Arbeitnehmer an, das bei ihrer Tätigkeit Heimarbeit durchaus möglich ist. Aber lediglich 12 Prozent arbeiten überwiegend oder gelegentlich von zu Hause aus. Nicht jeder möchte Heimarbeiter sein, doch nach den Erkenntnissen des DIW könnte ihr Anteil problemlos auf mehr als 30 Prozent steigen.

Hauptgrund ist laut der Studie eine eher traditionell-konservative Einstellung, bei der vorrangig die Anwesenheit am Arbeitsplatz zählt. Außerdem haben viele Führungskräfte es gerne, wenn sie ihre Mitarbeiter um sich scharen und jederzeit kontrollieren können.

Auch in anderer Hinsicht zeigt sich die Mehrheit der Unternehmen zurückhaltend bei der Übernahme von digitalen Arbeitsplatzkonzepten. Laut der aktuellen Smart-Worker-Studie des Beratungsunternehmens Dokulife sind analoge Technologien wie Telefon und Fax immer noch beliebt.

Jeder zweite nutzt Videokonferenzen fast gar nicht

Digitale Verfahren wie Videokonferenzen kommen hingegen nur schwer in die Gänge. Weniger als 20 Prozent der befragten Firmenangehörigen nutzen trotz des Vorteils der eingesparten Reisekosten täglich oder wenigstens mehrmals pro Woche Videokonferenzen. Und gut die Hälfte nutzt Videokonferenzen fast gar nicht.

Die herkömmlichen Kommunikationsmethoden sind jedoch in den meisten Unternehmen die Mittel der Wahl. Telefon, persönliches Gespräch und auch die bereits mehrfach totgesagte E-Mail sind für um 90 Prozent der Angestellten das bevorzugte Werkzeug.

Und wie jeder weiß, der in Unternehmen und Behörden arbeitet: Das Fax lebt noch, 41 Prozent der Angestellten und Beamten nutzen es intensiv. Aber auch moderne Arbeitsmittel wie das Smartphone sind inzwischen im Arbeitsalltag der meisten angekommen. So nutzen fast 60 Prozent der Befragten ein Smartphone für die Arbeit, meist aber ein Privatgerät.

Ebenfalls recht weit verbreitet sind Tablets, die inzwischen von 30 Prozent der Leute eingesetzt werden. Wie allerdings zu vermuten ist, werden die Mobilgeräte ebenso wie Notebooks vorwiegend bei Außendienstlern eingesetzt - Heimarbeitsregelungen sind ja nicht die Stärke der deutschen Unternehmen.

Neue Arbeitszeitmodelle und Arbeitsplatzkonzepte sind noch so selten, so dass die Auszeichnung von „Best Practices“ mit einem Preis und etwas mehr Öffentlichkeit durchaus naheliegend ist. Deshalb hat das Berufenetzwerk Xing bereits zum dritten Mal einige Unternehmen mit dem „New Work Award“ ausgezeichnet.

New Work: Der Mitarbeiter als Erfolgsfaktor

Von mehr als 140 Bewerbern gelang zwölf Unternehmen der Sprung auf die Shortlist des „Ideenlabors“, einem Expertengremium führender Köpfe aus Gesellschaft, Wirtschaft und Forschung um Thomas Sattelberger, Publizist und ehemals Personalvorstand Deutsche Telekom, und Xing-CEO Thomas Vollmoeller. Im Anschluss wählte die Netzgemeinde aus den zwölf Finalisten die Sieger.

„Die eingereichten Konzepte sind so bunt und unterschiedlich wie die Lebensläufe der einzelnen Mitarbeiter“, sagt Thomas Vollmoeller, CEO der Xing AG. „Was mich besonders freut: Es sind nicht nur Großkonzerne oder Start-ups, die sich mit neuen Arbeitsmodellen beschäftigen, sondern zunehmend auch Firmen aus traditionelleren Branchen, die sich trauen, Arbeit neu und anders zu organisieren.“

Den ersten Platz sicherte sich die Robert Bosch GmbH mit ihrem Konzept „Vielfalt ist unser Vorteil“. Bosch bietet individuelle Lösungen wie Homeoffice, Job-Sharing und auf Betreuungszeiten abgestimmte Familienarbeitsplätze – auch in der Produktion.

Das zweitplatzierte Bauunternehmen Heitkamp & Hülscher GmbH & Co. KG überzeugte mit seiner Initiative „Das H-Team: Mitarbeiter als Erfolgsfaktor“. Es macht Mitarbeiter über Beteiligungen zu Mitunternehmern und fördert damit Motivation und Zufriedenheit.

Der dritte Platz des geht an die Bike Citizens GmbH. Sie führte eine 4-Tage-/36-Stunden-Woche ein und zwar vom Chef bis zum Praktikanten. Das Ergebnis: Die Mitarbeiter sind produktiver und kreativer, es gibt weniger Krankheitstage und eine gute Stimmung im Büro.

Die Erfahrungen der Unternehmen zeigen: Ein Arbeitsplatz mit mehr Zeitsouveränität und einer gewissen Entscheidungsfreiheit führt zu zufriedenen Mitarbeitern. Das wiederum kann ein ganzes Unternehmen produktiver und innovativer machen.

Die Smart-Worker-Studie
Details zu den New Work Awards

Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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