IBM will in Deutschland weiter schrumpfen

1.000 Jobs auf der Kippe

Gerüchte um einen massiven Stellenabbau gab es schon länger – jetzt lieferte die IBM Deutschland selbst erste Fakten. Sie informierte die Gewerkschaft Verdi darüber, dass bis März 2017 rund 1.000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen.

Von den Maßnahmen betroffen sind vor allem Service-Mitabeiter, laut Verdi aus den Gesellschaften IBM D B&TS GmbH, IBM D GBS GmbH und IBM D MBS GmbH; bei GBS und MBS soll dabei die rund 200 Mitarbeiter starke Betriebsstätte Hannover geschlossen werden.

In einem offenen Brief an die deutsche Geschäftsführung protestiert Verdi gegen diese Maßnahme und wirft der IBM vor, „die massiven Managementfehler der vergangenen Jahre nun auf dem Rücken der Belegschaft auszutragen“. Der Stellenabbau sei „eine falsche Entscheidung. Sie schafft in der IBM eine verstärkte Atmosphäre der Angst."

Massenentlassungen aller Orten

Mit der neuen Ankündigung ist für Verdi aber noch nicht klar, dass es keinen weiteren Stellenabbau geben werde. Die Gewerkschafter befürchteten schon im Herbst den Abbau von 2.500 Arbeitsplätzen in Deutschland, denn der US-Konzern verlagert schon seit vielen Jahren Jobs in Billiglohnländer. 2012 war einmal von 8.000 Entlassungen die Rede. In Deutschland waren beispielsweise  2009 noch 21.100 Mitarbeiter beschäftigt; jetzt sollen es nur noch rund 16.500 Mitarbeiter sein. In den USA arbeiteten nach Gewerkschaftsangaben 2009 noch 105.000 Menschen für IBM, Anfang Juli 2015 aber nur noch 70.600.

Die jüngste Maßnahme in Deutschland ist Teil der Mitte März angekündigten Streichung von weltweit rund 14.000 Stellen. Diese Zahl hat Toni Sacconaghi, ein Analyst bei Sanford C. Bernstein, ausgerechnet – auf Basis der für Abfindungen im Jahr 2016 bereitgestellten Summe von 1 Mrd. Dollar. Diese Summe war der US-Börsenaufsicht im Zuge einer Pflichtmitteilung genannt worden. IBM selbst hüllt sich ansonsten bei dem Thema in beredtes Schweigen.

Auf der Seite gewerkschaftlich orientierten Facebook-Seite „Watching IBM“ häufen sich aktuell die Horrorzahlen: In Großbritannien etwa stehen über 1.350 Jobs der Sparte „Global Technology Services“ auf der Kippe, bei IBM Schweden sind es 225. In Dänemark streicht IBM 160 Stellen, in Norwegen 900, in Belgien 233 Stellen und in Frankreich 360. Das Sparen beim Personal hat längst Methode bei IBM, weiß Sacconaghi. Durch den Abbau von knapp 97.000 Stellen in den letzten zehn Jahren seien 6,78 Mrd. Dollar eingespart worden.

Gnadenloses „workforce rebalancing“?

Im IBM-Jargon ist zynisch von „workforce rebalancing“ die Rede; es gibt auch keinen Einstellungsstopp. Im Gegenteil: Anfang März gab es nach Firmenangaben weltweit 25.000 offene Stellen. Weltweit beschäftigte IBM Ende 2015 laut Geschäftsbericht trotz etlicher Übernahmen mit 377.757 Menschen aber weniger Personal als noch ein Jahr zuvor; Ende 2014 zählte die Belegschaft 379.592 Köpfe. Nach IBM-Angaben habe man im Jahr 2015 insgesamt etwa 70.000 neue Mitarbeiter gewonnen, aber etwa ebenso viele verloren.

Eklatant ist der Unterschied zum Jahresende 2013: Damals standen noch 431.212 IBMer auf der Gehaltsliste. Allerdings gab es nicht über 50.000 Entlassungen; laut Geschäftsbericht wechselten rund 35.000 Mitarbeiter durch den Verkauf von Geschäftsbereichen (z.B. x86-Server oder die Chipfabriken) den Arbeitgeber.

Bildquelle: IBM

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