Die Qual der Wahl beim Einsatz von mobilen Businesslösungen: Laptops, Tablets oder hybride Mischformen?
Tablets erfreuen sich im professionellen Umfeld immer größerer Beliebtheit und kommen auch im Mittelstand als mobile Begleiter zum Einsatz. So stellt die Volksbank Mittelhessen beispielsweise ihren Auszubildenden Tablets zur Verfügung. Oliver Gürtler, Leiter des Geschäftsbereichs Windows bei Microsoft, berichtet: „Die Volksbank Mittelhessen nutzt für die Ausbildung Surface-Tablets und eine E-Learning-App für Windows. Tablet und App unterstützen die Mitarbeiter während der dreijährigen Ausbildung zu Bankkaufleuten.“ Aber nicht nur den eigenen Mitarbeiter, auch den Kunden können Mittelständler mit Tablets ein schickes Extra bieten: So hält das Hotel Excelsior in Köln Surface-Tablets für seine Hausgäste bereit. Diese können damit im Internet surfen, erhalten kostenlosen Zugang zu Magazin -Apps sowie Informationen zum Haus – ein Szenario, indem man sich Laptops eher schwer vorstellen kann.
Tablets spielen ihren Formfaktor und ihre einfache Bedienbarkeit in den verschiedensten Szenarien aus. Insbesondere dann, wenn Informationen übersichtlich dargestellt werden sollen, sind sie beliebt. „Die schlanken Geräte eignen sich in vielen Unternehmensbereichen hervorragend zur Produktpräsentation“, erklärt Stefan Rapp, Manager IM Enterprise Solutions bei Samsung, die große Stärke der Tablets. Er zählt verschiedene, ihm bekannte Szenarien im mittelständischen Einsatz auf:
„Aber den größten Nutzen haben Anwender immer dann, wenn die Geräte in Kombination mit einer speziellen Software oder App eine unternehmensspezifische Lösung abbilden“, präzisiert Andreas Marten, Product Lifecycle Manager Client Solutions bei Dell, die Anwendungsbereiche.
Marten geht davon aus, dass die Relevanz von Tablets im Vergleich zu Notebooks besonders im Außendienst deutlich wachsen wird. Die Geräte sind leicht, kompakt und handlich, darüber hinaus bieten sie zudem einen repräsentativen Formfaktor für die Unternehmen. Schickes und ansprechendes Design ist für viele Anwender – auch und gerade bei den Geschäftskunden – ein wichtiges Kriterium geworden. Dies bestätigt auch Stefan Rapp: „Vielen Firmen wollen sich mit dem Einsatz der smarten und flachen Mobilgeräte trendig und innovativ darstellen und so zu einer positiven Außenwahrnehmung beitragen.“
Neben diesem repräsentativen Faktor ist ein weiterer wichtiger Pluspunkt der Tablets ihre Flexibilität. „Durch Zubehör wie Tastaturen oder Docking-Stationen kann aus einem Tablet im Handumdrehen ein Notebook- oder Desktopersatz werden, so dass es sowohl für Außentermine als auch für das produktive Arbeiten am Schreibtisch genutzt werden kann. Bei Dell bieten wir z.B. mit dem Venue 11 Pro eine Lösung an, die drei Geräte in einem vereint“, berichtet Marten.
Von Verdrängung der Notebooks durch die Tablets im Außendienst könne aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Rede sein, ordnet Ulrich Jäger, Product Marketing Manager bei Toshiba, den Tablet-Trend ein. Vielmehr kommen seiner Erfahrung nach, je nach Anwendungsbedarf, beide Gerätekategorien zum Einsatz: „Lässt sich ein reines Tablet im Meeting vor Ort beispielsweise ideal als Zuspieler für Projektoren nutzen, so sind bei der Erstellung von Präsentationen oder Datenbankeingaben zusätzliche Funktionen gefragt“, erklärt er. Diese zusätzlichen Funktionen, mit denen Laptops nach wie vor punkten, sind neben höherer Leistung und vielfältigerer Schnittstellenausstattung die vollwertige, eventuell hintergrundbeleuchtete Tastatur.
Insbesondere die Tastatur ist nach wie vor ein beliebtes Steckenpferd vieler Außendienstmitarbeiter. „Hier können aber auch die immer beliebteren Hybrid-Lösungen aus Tablet und KeyboardDock punkten – z.B. unsere Detachable-Modelle der Portégé Z10t-Reihe“, erklärt Jäger. Solche Hybridmodelle, quasi eine Mischung aus Tablet und Notebook, haben ihm zufolge gute Chancen, sich im B2B-Umfeld weiter zu etablieren. Bei der Datenpflege oder bei der Eingabe längerer Texte sowie der Bearbeitung von Präsentationen bieten sie den Komfort eines vollwertigen Laptops. Eine Docking-Lösung bzw. die Möglichkeit, eine externen Tastatur an das Tablet anzuschließen, sei nach wie vor essentiell – die Touch-Funktion spiele insbesondere bei der Datenpflege eine untergeordnete Rolle.
Oliver Gürtler, Leiter des Geschäftsbereichs Windows von Microsoft Deutschland sieht das anders: „Gerade Programme wie Excel oder Word, die von vielen mittelständischen Unternehmen zur Pflege wichtiger Daten genutzt werden, bieten durch eine zusätzliche Touch-Eingabe ganz neue Möglichkeiten der Datenpflege.“ Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit könne hierbei durch bestimmte Gesten wertvolle Zeit gespart werden. Aber dank zusätzlichem Zubehör muss auch kein Mitarbeiter auf eine physische Tastatur verzichten. Es geht also weniger um ein „Entweder-oder“, sondern mehr um die Frage, wie man bestehende Prozesse durch neue Technologien sinnvoll ergänzen kann, erklärt Gürtler.
Andreas Marten schätzt zwar auch die Vorteile der optionalen Erweiterungen um die Eingabeklassiker Tastatur und Maus, lobt aber ausdrücklich, dass sich Tablets intuitiv und einfach über ein Touch-Display bedienen lassen und Tastatur und Maus eben oft überflüssig machen. „Die Touch-Technologie ist intuitiv und die Benutzung erfolgt in der Regel direkt und natürlich. Zudem können Aufzeichnungen, Notizen und sogar Unterschriften mittels eines Stifts, z.B. des Active Stylus Pens von Dell, so einfach wie auf Papier erfasst werden. Das macht die Handhabung bei Außenterminen deutlich unkomplizierter.“ Der Dell-Manager bestätigt aber, dass es durchaus Situationen gibt, in denen eine Tastatureingabe einfacher oder auch schneller ist. „Wir bieten Tablet-Kunden deshalb eine Reihe von optionalem Zubehör an“, erkärt er und weist auf einen weiteren interessanten Punkt hin: „Übrigens kann durch die in der Tastatur integrierte Batterie die Akkulaufzeit des Tablets nochmals verlängert werden.“
Die wichtige Frage nach der Akkulaufzeit ist weniger eine Frage der Geräteklasse als eine des spezifischen Modells – daher hat in diesem Punkt generell weder Tablet noch Laptop die Nase vorn. Im Zweifelsfall ist der Akku immer zu schwach. Gefühlt können Tablets aber durch die schnellere Aufwachzeit beim Anwender punkten. Was allerdings daran liegt, dass sie meist nicht heruntergefahren werden, sondern im Standby-Modus warten dürfen. Laptops – die traditionell eher heruntergefahren werden – haben hier aber deutlich aufgeholt und sind heutzutage auch in wenigen Sekunden einsatzbereit.
Nach wie vor haben Laptops noch einen kleinen Vorsprung in der Kapazität des internen Speichers. Auch in Zeiten der Cloud-Speicherdienste bleibt dies ein Kriterium für Geschäftsanwender. In der Vergangenheit war der Speicherplatz vieler Tablets begrenzt. Mittlerweile gibt es jedoch Tablets mit 64 GB Speicher, die via microSD-Karte um weitere 64 GB ergänzt werden können. Dies reicht für die meisten Aufgaben im mobilen Arbeitsumfeld aus.
Ein vermeintlicher anderer Vorteil der Laptops – die Möglichkeit, auch offline zu arbeiten – hat sich überholt. Mit windows-basierten Tablets kann man ebenso gut online wie offline arbeiten, so die Hersteller. „Mit Windows 8.1 steht jedem Tablet-Nutzer das neueste Microsoft-Betriebssystem zur Verfügung, welches auch auf einem regulären Laptop verwendet wird“, erklärt Andreas Marten von Dell. Stefan Rapp von Samsung will ebenfalls mit dem Mythos der zwingend notwendigen Onlineverbindung für Tablet-Anwendungen aufräumen: „Mit Produktivitätstools wie Hancom Office sind Tablets mittlerweile nicht mehr auf eine Online-Anbindung angewiesen. Mit diesen Tools können Nutzer auch offline Dokumente erstellen und bearbeiten“, betont er.
Andreas Marten hält eine völlige Verdrängung der Notebooks dennoch für unwahrscheinlich, denn es gibt einige Bereiche, in denen diese „klassische“ Gerätegruppe eine wichtige Rolle spiele. „Für die Verarbeitung großer Datenmengen zum Beispiel“, erklärt er. „Architekten, Ingenieure oder auch Medienschaffende benötigen oft deutlich mehr Rechenleistung für die Erstellung und Präsentation ihrer Projekte, als die aktuellen Tablets leisten können.“
Laptops, Tablets und auch die hybriden Mischformen haben also alle ihre Vor- und Nachteile und somit ihre Berechtigung in den vielfältigen Einsatzszenarien des Mittelstandes. Die traditionelle Definition – Desktoprechner, Laptop oder Tablet – hat sich ohnehin verschoben. Es gibt eine Vielzahl neuer, innovativer Geräteklassen, beispielsweise Convertibles*, Detach-ables** oder Slider***.
Grundsätzlich geht es weniger um die Frage „Tablet oder Laptop“ – es geht vielmehr darum, ob sich ein Gerät für ein bestimmtes Einsatzszenario eignet. Ein Tablet ist nur dann für den Einsatz in Unternehmen geeignet, wenn es sowohl von Hardware- als auch von Softwareseite die notwendigen Funktionen für das Geschäftsumfeld mitbringt sowie IT-Sicherheit und -Verwaltbarkeit aus einer Hand gewährleistet. „Unterstützt ein Unternehmen diesen ganzheitlichen Ansatz, können Tablets beispielsweise die Produktivität im Außendienst erhöhen und flexible Arbeitsmodelle fördern“, ist sich Oliver Gürtler sicher.
*Convertible: Tastatur und Monitor sind über ein Drehgelenk robust verbunden,
aus einem Laptop wird so ein (dickeres) Tablet.
**Detachable: Der Bildschirm ist vom Rest des Gerätes abnehmbar und wird so zum Tablet.
***Slider: Der Bildschirm gleitet über die fest verbundene Tastatur und verbirgt sie.
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